Im Mehrfamilienhaus ist die Wärmepumpe komplizierter als im Einfamilienhaus, aber machbar. Zwei Ansätze: eine zentrale WP für das ganze Haus oder dezentrale WP pro Wohnung. Zentral ist meistens sinnvoller, weil eine große WP effizienter ist als viele kleine und die Kosten pro Wohnung niedriger sind. Dezentral funktioniert bei Eigentümergemeinschaften, wo jeder seine eigene Heizung haben will.
Zentrale Wärmepumpe
Eine große Luft-Wasser-WP (20 bis 60 kW, oder Kaskade aus mehreren Geräten) versorgt das gesamte Haus über ein zentrales Heizsystem. Jede Wohnung hat Heizkörper oder FBH wie bisher, nur die Wärmequelle ändert sich.
Vorteile: Höhere Effizienz pro kWh (große Geräte haben bessere COP-Werte als kleine). Geringere Kosten pro Wohnung (eine Installation statt zehn). Ein Außengerät statt zehn (weniger Lärm, weniger Platzbedarf). Zentrale Wartung.
Nachteile: Komplexere Abrechnung (wer zahlt wie viel Strom?). Alle Eigentümer müssen zustimmen. Hohe Gesamtinvestition (80.000 bis 200.000 Euro, aber geteilt auf alle Wohnungen).
BEG-Förderung: Förderfähige Kosten bis 30.000 Euro für die erste Wohneinheit, 15.000 Euro für die 2. bis 6. WE, 8.000 Euro ab der 7. WE. Ein Haus mit 8 Wohnungen: bis zu 136.000 Euro förderfähig.
Dezentrale Wärmepumpe
Jede Wohnung bekommt eine eigene kleine WP (2 bis 6 kW). Luft-Wasser oder Luft-Luft, je nach Gebäude. Jede Wohnung hat ihren eigenen Stromzähler und regelt unabhängig.
Vorteile: Jeder Eigentümer entscheidet selbst. Keine gemeinsame Abstimmung nötig. Einfache Abrechnung (jeder zahlt seinen eigenen Strom).
Nachteile: Mehrere Außengeräte an der Fassade (Lärm, Optik, Genehmigung). Höhere Kosten pro Wohnung (8.000 bis 18.000 Euro statt anteilig 10.000 bis 25.000 Euro bei zentraler Lösung). Niedrigere Effizienz (kleine Geräte haben schlechteren COP). Platzprobleme: Wo stehen 8 Außengeräte?
In der Praxis sind dezentrale WP im MFH selten, weil die Nachteile überwiegen. Ausnahme: Wohnungen mit eigener Etagenheizung (Gas), die einzeln ersetzt werden. Hier gibt es eine 13-Jahres-Übergangsfrist (GEG), wenn innerhalb von 5 Jahren ein Gesamtkonzept vorliegt.
Erdwärme für Mehrfamilienhäuser
Eine zentrale Sole-Wasser-WP mit Erdsondenfeld ist bei MFH besonders effizient. Mehrere Bohrungen (4 bis 8 Sonden) versorgen eine große WP. Die JAZ liegt bei 4,5 bis 5,5. Die passive Kühlung im Sommer ist für alle Wohnungen nutzbar.
Kosten: 120.000 bis 250.000 Euro, je nach Gebäudegröße und Bohraufwand. Nach Förderung: 50.000 bis 100.000 Euro Eigenanteil, geteilt auf alle Eigentümer.
Förderbesonderheiten im MFH
Die BEG-Förderung im MFH hat höhere förderfähige Kosten (gestaffelt nach Wohneinheiten). Der Klimabonus gilt, wenn die alte Zentralheizung fossil und über 20 Jahre alt ist. Der Einkommensbonus gilt pro Wohnung (jeder Eigentümer kann seinen eigenen Bonus beantragen).
Die Herausforderung: Bei einer WEG (Wohnungseigentümergemeinschaft) müssen alle Eigentümer dem Heizungstausch zustimmen. Das erfordert einen WEG-Beschluss mit einfacher Mehrheit. In der Praxis scheitert der Tausch oft nicht an der Technik, sondern an der Abstimmung.
Was für MFH-Eigentümer wichtig ist
Einen Energieberater beauftragen, der das Gesamtgebäude analysiert und zentrale vs. dezentrale Lösung vergleicht. Die Kosten pro Wohnung berechnen (inklusive Förderung). Und dann die WEG-Versammlung überzeugen, am besten mit konkreten Zahlen: Was kostet es pro Eigentümer, was spart es, und was passiert, wenn man wartet (steigende Gaspreise, GEG-Pflichten).







