Es gibt eine Kennzahl, die besser als jede andere erklärt, warum sich Photovoltaik lohnt: die Stromgestehungskosten. Sie geben an, was eine Kilowattstunde Solarstrom wirklich kostet, wenn man Anschaffung, Betrieb und Ertrag über die gesamte Lebensdauer zusammenrechnet. Bei einer typischen Dachanlage in Deutschland liegen sie bei 8 bis 14 Cent pro kWh. Netzstrom kostet 35 bis 42 Cent. Der Unterschied ist der Grund, warum PV sich rechnet.
Was Stromgestehungskosten sind
Die Stromgestehungskosten (englisch LCOE, Levelized Cost of Energy) sind ein Maß dafür, wie teuer die Erzeugung einer Kilowattstunde Strom über die gesamte Lebensdauer einer Anlage ist. Dabei werden alle Kosten berücksichtigt: Investition, laufende Kosten, Reparaturen und der Ertrag über die Nutzungsdauer.
Die Formel: Gesamtkosten über die Lebensdauer geteilt durch die Gesamtstromerzeugung über die Lebensdauer.
Gesamtkosten umfassen: Anschaffungskosten der Anlage, laufende Kosten (Wartung, Versicherung, Zähler), Wechselrichtertausch, Speichertausch (falls vorhanden). Nicht berücksichtigt: Einspeisevergütung (die ist Ertrag, nicht Kosten) und der Wert des Eigenverbrauchs.
Gesamtstromerzeugung umfasst: Jahresertrag mal Lebensdauer, unter Berücksichtigung der Degradation (jährlicher Leistungsverlust der Module).
Rechenbeispiel: 10 kWp ohne Speicher
Investition: 12.000 Euro.
Laufende Kosten über 25 Jahre: 250 Euro pro Jahr mal 25 gleich 6.250 Euro.
Wechselrichtertausch: 1.800 Euro.
Gesamtkosten: 12.000 plus 6.250 plus 1.800 gleich 20.050 Euro.
Jahresertrag im ersten Jahr: 10.000 kWh. Degradation 0,5 Prozent pro Jahr.
Ertrag über 25 Jahre (mit Degradation): ca. 236.000 kWh.
Stromgestehungskosten: 20.050 geteilt durch 236.000 gleich 8,5 Cent pro kWh.
8,5 Cent. Das ist weniger als ein Viertel des Netzstrompreises von 38 Cent. Jede kWh, die man vom eigenen Dach verbraucht statt vom Netz zu kaufen, spart fast 30 Cent.
Rechenbeispiel: 10 kWp mit 10-kWh-Speicher
Investition: 18.000 Euro.
Laufende Kosten über 25 Jahre: 300 Euro pro Jahr mal 25 gleich 7.500 Euro.
Wechselrichtertausch: 1.800 Euro.
Speichertausch nach 15 Jahren: 3.500 Euro.
Gesamtkosten: 18.000 plus 7.500 plus 1.800 plus 3.500 gleich 30.800 Euro.
Gesamtstromerzeugung: 236.000 kWh (gleich wie ohne Speicher, der Speicher erzeugt keinen Strom, er verschiebt ihn nur).
Stromgestehungskosten: 30.800 geteilt durch 236.000 gleich 13 Cent pro kWh.
13 Cent sind immer noch weniger als die Hälfte des Netzstrompreises. Der Speicher erhöht die Stromgestehungskosten, weil er Kosten verursacht ohne zusätzlichen Strom zu erzeugen. Aber er erhöht den Eigenverbrauch von 30 auf 65 Prozent, und der Eigenverbrauch ist 38 Cent wert statt 7,78 Cent Einspeisevergütung. Wirtschaftlich lohnt sich der Speicher trotz der höheren Gestehungskosten, weil er den Wert des erzeugten Stroms deutlich steigert.
