Das E-Auto in der Einfahrt, die Solaranlage auf dem Dach, und dazwischen eine Wallbox, die beides verbindet. Die Idee ist naheliegend: Statt für 38 Cent pro kWh an der öffentlichen Ladesäule zu laden oder für denselben Preis Netzstrom zu zapfen, tankt man kostenlos Solarstrom vom eigenen Dach. Klingt verlockend. Funktioniert auch, wenn man ein paar Dinge beachtet.
Warum Solarladung so wirtschaftlich ist
Ein durchschnittliches E-Auto verbraucht 15 bis 20 kWh pro 100 Kilometer. Bei 15.000 Kilometern Jahresfahrleistung sind das 2.250 bis 3.000 kWh Strom pro Jahr. Zum Vergleich: Eine 10-kWp-Anlage erzeugt 10.000 kWh. Das E-Auto braucht also grob ein Viertel bis ein Drittel des Jahresertrags.
Wer diesen Strom vom eigenen Dach lädt statt vom Netz, spart 38 Cent pro kWh. Bei 2.500 kWh sind das 950 Euro im Jahr. Gegenüber der öffentlichen Ladesäule (oft 50 bis 70 Cent pro kWh) spart man noch mehr: 1.250 bis 1.750 Euro.
Um diese 2.500 kWh solar zu erzeugen, braucht man etwa 2,5 kWp zusätzliche PV-Leistung, das sind sechs Module. Kosten: 1.500 bis 2.500 Euro. Die sechs Module amortisieren sich allein durch die E-Auto-Ladung in unter zwei Jahren.
Was eine PV-fähige Wallbox können muss
Nicht jede Wallbox eignet sich zum Laden mit Solarüberschuss. Die günstigsten Modelle laden mit fester Leistung, egal woher der Strom kommt. Für PV-Überschussladen braucht man eine Wallbox, die ihre Ladeleistung dynamisch anpassen kann, also nur dann und nur so viel lädt, wie gerade Solarüberschuss vorhanden ist.
Die Kommunikation zwischen Wallbox und PV-Anlage läuft entweder direkt über den Wechselrichter (manche Hersteller bieten integrierte Lösungen) oder über ein Energiemanagementsystem (HEMS), das den Überschuss misst und die Wallbox entsprechend steuert.
Technisch gibt es eine wichtige Einschränkung: Die Mindestladeleistung. Bei dreiphasigem Laden (Standard in Europa) darf die Wallbox nicht unter 6 Ampere pro Phase gehen. Das ergibt eine Mindestladeleistung von 4,14 kW (3 mal 6 Ampere mal 230 Volt). Wenn der PV-Überschuss unter 4,14 kW liegt, kann die Wallbox bei dreiphasigem Laden nicht starten.
Die Lösung heißt Phasenumschaltung. Wallboxen mit dieser Funktion wechseln automatisch von drei Phasen auf eine Phase, wenn der Überschuss gering ist. Einphasig liegt die Mindestleistung bei nur 1,38 kW (6 Ampere mal 230 Volt). Damit lässt sich auch bei bewölktem Himmel oder am Morgen und Abend mit kleinem Überschuss laden.
Wallbox-Modelle für PV-Überschussladen
Fronius Wattpilot (Go/Home/Flex): Direkte Anbindung an Fronius-Wechselrichter, Phasenumschaltung, App-Steuerung. Ein gut integriertes System, wenn man ohnehin Fronius als Wechselrichter hat.
go-e Charger Gemini (flex): Günstiger Einstieg, Phasenumschaltung, kompatibel mit vielen HEMS-Systemen und mit evcc. Preis ab ca. 700 Euro.
KEBA KeContact P30: Solide, bewährt, gute API für die Einbindung in externe Steuerungen. Phasenumschaltung über externe Lösung (z.B. evcc).
openWB: Open-Source-Wallbox mit eingebautem Energiemanagement. Steuert PV-Überschussladen ohne zusätzliches HEMS. Für technisch affine Nutzer die flexibelste Lösung.
Heidelberg Wallbox Energy Control: Gut geeignet für Mehrfachinstallationen (mehrere Wallboxen am selben Anschluss). Phasenumschaltung über externes Lastmanagement.
SMA EV Charger: Optimal im SMA-Ökosystem (Sunny Home Manager steuert die Ladung nach PV-Überschuss). Teurerer als die Konkurrenz, aber gut integriert.
Die Kosten inklusive Installation liegen bei 1.600 bis 4.500 Euro, je nach Modell, Kabellänge und ob ein neuer Stromkreis vom Zählerkasten gelegt werden muss.
evcc: Die Open-Source-Alternative
Wer eine Wallbox hat, die von sich aus kein PV-Überschussladen kann (oder die nicht direkt mit dem eigenen Wechselrichter kommuniziert), kann das Open-Source-Projekt evcc nutzen. evcc läuft auf einem Raspberry Pi oder einem kleinen Server, liest den aktuellen PV-Überschuss vom Wechselrichter oder Smart Meter und steuert die Wallbox entsprechend.
evcc unterstützt über 50 Wallbox-Modelle und die meisten gängigen Wechselrichter. Es ist kostenlos, wird aktiv weiterentwickelt und hat eine engagierte Community. Die Einrichtung erfordert etwas technisches Verständnis (Konfigurationsdatei, Netzwerk), ist aber mit der Dokumentation auch für versierte Laien machbar.
