PERC war zehn Jahre lang der Standard. Jetzt übernehmen TOPCon und HJT. Beide versprechen höhere Wirkungsgrade, bessere Langzeitleistung und in manchen Situationen spürbar mehr Ertrag. Aber was steckt hinter den Abkürzungen, worin unterscheiden sich die beiden, und welche Technologie ist die bessere Wahl für das eigene Dach? Die Antwort hängt weniger von der Physik ab als vom Preis und von der Dachsituation.
Was PERC ist und warum es abgelöst wird
PERC steht für Passivated Emitter and Rear Cell. Eine zusätzliche dielektrische Passivierungsschicht auf der Rückseite der Zelle reflektiert Photonen, die durch die Zelle hindurchgegangen sind, zurück in das Silizium. Dadurch werden mehr Ladungsträger erzeugt, und der Wirkungsgrad steigt gegenüber älteren BSF-Zellen (Back Surface Field) auf 21 bis 23 Prozent.
PERC ist ausgereift, günstig in der Produktion und macht 2026 noch rund 50 bis 60 Prozent des Weltmarkts aus. Aber die Technologie nähert sich ihrem physikalischen Limit. Das theoretische Maximum für PERC liegt bei etwa 24,5 Prozent, und die besten kommerziellen Zellen erreichen bereits 23 Prozent. Viel Luft nach oben ist nicht mehr.
Deshalb investieren die großen Hersteller wie JA Solar, Jinko, LONGi und Trina seit 2023 massiv in TOPCon-Produktionslinien. PERC-Linien werden nicht mehr erweitert, manche werden auf TOPCon umgerüstet. Der Generationenwechsel läuft.
TOPCon: Der neue Massenstandard
TOPCon steht für Tunnel Oxide Passivated Contact. Die Technologie verwendet eine ultradünne Tunneloxidschicht (1 bis 2 Nanometer Siliziumdioxid) auf der Rückseite der Zelle, gefolgt von einer dotierten Polysiliziumschicht. Diese Kombination reduziert die Rekombination von Ladungsträgern an der Kontaktfläche und steigert den Wirkungsgrad auf 23 bis 24 Prozent im kommerziellen Produkt. Im Labor sind 26 Prozent erreicht, das theoretische Maximum liegt bei 28,7 Prozent.
TOPCon-Zellen basieren auf N-Typ-Silizium (phosphordotiert), während PERC auf P-Typ-Silizium (bordotiert) basiert. N-Typ hat einen natürlichen Vorteil: Es ist weniger anfällig für lichtinduzierte Degradation (LID), die in den ersten Betriebsstunden bei P-Typ-Zellen 1 bis 2 Prozent Leistungsverlust verursacht. TOPCon-Module starten also von Anfang an mit ihrer vollen Nennleistung, ohne den LID-Knick.
Ein weiterer Vorteil: TOPCon-Module haben einen etwas besseren Temperaturkoeffizienten als PERC (minus 0,30 Prozent pro Kelvin statt minus 0,35 Prozent). Bei einer Modultemperatur von 60 Grad (35 Grad über STC) verliert ein TOPCon-Modul 10,5 Prozent Leistung, ein PERC-Modul 12,25 Prozent. Der Unterschied ist nicht riesig, aber an heißen Sommertagen messbar.
Marktanteil 2026: 30 bis 40 Prozent und steigend. In zwei bis drei Jahren wird TOPCon PERC als meistverkaufte Technologie abgelöst haben. Die Preise liegen 5 bis 15 Prozent über PERC, der Trend geht aber zu Preisgleichheit, weil die Produktionsvolumina steigen und die Stückkosten sinken.
Verfügbare Module: JA Solar DeepBlue 4.0 (TOPCon, bis 470 Wp), Jinko Tiger Neo (bis 485 Wp), LONGi Hi-MO 7 (bis 460 Wp), Trina Vertex S+ (bis 455 Wp), Canadian Solar TOPBiHiKu7 (bis 460 Wp). Die großen Hersteller haben TOPCon in ihrem aktuellen Portfolio, und die meisten Solarteure bieten sie als Standardoption an.
HJT: Die Premium-Technologie
HJT steht für Heterojunction Technology. Der Name beschreibt den Aufbau: Eine kristalline Siliziumzelle wird auf beiden Seiten mit dünnen Schichten aus amorphem Silizium (a-Si) beschichtet. An der Grenzfläche (Heterojunction) zwischen kristallinem und amorphem Silizium entsteht eine besonders effektive Passivierung, die Rekombinationsverluste minimiert.
Der Wirkungsgrad liegt bei 23 bis 25 Prozent, etwas höher als bei TOPCon. Das theoretische Maximum für HJT allein liegt bei etwa 27 bis 28 Prozent, für Tandemzellen mit Perowskit sogar über 30 Prozent.
Der größte Vorteil von HJT gegenüber PERC und TOPCon: der Temperaturkoeffizient. Minus 0,24 bis minus 0,26 Prozent pro Kelvin. Das ist der niedrigste Wert aller kommerziell verfügbaren Silizium-Zelltechnologien. Bei einer Modultemperatur von 60 Grad verliert ein HJT-Modul 8,4 bis 9,1 Prozent, während PERC 12,25 Prozent und TOPCon 10,5 Prozent verliert.
