Die Vorlauftemperatur ist der wichtigste Hebel für die Effizienz der Wärmepumpe. Jedes Grad weniger Vorlauf verbessert die Jahresarbeitszahl um rund 2,5 Prozent. Wer die Vorlauftemperatur von 55 auf 45 Grad senkt, steigert die JAZ um 25 Prozent. Das sind bei einem durchschnittlichen Haus 200 bis 300 Euro weniger Strom pro Jahr. Kostenlos, nur durch die richtige Einstellung.
Warum die Vorlauftemperatur so viel ausmacht
Die Wärmepumpe arbeitet wie ein Temperaturtransporter: Sie hebt Wärme von einem niedrigen Niveau (Außenluft, Erdreich) auf ein höheres Niveau (Heizwasser). Je größer der Temperatursprung, desto mehr Arbeit muss der Kompressor leisten und desto mehr Strom fließt.
Bei 7 Grad Außentemperatur und 35 Grad Vorlauf muss der Kompressor einen Temperaturhub von 28 Grad schaffen. COP: 4,5 bis 5,0. Bei 7 Grad und 55 Grad Vorlauf: Temperaturhub 48 Grad. COP: 2,5 bis 3,0. Doppelt so viel Hub, fast doppelt so viel Strom für die gleiche Wärmemenge.
Im Feld über ein ganzes Jahr: JAZ 3,5 bis 4,5 mit FBH bei 35 Grad. JAZ 2,8 bis 3,5 mit Heizkörpern bei 50 Grad. JAZ 2,3 bis 2,8 bei 60 Grad Vorlauf. Die Unterschiede summieren sich über 20 Jahre auf 5.000 bis 15.000 Euro Strom.
Was die benötigte Vorlauftemperatur bestimmt
Das Heizsystem. Fußbodenheizung hat die größte Fläche und braucht deshalb die niedrigste Vorlauftemperatur (30 bis 35 Grad). Große Heizkörper (Typ 33, überdimensioniert) kommen mit 40 bis 50 Grad aus. Kleine, alte Heizkörper (Typ 11, knapp dimensioniert) brauchen 55 bis 65 Grad.
Der Dämmzustand. Je besser die Dämmung (Fenster, Dach, Wände, Kellerdecke), desto weniger Wärme braucht der Raum. Weniger Wärme heißt: Der Heizkörper muss weniger leisten, und die Vorlauftemperatur kann runter.
Die Raumtemperatur. Wer 22 Grad statt 20 Grad will, braucht eine höhere Vorlauftemperatur. Der Unterschied klingt klein, aber er verschiebt die benötigte Heizleistung um 10 bis 15 Prozent und die Vorlauftemperatur um 2 bis 3 Grad.
Die Außentemperatur. An milden Tagen (5 bis 10 Grad) reichen 30 bis 35 Grad Vorlauf. An kalten Tagen (minus 10 Grad) braucht man 45 bis 55 Grad. Die Heizkurve regelt das automatisch.
Die Heizkurve
Die Heizkurve ist die zentrale Einstellung der WP. Sie legt fest, bei welcher Außentemperatur welche Vorlauftemperatur geliefert wird. Die Kurve verläuft linear oder leicht gekrümmt: Bei plus 15 Grad Außentemperatur vielleicht 25 Grad Vorlauf, bei 0 Grad 40 Grad, bei minus 10 Grad 50 Grad.
Die Steilheit der Kurve bestimmt, wie stark die Vorlauftemperatur auf Außentemperaturänderungen reagiert. Eine steile Kurve: Große Temperaturschwankungen im Vorlauf. Eine flache Kurve: Kleine Schwankungen. Für gut gedämmte Häuser passt eine flache Kurve. Für schlecht gedämmte eine steile.
Die Parallelverschiebung verschiebt die gesamte Kurve nach oben oder unten. Wenn das Haus bei 5 Grad Außentemperatur nicht warm wird, kann man die Kurve um 2 bis 3 Grad nach oben verschieben, statt die Steilheit zu ändern.
Vorlauftemperatur senken: Was man tun kann
Heizkörper tauschen. Drei kritische Heizkörper gegen größere (Typ 33 statt Typ 22) tauschen kostet 900 bis 2.400 Euro und senkt die benötigte Vorlauftemperatur um 5 bis 10 Grad. Bringt 0,3 bis 0,8 Punkte mehr JAZ.
Hydraulischer Abgleich. Sorgt dafür, dass alle Räume gleichmäßig warm werden, sodass man die Vorlauftemperatur nicht wegen eines schlecht versorgten Raums hochfahren muss. Kostet 400 bis 1.000 Euro, bringt 0,2 bis 0,5 Punkte JAZ.
Dämmung. Neue Fenster (U-Wert 0,8 statt 2,8) senken die Heizlast um 10 bis 20 Prozent. Dachdämmung um 15 bis 25 Prozent. Kellerdeckendämmung um 5 bis 10 Prozent. Jede Reduktion der Heizlast erlaubt eine niedrigere Vorlauftemperatur.
Heizkurve optimieren. Nach der Inbetriebnahme die Kurve schrittweise absenken, bis man das Minimum gefunden hat, bei dem alle Räume warm werden. Kostet nichts, bringt oft 2 bis 5 Grad weniger Vorlauf.
Raumtemperatur um 1 Grad senken. Von 22 auf 21 Grad spart 6 Prozent Heizenergie. Merkt man kaum, spart aber Strom und Geld.
Warmwasser: Die Vorlauf-Falle
Warmwasser braucht 50 bis 55 Grad (Legionellenschutz). Das ist unabhängig vom Heizsystem. Selbst wenn die Heizung mit 35 Grad läuft, muss die WP für Warmwasser auf 55 Grad hochfahren. Das senkt die Gesamt-JAZ.
Der Trick: Die Warmwasserladung zeitlich auf die Mittagszeit legen, wenn die Außentemperatur am höchsten ist und die WP effizienter arbeitet. Und den Warmwasserspeicher nicht größer als nötig wählen, weil ein großer Speicher mehr Bereitschaftsverluste hat.
Wer eine PV-Anlage hat: Warmwasser laden, wenn die Sonne scheint und der Strom vom Dach kommt. Dann sind die Kosten für die 55-Grad-Ladung minimal.







