Kann ein Material hohe Wärmedämmung mit elegantem Design verbinden – und dabei noch leichter sein als herkömmliche Lösungen? Die Antwort liegt in einem innovativen Werkstoff, der die Bauwelt revolutioniert. Dieser spezielle Beton vereint Eigenschaften, die bisher als unvereinbar galten.
Mit einer Trockenrohdichte unter 800 kg/m³ übertrifft er gewöhnlichen Leichtbeton 2.0 deutlich. Der Name leitet sich vom lateinischen „infra“ (unter) ab – ein Hinweis auf seine extrem niedrige Materialdichte. Anders als porige Leichtbausteine ermöglicht er jedoch glatte Oberflächen in Sichtbetonqualität.
Diese Technologie schließt die Lücke zwischen klassischen Leichtbetonsorten und extrem leichten Steinvarianten. Du gewinnst damit völlig neue Gestaltungsfreiheiten – von schlanken Fassadenelementen bis zu energieeffizienten Gebäudehüllen. Wie das genau funktioniert und warum Architekten diesen Hochleistungsbaustoff bevorzugen, erfährst du jetzt.
Das Wichtigste im Überblick
- Extrem niedriges Gewicht durch Rohdichte unter 800 kg/m³
- Kombiniert Wärmedämmung mit gestalterischen Möglichkeiten
- Lateinische Silbe „infra“ verweist auf die Unterschreitung der Normdichte
- Technologische Brücke zwischen klassischem Leichtbeton und Leichtbausteinen
- Ermöglicht Sichtbeton-Oberflächen bei gleichzeitiger Dämmwirkung
Grundlagen und Definitionen
Baustoffe entwickeln sich ständig weiter – besonders dort, wo klassische Materialien an ihre Grenzen stoßen. Hier setzt eine neue Generation von Beton an, die bestehende Systeme kombiniert und überwindet.
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Begriffsklärung und Entstehung
Normale Leichtbetonsorten nach DIN 1045 wiegen zwischen 800 und 2.000 kg/m³. Leichtere Alternativen wie Bimssteine erreichen etwa 400 kg/m³, haben aber sichtbare Poren. Diese Lücke füllt der neue Werkstoff mit glatten Oberflächen bei gleichzeitig extrem niedriger Dichte.
| Betonart | Trockenrohdichte (kg/m³) | Eigenschaften |
|---|---|---|
| Normalbeton | 2.000-2.600 | Hohe Tragfähigkeit |
| Leichtbeton (DIN 1045) | 800-2.000 | Grundlegende Wärmedämmung |
| Haufwerksporige Steine | ~400 | Lochstruktur, begrenzte Gestaltung |
| Neue Betonvariante | <800 | Glatte Flächen + Dämmung |
Materialgeschichtliche Hintergründe
Traditionelle Leichtbausteine enthalten Blähton oder Bims. Ihre Zwischenräume bleiben teilweise leer – das erklärt die typische Oberflächenstruktur. Moderne Rezepturen nutzen spezielle Zuschlagstoffe, die Hohlräume minimieren ohne Gewichtszunahme.
Forscher experimentieren aktuell mit verschiedenen Mischungsverhältnissen. Standardisierte Produkte existieren noch nicht, was Planungssicherheit erschwert. Doch genau diese Flexibilität eröffnet Architekten neue Gestaltungsmöglichkeiten.
Herstellung und Mischungsvarianten
Wie entsteht ein Baustoff, der zugleich stabil und federleicht ist? Die Antwort liegt in speziellen Mischverfahren, die traditionelle Rezepturen neu kombinieren. Forscher entwickeln hier maßgeschneiderte Lösungen für jedes Projekt.
Rezepturentwicklung und technische Übergänge
An der TU Kaiserslaistern gelang ein Durchbruch mit Eisenhüttenschlacke und Blähglas. Diese Komponenten werden mit einem Schaumbildner versetzt, der die Zementmatrix aufschäumt. Das Ergebnis: Eine Rohdichte unter 750 kg/m³ bei 0,15 W/(mK) Wärmeleitfähigkeit.
| Komponente | Funktion | Beispielprodukt |
|---|---|---|
| Blähglas | Gewichtsreduktion | Liaver |
| Hüttensand | Festigkeitssteigerung | Eisenhüttenschlacke |
| Schaumbildner | Porenstruktur | Sika Additive |
Verarbeitung und spezielle Zusatzstoffe
Die richtige Konsistenz erreichst du durch präzise Dosierung von Blähton (Liapor) und Zement. Spezielle Bindemittel verhindern ein vorzeitiges Absinken der Leichtzuschläge. So entstehen homogene Bauteile ohne Hohlräume.
