Eine Wärmepumpe im Einfamilienhaus verbraucht 3.000 bis 6.000 kWh Strom pro Jahr. Das klingt nach viel, aber dahinter stecken 10.000 bis 20.000 kWh Wärme. Die Rechnung ist simpel: Heizwärmebedarf geteilt durch Jahresarbeitszahl gleich Stromverbrauch. Wer seine Zahlen kennt, kann die Heizkosten auf den Euro genau kalkulieren.
Die Grundformel
Stromverbrauch (kWh) gleich Heizwärmebedarf (kWh) geteilt durch JAZ.
Den Heizwärmebedarf kennt man aus dem Energieausweis, von der Heizlastberechnung oder aus dem bisherigen Gasverbrauch (Gasverbrauch mal 0,9 ergibt ungefähr den Heizwärmebedarf, weil der Gaskessel 90 Prozent Nutzungsgrad hat).
Die JAZ hängt vom Gerät, der Vorlauftemperatur und dem Standort ab. Für eine Luft-WP: 3,0 bis 4,0. Für eine Erdwärme-WP: 4,0 bis 5,0.
Beispiel: 15.000 kWh Bedarf, JAZ 3,5: 4.286 kWh Strom. Bei 25 Cent (WP-Tarif): 1.071 Euro pro Jahr.
Richtwerte nach Gebäudetyp
Neubau KfW 40, 130 Quadratmeter, FBH, Luft-WP: 6.000 kWh Bedarf, JAZ 4,0: 1.500 kWh Strom, 375 Euro pro Jahr.
Neubau KfW 55, 150 Quadratmeter, FBH, Luft-WP: 9.000 kWh Bedarf, JAZ 3,8: 2.368 kWh, 592 Euro.
Bestand saniert, 150 Quadratmeter, FBH, Luft-WP: 12.000 kWh, JAZ 3,5: 3.429 kWh, 857 Euro.
Bestand teilsaniert, 160 Quadratmeter, Heizkörper, Luft-WP: 15.000 kWh, JAZ 3,0: 5.000 kWh, 1.250 Euro.
Altbau unsaniert, 180 Quadratmeter, Heizkörper, Luft-WP: 20.000 kWh, JAZ 2,5: 8.000 kWh, 2.000 Euro.
Gleicher Altbau mit Erdwärme-WP: 20.000 kWh, JAZ 4,0: 5.000 kWh, 1.250 Euro.
Warmwasser nicht vergessen
Die Zahlen oben beziehen sich nur auf die Raumheizung. Warmwasser kommt obendrauf. Ein Drei-Personen-Haushalt braucht rund 2.000 bis 3.000 kWh pro Jahr für Warmwasser. Die WP erzeugt das bei 50 bis 55 Grad mit einem COP von 2,5 bis 3,0 (niedriger als für Heizung, weil die Temperatur höher ist).
Zusätzlicher Stromverbrauch für Warmwasser: 700 bis 1.200 kWh pro Jahr. Das sind 175 bis 300 Euro.
Gesamtstromverbrauch (Heizen plus Warmwasser) für ein teilsaniertes Einfamilienhaus mit 3 Personen: 4.500 bis 6.500 kWh, Kosten 1.125 bis 1.625 Euro pro Jahr.
Stromverbrauch senken
Die Vorlauftemperatur senken. Jedes Grad weniger spart 2,5 Prozent Strom. Heizkörper tauschen, hydraulischen Abgleich machen, Heizkurve optimieren.
Warmwasser-Ladezeit optimieren. Warmwasser in der Mittagszeit laden, wenn die Außentemperatur am höchsten ist (bei Luft-WP) oder wenn die PV-Anlage Strom liefert. Nicht morgens um 5 Uhr bei minus 5 Grad.
Raumtemperatur senken. 1 Grad weniger spart 6 Prozent Heizenergie. Von 22 auf 21 Grad spart bei 5.000 kWh Stromverbrauch rund 75 Euro pro Jahr.
PV-Eigenverbrauch nutzen. Jede kWh vom Dach spart 12 bis 18 Cent gegenüber dem Netzstrom (25 bis 30 Cent minus 8 bis 12 Cent Gestehungskosten). Bei 30 Prozent PV-Deckung: 150 bis 300 Euro Ersparnis pro Jahr.
Wärmepumpentarif nutzen. 22 bis 25 Cent statt 30 Cent. Bei 5.000 kWh: 250 bis 400 Euro Ersparnis. Braucht einen separaten Zähler.
Wie man den Stromverbrauch misst
Am besten: Separater Stromzähler nur für die WP. Viele Netzbetreiber bauen den bei Anmeldung des WP-Tarifs automatisch ein. Der Zähler zeigt den gesamten WP-Verbrauch inklusive Kompressor, Umwälzpumpe, Steuerung und Heizstab.
In der WP-App: Die meisten modernen WP zeigen den Stromverbrauch in der App an. Die Werte sind brauchbar, aber nicht geeicht. Abweichungen von 5 bis 10 Prozent gegenüber dem echten Zähler sind normal.
Heizstab-Verbrauch beachten. Manche WP haben einen integrierten Heizstab (1 bis 6 kW), der bei Spitzenlast oder bei der Legionellenschaltung zugeschaltet wird. Der Heizstab hat einen COP von 1,0 (aus 1 kWh Strom wird 1 kWh Wärme). Wenn er häufig läuft, steigt der Stromverbrauch deutlich. Die meisten WP-Apps zeigen den Heizstab-Anteil separat. Liegt er über 5 Prozent des Gesamtverbrauchs, stimmt etwas nicht (WP zu klein, Vorlauftemperatur zu hoch, oder ein Defekt).
Stromverbrauch im Vergleich zu Gas
Gasheizung, 15.000 kWh Bedarf, 95 Prozent Nutzungsgrad: 15.800 kWh Gas, bei 10 Cent: 1.580 Euro.
Luft-WP, 15.000 kWh Bedarf, JAZ 3,5, WP-Tarif 25 Cent: 4.286 kWh Strom, 1.071 Euro.
Ersparnis WP: 509 Euro pro Jahr. Plus Wegfall Schornsteinfeger (70 Euro) und Gasanschluss-Grundpreis (120 Euro): Gesamtersparnis rund 700 Euro pro Jahr.
Steigt der Gaspreis auf 14 Cent (wahrscheinlich durch ETS2 ab 2027): Gas kostet 2.212 Euro. WP bleibt bei 1.071 Euro. Ersparnis wächst auf 1.141 Euro plus Nebenkosten.