Der Vorteil: Man ist nicht an ein bestimmtes Ökosystem gebunden. Fronius-Wechselrichter mit go-e-Wallbox und BYD-Speicher? Kein Problem, evcc verbindet alles.
Wie viel kWp braucht man fürs E-Auto?
Die Faustformel: Pro 15.000 Kilometer Jahresfahrleistung braucht ein E-Auto etwa 2,5 kWp PV-Leistung (rund sechs Module). Wer 20.000 Kilometer fährt, plant 3,5 kWp ein.
Aber: Nicht jede kWh kann direkt solar geladen werden. Das Auto steht nicht immer zu Hause, wenn die Sonne scheint. Wer morgens um 7 zur Arbeit fährt und um 18 Uhr zurückkommt, kann im Sommer die Abendsonne nutzen, im Winter aber nicht mehr. Ein Speicher hilft, den Solarstrom vom Tag bis zum Abend aufzuheben, aber das ist ein Umweg mit Verlusten.
Realistisch: 50 bis 70 Prozent der Jahresfahrleistung lassen sich solar laden, wenn das Auto an Homeoffice-Tagen und Wochenenden tagsüber zu Hause steht. Bei Berufspendlern, die das Auto täglich mitnehmen, sind es 30 bis 40 Prozent. Auch das spart 300 bis 700 Euro im Jahr gegenüber reiner Netzladung.
§14a EnWG: Was man über steuerbare Verbrauchseinrichtungen wissen muss
Seit dem 1. Januar 2024 müssen neue Wallboxen mit mehr als 4,2 kW Leistung als steuerbare Verbrauchseinrichtung beim Netzbetreiber angemeldet werden. Der Netzbetreiber darf die Ladeleistung in Spitzenzeiten drosseln, muss aber immer mindestens 4,2 kW durchlassen, genug für einphasiges Laden mit voller Leistung.
Im Gegenzug gibt es eine Netzentgelt-Reduzierung, die je nach gewähltem Modul (Pauschale, Prozent vom Arbeitspreis oder zeitvariabel) 100 bis 200 Euro pro Jahr ausmacht.
Bestandsanlagen (Wallboxen, die vor 2024 installiert wurden) haben eine Übergangsfrist bis zum 31. Dezember 2028. Danach müssen auch sie steuerbar sein.
Für PV-Besitzer mit Überschussladen ist die Regelung in der Praxis kaum relevant: Wer ohnehin nur mit Solarüberschuss lädt, belastet das Netz nicht und wird selten gedrosselt. Die Netzentgelt-Reduzierung nimmt man trotzdem gerne mit.
Bidirektionales Laden: Das E-Auto als Hausspeicher
Seit Januar 2026 sind bidirektionale Wallboxen in Deutschland rechtlich Batteriespeichern gleichgestellt. Vehicle-to-Home (V2H) heißt: Das E-Auto speist Strom zurück ins Hausnetz. Vehicle-to-Grid (V2G) geht noch weiter: Das Auto speist ins öffentliche Netz ein, potenziell gegen Vergütung.
BMW und E.ON bieten seit Februar 2026 das erste kommerzielle V2G-Angebot in Deutschland an. Die Zertifizierung bidirektionaler DC-Wallboxen läuft. Das Sparpotenzial wird auf bis zu 700 Euro pro Jahr geschätzt, weil das E-Auto als zusätzlicher Pufferspeicher dient.
Noch sind die bidirektionalen Wallboxen teuer (3.000 bis 5.000 Euro) und die Auswahl an kompatiblen Autos begrenzt. BMW ist am weitesten, Hyundai, Kia und VW arbeiten an der Freischaltung. Wer 2026 eine Wallbox kauft, sollte auf CCS-Schnittstelle und ISO 15118 achten, das sind die Standards für bidirektionales Laden, und auch wenn man die Funktion heute noch nicht nutzt, ist man damit für die Zukunft vorbereitet.
Was sich lohnt und was nicht
PV-Überschussladen mit einer passenden Wallbox lohnt sich fast immer, sobald man ein E-Auto hat. Die Ersparnis gegenüber Netzladung ist erheblich, die Technik ist ausgereift, und die Wallbox amortisiert sich in zwei bis drei Jahren.
Bidirektionales Laden ist spannend, aber noch nicht massentauglich. Wer es jetzt braucht und bereit ist, in teure Hardware und ein kompatibles Auto zu investieren, kann Pionier sein. Für alle anderen: Abwarten und bei der Wallbox-Wahl auf Zukunftsfähigkeit achten.
Eine Wallbox ohne PV-Überschussfunktion ist Geldverschwendung, wenn man eine PV-Anlage hat. Die Mehrkosten für ein PV-fähiges Modell liegen bei 200 bis 500 Euro und spielen sich in wenigen Monaten ein.