Individuelle Anwendungsbeispiele
Im Einfamilienhaus Aiterbach kam eine Sondermischung aus Blähglasgemisch und Blähton zum Einsatz. Jede Rezeptur wird vorab im Labor getestet – von der Fließfähigkeit bis zur Endfestigkeit. Diese Flexibilität macht den Werkstoff so vielseitig.
Was ist Infraleichtbeton? – Technische Besonderheiten
Was macht diesen Baustoff so besonders? Er vereint physikalische Eigenschaften, die früher als Widerspruch galten. Gleichzeitig bringt er architektonische Freiheiten, die herkömmliche Materialien nicht bieten.
Druckfestigkeit trifft Leichtbau
Mit nur 700 kg/m³ Rohdichte erreicht der Werkstoff über 8 N/mm² Druckfestigkeit – das entspricht etwa 10% von Normalbeton. Diese Balance entsteht durch präzise abgestimmte Zuschlagstoffe wie Blähglas, die Mikroporen ohne Hohlräume erzeugen.
| Eigenschaft | Infraleichtbeton | Normalbeton |
|---|---|---|
| Rohdichte | 700 kg/m³ | 2.400 kg/m³ |
| Druckfestigkeit | 8 N/mm² | 30-50 N/mm² |
| Wärmeleitfähigkeit | 0,15-0,185 W/(mK) | 2,1 W/(mK) |
Unsichtbare Dämmung in Sichtbetonqualität
Die glatten Oberflächen überzeugen durch geschlossene Porenstruktur. Beim Aiterbach-Haus genügten 50 cm Wandstärke ohne zusätzliche Dämmschicht. Der Grund: 0,185 W/(mK) Wärmeleitfähigkeit – besser als viele Dämmstoffe.
Du sparst damit nicht nur Materialkosten. Die monolithische Bauweise reduziert Gewerke und verkürzt Bauzeiten. Gleichzeitig bleiben Gestaltungsoptionen wie geschalte Strukturen oder pigmentierte Flächen erhalten.
Forscher der TU Kaiserslautern optimieren aktuell Rezepturen für noch höhere Festigkeiten. Ziel sind 12 N/mm² bei gleichbleibender Rohdichte – ein Quantensprung für mehrgeschossige Bauten.
Praxisprojekte und Forschungsergebnisse
Wie beweist sich ein neuartiger Werkstoff im echten Baualltag? Die Antwort liefern wegweisende Projekte und interdisziplinäre Forschungskooperationen. Sie zeigen, wie Theorie und Praxis zusammenwirken.
Reale Bauvorhaben und Verarbeitungsstudien
Architekt Michael Thalmair setzte beim zweigeschossigen Haus in Aiterbach auf 50 cm starke Außenwände aus dem Spezialbeton. Diese monolithische Lösung sparte Dämmmaterial und verkürzte die Bauzeit deutlich. Herausforderungen wie die exakte Konsistenz der Frischmischung wurden durch Laborversuche im Vorfeld gelöst.
Wissenschaftliche Untersuchungen und innovative Anwendungen
Mike Schlaich von der Technischen Universität Berlin analysiert mit seinem Team das Tragverhalten des Materials. Seine Publikationen zu Schubfestigkeit und Verbundeigenschaften bilden die Grundlage für zukünftige Normen. Die Partnerschaft mit schlaich bergermann ermöglicht direkte Umsetzungen von Forschungserkenntnissen in reale Gebäude.
An der Universität der Bundeswehr München entwickelte Rezepturen zeigen: Jedes Projekt erfordert individuelle Anpassungen. Diese Flexibilität macht den Werkstoff so spannend – aber auch planungsintensiv. Dein Vorteil? Du gestaltest energieeffiziente Bauten mit reduziertem Materialeinsatz.

















