Vor dem Kauf einer Wärmepumpe gibt es fünf Fragen, die man beantworten muss. Nicht fünf von vielen, sondern genau diese fünf. Wer sie beantwortet hat, weiß, welches Gerät er braucht, was es kosten darf und wie viel Förderung drin ist. Wer sie nicht beantwortet, kauft blind.
Frage 1: Wie hoch ist die Heizlast meines Hauses?
Die Heizlast bestimmt die Größe der Wärmepumpe. Ohne diese Zahl kann niemand seriös ein Gerät empfehlen. Eine Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 kostet 300 bis 800 Euro und ist bei der BEG-Förderung ohnehin Pflicht.
Wenn der Installateur die Heizlast aus dem bisherigen Gasverbrauch ableitet (Jahresverbrauch geteilt durch 2.000 Vollbenutzungsstunden), ist das eine brauchbare Näherung. Wenn er gar nicht nach der Heizlast fragt und einfach ein Gerät vorschlägt, such dir einen anderen.
Typische Werte: 5 bis 7 kW für ein gedämmtes Haus, 8 bis 12 kW für einen teilsanierten Altbau, 12 bis 18 kW für einen unsanierten Altbau. Die Wärmepumpe muss diese Heizlast bei der Norm-Außentemperatur des Standorts abdecken (minus 10 bis minus 16 Grad, je nach Region).
Frage 2: Welche Vorlauftemperatur brauche ich?
Die Vorlauftemperatur bestimmt, wie effizient die Wärmepumpe arbeitet. Je niedriger, desto besser.
Mit Fußbodenheizung: 30 bis 35 Grad. Die WP läuft hocheffizient mit einer JAZ von 3,5 bis 4,5.
Mit Heizkörpern: 45 bis 55 Grad, je nach Größe und Dämmzustand des Hauses. JAZ 2,8 bis 3,5. Einzelne Heizkörper tauschen kann die Vorlauftemperatur um 5 bis 10 Grad senken.
Warmwasser braucht immer 50 bis 55 Grad (Legionellenschutz), egal welches Heizsystem. Das verschlechtert die Gesamt-JAZ gegenüber reinem Heizbetrieb leicht.
Die raumweise Heizlastberechnung zeigt, welche Vorlauftemperatur in welchem Raum nötig ist. Oft sind es nur ein oder zwei Räume, die eine höhere Vorlauftemperatur brauchen. Die kann man durch Heizkörpertausch (300 bis 800 Euro pro Stück) gezielt senken.
Frage 3: Wie viel Förderung bekomme ich?
Die Antwort auf diese Frage macht den Unterschied zwischen 28.000 Euro und 8.400 Euro Eigenanteil.
Grundförderung: 30 Prozent. Bekommt jeder, der eine förderfähige WP einbauen lässt.
Klimageschwindigkeitsbonus: 20 Prozent. Bekommt, wer eine mindestens 20 Jahre alte funktionstüchtige fossile Heizung ersetzt.
Effizienzbonus: 5 Prozent. Bekommt, wer eine R290-WP, eine Erdwärme-WP oder eine Wasser-Wasser-WP einbauen lässt. 2026 haben fast alle Neugeräte R290, also bekommt den Bonus fast jeder.
Einkommensbonus: 30 Prozent. Bekommt, wer unter 40.000 Euro zu versteuerndes Haushaltseinkommen liegt.
Maximale Kombination: 70 Prozent (gedeckelt). Förderfähige Kosten: bis 30.000 Euro für die erste Wohneinheit.
Prüf vor dem Kauf, welche Boni du bekommst. Besonders der Einkommensbonus wird oft übersehen, obwohl viele Rentner und Familien ihn bekommen könnten. Der Unterschied zwischen 55 und 70 Prozent macht bei 28.000 Euro Investition 4.200 Euro aus.
Frage 4: Monoblock oder Split, und welcher Hersteller?
Monoblock ist 2026 der Standard. Das Gerät steht komplett draußen, nur Wasserleitungen gehen ins Haus. Einfacher, günstiger, kein Kältemittelschein nötig. Split lohnt sich nur, wenn das Außengerät weit vom Heizraum entfernt steht (über 10 Meter) oder innen sehr wenig Platz ist.
Bei der Herstellerwahl gibt es 2026 sechs relevante Marken für den deutschen Markt:
Wolf: Testsieger bei Stiftung Warentest, leiseste WP im Test, breite Modulation, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Weniger bekannt als Viessmann oder Vaillant, aber technisch vorn.
Viessmann (Vitocal 250-A): Marktführer in Deutschland, größtes Servicenetz, gute App, hohe Effizienz. Etwas teurer als Wolf oder Daikin.
Vaillant (aroTHERM plus): Sehr effizient, bewährte Technik, gute Verarbeitung. Die App ist verbesserungsfähig.
Daikin (Altherma 3): Weltmarktführer für Kälte- und Klimatechnik, guter COP, günstiger als deutsche Premiummarken. Servicenetz in Deutschland wächst.
Bosch/Buderus (Compress 5800i / Logatherm): Schwestermodelle, solide Technik, breites Servicenetz über Buderus-Partner.
Stiebel Eltron (WPL-A): Deutscher Hersteller, Premium-Segment, gute Effizienz, aber etwas teurer und im Test hinter Wolf und Viessmann.
Der Preisunterschied zwischen dem günstigsten und dem teuersten Gerät liegt bei 2.000 bis 5.000 Euro. Ob der Aufpreis für eine Premiummarke gerechtfertigt ist, hängt vom Servicenetz in deiner Region, von der App-Qualität und vom persönlichen Vertrauen in die Marke ab. Technisch sind alle sechs gut.
Frage 5: Wann ist der richtige Zeitpunkt?
2026 spricht vieles dafür, jetzt zu kaufen. Die Preise sind 15 bis 25 Prozent unter dem Höhepunkt von 2022/2023. Die Förderung steht auf dem Maximum. Die Wartezeiten bei Installateuren liegen bei 2 bis 4 Monaten statt 6 bis 12 Monaten. Und die Technik (R290, Inverter, leise Geräte) ist ausgereifter als je zuvor.
Was gegen sofortiges Handeln spricht: Wenn die bestehende Heizung erst 10 Jahre alt ist und einwandfrei läuft, rechnet sich ein vorzeitiger Tausch meistens nicht. Der Break-even liegt bei einer Restlaufzeit der alten Heizung von etwa 5 Jahren. Wer noch 10 Jahre aus dem Gaskessel herausholen kann, fährt mit Abwarten günstiger, es sei denn, die Gaspreise steigen stärker als erwartet.
Wer allerdings eine 20 Jahre alte Heizung hat und weiß, dass sie in den nächsten 5 Jahren sowieso getauscht werden muss, sollte nicht auf den Defekt warten. Ein geplanter Tausch im Sommer (günstigere Preise, kürzere Wartezeiten, keine Eile) ist immer besser als ein Notfall-Tausch im Januar.
Die fünf Antworten zusammen
Wenn du die Heizlast kennst, die Vorlauftemperatur einschätzen kannst, die Förderhöhe berechnet hast, dich für einen Hersteller-Typ entschieden hast und den Zeitpunkt festgelegt hast, bist du bereit für die Angebotsphase. Drei bis vier Angebote einholen, vergleichen, und dann den Betrieb wählen, der das beste Verhältnis aus Preis, Erfahrung und Verfügbarkeit bietet.







