Die Wasser-Wasser-Wärmepumpe nutzt Grundwasser als Wärmequelle und erreicht damit die höchsten Effizienzwerte aller Wärmepumpen-Typen. Eine JAZ von 4,5 bis 5,5 ist realistisch. Trotzdem machen sie weniger als 5 Prozent aller Installationen aus. Der Grund: Man braucht zwei Brunnen, eine wasserrechtliche Genehmigung, passendes Grundwasser und ein Grundstück, das das alles hergibt. Wer diese Voraussetzungen erfüllt, bekommt die effizienteste Heizung, die es gibt.
So funktioniert sie
Zwei Brunnen werden auf dem Grundstück gebohrt. Der Saugbrunnen fördert Grundwasser (8 bis 12 Grad ganzjährig) zur Wärmepumpe. Die WP entzieht dem Wasser 3 bis 5 Grad Wärme. Das abgekühlte Wasser fließt über den Schluckbrunnen zurück ins Grundwasser.
Die konstant hohe Quellentemperatur von 8 bis 12 Grad ist der große Vorteil. Im Gegensatz zur Luft-WP, die im Winter gegen minus 10 Grad arbeiten muss, hat die Wasser-Wasser-WP immer beste Bedingungen. Der COP liegt bei A10/W35 (10 Grad Quelle, 35 Grad Vorlauf) bei 5,5 bis 6,5.
Voraussetzungen
Grundwasser muss in erreichbarer Tiefe vorhanden sein, idealerweise in 5 bis 15 Metern. Tiefer als 20 Meter wird die Förderung unwirtschaftlich, weil die Brunnenpumpe zu viel Strom braucht.
Die Wasserqualität muss stimmen. Zu viel Eisen, Mangan oder Kalk verursacht Ablagerungen im Wärmetauscher und verkürzt die Lebensdauer der Anlage. Eine Wasseranalyse (100 bis 200 Euro) klärt das vorab. Eisen über 0,2 mg/l und Mangan über 0,05 mg/l gelten als problematisch.
Die Schüttmenge muss ausreichen. Für eine 10-kW-WP braucht man rund 2.000 Liter Grundwasser pro Stunde. Ob der Brunnen das liefert, zeigt ein Pumpversuch.
Die wasserrechtliche Genehmigung der unteren Wasserbehörde ist Pflicht. In Wasserschutzgebieten wird sie meistens verweigert. Die Bearbeitungszeit liegt bei 4 bis 12 Wochen, die Gebühren bei 300 bis 1.000 Euro.
Kosten
Gerät: 10.000 bis 15.000 Euro. Brunnenbohrung (Saug- plus Schluckbrunnen): 8.000 bis 15.000 Euro. Installation und Verrohrung: 5.000 bis 12.000 Euro. Wasseranalyse, Pumpversuch, Genehmigung: 600 bis 1.700 Euro.
Gesamt: 30.000 bis 45.000 Euro. Nach BEG-Förderung (55 Prozent plus 5 Prozent Effizienzbonus): 12.000 bis 18.000 Euro Eigenanteil.
Der Aufpreis gegenüber einer Luft-WP beträgt 10.000 bis 15.000 Euro, ähnlich wie bei einer Erdwärme-WP mit Tiefenbohrung.
Betriebskosten
Die hohe Effizienz macht sich bei den Stromkosten bemerkbar. Ein Haus mit 15.000 kWh Heizwärmebedarf braucht bei einer JAZ von 5,0 nur 3.000 kWh Strom pro Jahr. Bei 25 Cent (WP-Tarif): 750 Euro. Eine Luft-WP mit JAZ 3,5 braucht für das gleiche Haus 4.300 kWh, also 1.075 Euro. Ersparnis: 325 Euro pro Jahr.
Zusätzlich: passive Kühlung im Sommer. Das kühle Grundwasser (8 bis 12 Grad) kann direkt durch die Fußbodenheizung geschickt werden, ohne dass der Kompressor läuft. Stromkosten für die Kühlung: nur die Brunnenpumpe, rund 50 bis 100 Euro pro Sommer.
Die Brunnenpumpe verbraucht allerdings auch im Heizbetrieb Strom (200 bis 500 kWh pro Jahr), was den Effizienzvorteil etwas reduziert. Trotzdem bleibt die Wasser-Wasser-WP der effizienteste Typ.
Wartung und Lebensdauer
Die Brunnen müssen alle 5 bis 10 Jahre gewartet werden (Reinigung, Prüfung der Fördermenge). Kosten: 500 bis 1.500 Euro. Wenn die Wasserqualität schlecht ist (hoher Eisengehalt), kann der Wärmetauscher verkalken oder verockern und muss häufiger gereinigt werden.
Die Wärmepumpe selbst hält 20 bis 25 Jahre. Die Brunnen halten 20 bis 30 Jahre, abhängig von der Wasserqualität und dem Brunnenbau.
Für wen sich die Wasser-Wasser-WP lohnt
Für Häuser mit hoher Heizlast (über 12 kW), wo die Effizienz-Differenz zur Luft-WP spürbar wird. Für Grundstücke, die ungünstig für ein Luft-WP-Außengerät sind (Lärm, Platz). Und für Eigentümer, die langfristig minimale Betriebskosten wollen und bereit sind, die höhere Anfangsinvestition zu tragen.
Nicht geeignet, wenn: Grundwasser zu tief oder zu wenig (kein Brunnen möglich). Wasserqualität schlecht (Eisen, Mangan). Wasserschutzgebiet (keine Genehmigung). Grundstück zu klein für zwei Brunnen (Mindestabstand Saug- zu Schluckbrunnen: 10 bis 15 Meter). Oder wenn das Budget für eine Luft-WP mit guter Förderung ausreicht und man die Differenz lieber in Dämmung oder PV investiert.