In der Praxis bedeutet das: An einem heißen Sommertag mit 35 Grad Außentemperatur (Modultemperatur 55 bis 65 Grad) produziert ein HJT-Modul 3 bis 4 Prozent mehr Strom als ein PERC-Modul gleicher Nennleistung und 1 bis 2 Prozent mehr als TOPCon. Über ein ganzes Jahr gesehen, inklusive Winter, schrumpft der Vorteil auf 1 bis 2 Prozent gegenüber TOPCon und 2 bis 3 Prozent gegenüber PERC.
Weitere Vorteile: Keine lichtinduzierte Degradation (N-Typ-Basis wie TOPCon). Symmetrischer Zellaufbau, was bifaziale Nutzung (Strom von beiden Seiten) begünstigt. Gutes Schwachlichtverhalten (etwas besser als PERC bei diffusem Licht).
Nachteile: HJT ist teurer in der Produktion, weil die Abscheidung der amorphen Siliziumschichten bei niedrigen Temperaturen (unter 200 Grad) erfolgen muss, was spezielle und teure Anlagen erfordert. Der Marktanteil liegt deshalb bei nur 10 bis 20 Prozent. Die Modulpreise liegen 10 bis 25 Prozent über PERC und 5 bis 15 Prozent über TOPCon.
Verfügbare Module: REC Alpha (HJT, bis 430 Wp), Meyer Burger Glass (HJT, europäische Produktion, bis 400 Wp), Huasun Himalaya (bis 470 Wp). Die Auswahl ist kleiner als bei TOPCon, weil weniger Hersteller HJT-Linien betreiben.
TOPCon vs. HJT: Der direkte Vergleich
Wirkungsgrad: TOPCon 23 bis 24 Prozent, HJT 23 bis 25 Prozent. HJT leicht vorne.
Temperaturkoeffizient: TOPCon minus 0,30 Prozent pro K, HJT minus 0,24 bis 0,26 Prozent pro K. HJT klar vorne.
Degradation im ersten Jahr: Beide unter 1 Prozent (N-Typ, keine LID). Gleichauf.
Langzeit-Degradation: TOPCon 0,3 bis 0,5 Prozent pro Jahr, HJT 0,2 bis 0,4 Prozent. HJT leicht vorne.
Preis pro Wp: TOPCon 5 bis 15 Prozent über PERC, HJT 10 bis 25 Prozent über PERC. TOPCon günstiger.
Marktanteil 2026: TOPCon 30 bis 40 Prozent, HJT 10 bis 20 Prozent. TOPCon deutlich weiter verbreitet.
Bifaziale Eignung: Beide gut, HJT wegen symmetrischem Aufbau leicht im Vorteil.
Verfügbarkeit: TOPCon breit verfügbar (alle großen Hersteller), HJT eingeschränkter (weniger Hersteller).
Welche Technologie für welches Dach?
Standardfall (Satteldach, ausreichend Fläche, Budget im Fokus): TOPCon. Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis 2026. Kaum teurer als PERC, deutlich besser bei Wirkungsgrad und Langzeitverhalten. Kein Grund, noch PERC zu kaufen.
Begrenztes Dach (wenig Fläche, maximaler Ertrag pro Modul nötig): HJT. Jeder Prozentpunkt mehr Wirkungsgrad zählt, wenn die Fläche der limitierende Faktor ist. Der Aufpreis von 5 bis 15 Prozent gegenüber TOPCon wird durch den höheren Ertrag pro Quadratmeter kompensiert.
Heißer Standort oder Dach ohne Hinterlüftung: HJT. Der bessere Temperaturkoeffizient zahlt sich dort aus, wo die Modultemperatur regelmäßig über 55 Grad steigt. Indachanlagen, die direkt auf der Dachunterlage liegen (keine Hinterlüftung), werden heißer als aufgeständerte Module, und HJT verliert dort weniger.
Flachdach mit heller Unterlage: TOPCon oder HJT bifazial. Beide profitieren von der Reflexion der Rückseite. HJT hat einen leichten Vorteil wegen des symmetrischen Aufbaus, aber der Preisunterschied rechtfertigt das selten.
Budget-Anlage (maximale kWp zum niedrigsten Preis): PERC ist 2026 immer noch am günstigsten pro Wp. Wer ein großes Dach hat und nicht den höchsten Wirkungsgrad braucht, kann mit PERC Geld sparen. Aber die Preisdifferenz zu TOPCon schrumpft, und ab einem gewissen Punkt lohnt sich PERC nicht mehr, weil der Wirkungsgradsunterschied die Ersparnis auffrisst.
Was in den nächsten Jahren kommt
TOPCon wird 2027 oder 2028 PERC als meistverkaufte Technologie ablösen. Die Preise werden auf PERC-Niveau fallen, und PERC wird im Neubaubereich verschwinden, ähnlich wie polykristalline Module vor fünf Jahren verschwunden sind.
HJT wird Premiumtechnologie bleiben, aber der Marktanteil wird langsam steigen. Wenn Tandemzellen mit Perowskit-Schicht marktreif werden (frühestens 2028), wird HJT als Basis dafür dienen, weil der Niedertemperaturprozess der Perowskit-Abscheidung mit HJT kompatibel ist. Das könnte HJT langfristig einen strategischen Vorteil verschaffen.
Für die aktuelle Kaufentscheidung 2026 heißt das: TOPCon kaufen, wenn das Budget zählt. HJT kaufen, wenn man maximale Leistung pro Fläche braucht. Und nicht auf die nächste Generation warten, weil die heutigen Module in 25 Jahren immer noch 80 bis 90 Prozent liefern, egal welche Technologie dann auf dem Markt ist.







