Eine Wärmepumpe mit Heizkörpern funktioniert. Die Frage ist nur, wie effizient. Die Antwort hängt von der Vorlauftemperatur ab, und die lässt sich beeinflussen. Wer die richtigen Heizkörper hat oder ein paar kritische tauscht, kommt auf 45 bis 50 Grad Vorlauf und eine JAZ von 3,0 bis 3,5. Das ist kein Idealwert, aber wirtschaftlich besser als Gas.
Warum Heizkörper mehr Vorlauf brauchen
Heizkörper haben weniger Fläche als eine Fußbodenheizung. Um die gleiche Wärmemenge in den Raum abzugeben, brauchen sie eine höhere Wassertemperatur. Ein alter Typ-22-Heizkörper (600 x 1.000 mm) wurde für 75/65/20 ausgelegt: 75 Grad Vorlauf, 65 Grad Rücklauf, 20 Grad Raumtemperatur. Bei diesen Werten gibt er rund 1.500 Watt ab.
Senkt man den Vorlauf auf 50 Grad, gibt der gleiche Heizkörper nur noch rund 750 Watt ab. Halb so viel. Wenn der Raum aber durch bessere Dämmung (neue Fenster, Dachdämmung) nur noch 800 Watt braucht statt 1.500, reichen die 750 Watt fast. Mit 55 Grad Vorlauf reicht es sicher.
Das ist der Kern der Sache: Die meisten Altbauten haben irgendwann neue Fenster oder ein gedämmtes Dach bekommen. Die Heizlast ist gesunken, aber die Heizkörper sind die alten geblieben. Sie sind jetzt überdimensioniert, und genau das macht den WP-Betrieb möglich.
Die raumweise Heizlastberechnung zeigt es
Ohne Berechnung ist alles Spekulation. Die raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 zeigt für jeden Raum: Wie viel Wärme wird benötigt (Heizlast in Watt)? Wie viel Wärme gibt der vorhandene Heizkörper bei 50 Grad Vorlauf ab? Reicht das?
Meistens reicht es in den meisten Räumen. Zwei oder drei Räume sind kritisch: das Badezimmer (hohe Wunschtemperatur 24 Grad, oft kleiner Heizkörper), das Wohnzimmer (großer Raum, viel Fensterfläche) und eventuell das Schlafzimmer im Dachgeschoss (Dachschräge, schlecht gedämmt).
Genau diese Räume behandelt man gezielt.
Heizkörper tauschen statt Fußbodenheizung nachrüsten
Den Heizkörper im Bad gegen einen größeren tauschen (Typ 33 statt Typ 22, oder ein Handtuchheizkörper mit mehr Fläche): 300 bis 800 Euro pro Stück inklusive Einbau. Im Wohnzimmer einen zweiten Heizkörper dazusetzen oder den bestehenden gegen einen breiteren tauschen: 400 bis 1.000 Euro.
Drei Heizkörper tauschen kostet 900 bis 2.400 Euro und senkt die benötigte Vorlauftemperatur um 5 bis 10 Grad. Das ist hundertmal günstiger als eine nachträgliche Fußbodenheizung (15.000 bis 25.000 Euro fürs ganze Haus) und bringt fast den gleichen Effekt für die WP-Effizienz.
Niedertemperatur-Heizkörper mit Lüfter
Eine Alternative zum Heizkörpertausch: Niedertemperatur-Konvektoren mit integriertem Lüfter. Hersteller wie Jaga, Purmo und Kermi bieten Heizkörper an, die bei 35 bis 45 Grad Vorlauf die gleiche Wärme abgeben wie ein klassischer Heizkörper bei 60 Grad. Der Trick ist ein kleiner Ventilator, der die Luftzirkulation verbessert.
Kosten: 500 bis 1.200 Euro pro Stück. Der Lüfter verbraucht 3 bis 10 Watt, also vernachlässigbar. Der Geräuschpegel liegt bei 20 bis 30 dB(A), vergleichbar mit einem PC-Lüfter auf niedriger Stufe. In der Praxis kaum hörbar.
Wer das Budget hat, kann damit die Vorlauftemperatur auf 35 bis 40 Grad senken und eine JAZ von 3,5 bis 4,0 erreichen, fast auf Fußbodenheizungs-Niveau.
Welche Vorlauftemperatur realistisch ist
Altbau, unsaniert, originale Heizkörper: 55 bis 65 Grad. JAZ 2,5 bis 3,0. Geht, aber nicht ideal. Am besten mit HT-WP oder Hybrid.
Altbau, neue Fenster, Dach gedämmt: 45 bis 55 Grad. JAZ 3,0 bis 3,5. Hier lohnt sich die Standard-WP.
Altbau, neue Fenster, Dach, einzelne Heizkörper getauscht: 40 bis 50 Grad. JAZ 3,2 bis 3,8. Guter Kompromiss.
Altbau, gut saniert, Niedertemperatur-Heizkörper: 35 bis 45 Grad. JAZ 3,5 bis 4,5. Fast wie Fußbodenheizung.
Heizkörper und hydraulischer Abgleich
Der hydraulische Abgleich ist bei WP-Betrieb mit Heizkörpern besonders wichtig. Er stellt sicher, dass jeder Heizkörper genau die Wassermenge bekommt, die er braucht. Ohne Abgleich bekommen die nächstgelegenen Heizkörper zu viel Wasser und die entferntesten zu wenig. Die Folge: ungleichmäßige Wärmeverteilung und eine höhere Vorlauftemperatur als nötig, weil die schlecht versorgten Räume sonst kalt bleiben.
Der Abgleich kostet 400 bis 1.000 Euro und ist bei BEG-Förderung Pflicht. Er bringt 0,2 bis 0,5 Punkte mehr JAZ und spart 50 bis 150 Euro Strom pro Jahr. Eine der effektivsten Maßnahmen bei WP mit Heizkörpern.
Die Heizkurve richtig einstellen
Die Heizkurve bestimmt, bei welcher Außentemperatur die WP welche Vorlauftemperatur liefert. Bei minus 10 Grad braucht man 55 Grad Vorlauf, bei plus 10 Grad nur 30 Grad. Die Kurve verbindet diese Punkte.
Viele Installateure stellen die Heizkurve zu hoch ein, aus Angst, dass der Kunde friert. Dann läuft die WP mit 50 Grad Vorlauf, obwohl 45 reichen würden. Jedes Grad zu viel kostet 2,5 Prozent Effizienz. Die Heizkurve nach der Inbetriebnahme in den ersten Wochen schrittweise absenken, bis man das Minimum gefunden hat, bei dem alle Räume warm werden. Das kostet nichts und bringt am meisten.