Wie Deutschland im Vergleich dasteht
Das Fraunhofer ISE berechnet regelmäßig die Stromgestehungskosten für verschiedene Technologien in Deutschland. Die Werte für 2026:
PV-Dachanlage (Einfamilienhaus): 8 bis 14 Cent pro kWh, je nach Standort und Anlagengröße.
PV-Freifläche (Solarpark): 4 bis 7 Cent pro kWh.
Windkraft Onshore: 4 bis 8 Cent.
Windkraft Offshore: 7 bis 12 Cent.
Erdgas (GuD-Kraftwerk): 11 bis 22 Cent (stark abhängig vom Gaspreis und CO2-Preis).
Steinkohle: 15 bis 25 Cent.
Braunkohle: 10 bis 15 Cent (ohne externe Kosten wie Gesundheitsschäden und Klimafolgen).
Kernkraft (Neubau): 13 bis 18 Cent (Hinkley Point C als Referenz).
Solarstrom vom eigenen Dach ist damit billiger als Strom aus jedem fossilen Kraftwerk, billiger als Kernkraft im Neubau und nur minimal teurer als Wind und Freiflächen-PV, die aber nicht auf dem eigenen Dach installiert werden.
Was die Stromgestehungskosten beeinflusst
Der Standort bestimmt den Ertrag. In Süddeutschland (Freiburg, München), wo die Globalstrahlung bei bis zu 1.300 kWh pro Quadratmeter liegt, liegen die Gestehungskosten am unteren Ende (8 bis 10 Cent). In Norddeutschland (Hamburg, Kiel) mit 950 bis 1.000 kWh Globalstrahlung am oberen Ende (11 bis 14 Cent). Selbst am schlechtesten Standort in Deutschland ist PV-Strom aber immer noch günstiger als Netzstrom.
Die Anlagengröße spielt eine Rolle. Größere Anlagen sind pro kWp günstiger, weil die Fixkosten (Gerüst, Elektriker) auf mehr Module verteilt werden. Eine 5-kWp-Anlage hat höhere Gestehungskosten als eine 10-kWp-Anlage.
Die Modulqualität beeinflusst den Langzeitertrag. Module mit niedriger Degradation (unter 0,15 Prozent pro Jahr bei HJT oder TOPCon) erzeugen über 25 Jahre mehr Strom als Module mit höherer Degradation (0,8 Prozent bei älteren PERC). Der Unterschied beträgt über die Lebensdauer 5 bis 10 Prozent des Gesamtertrags, was die Gestehungskosten um 0,5 bis 1 Cent pro kWh senkt.
Die Lebensdauer der Anlage ist der größte Hebel. Wer die Module nach 20 Jahren abbaut, hat höhere Gestehungskosten als jemand, der sie 30 Jahre laufen lässt. Jedes zusätzliche Jahr, in dem die Anlage Strom erzeugt, senkt die Gestehungskosten, weil die Investitionskosten auf mehr kWh verteilt werden. Deshalb: Module nach 25 Jahren nicht abreißen, wenn sie noch 80 Prozent liefern. Weiterlaufen lassen und die Gestehungskosten sinken weiter.
Warum Stromgestehungskosten für die Kaufentscheidung wichtig sind
Die Stromgestehungskosten zeigen objektiv, ob sich eine PV-Anlage rechnet. Wenn die Gestehungskosten unter dem Netzstrompreis liegen, spart jede selbst verbrauchte kWh Geld. Und bei 8 bis 14 Cent Gestehungskosten gegenüber 35 bis 42 Cent Netzstrompreis ist die Marge riesig.
Selbst wenn der Netzstrompreis auf 25 Cent fallen würde (unwahrscheinlich, aber hypothetisch), wäre PV-Strom immer noch günstiger. Die Gestehungskosten müssten auf über 25 Cent steigen, damit sich PV nicht mehr lohnt, und dafür müsste die Anlage entweder extrem teuer sein (über 2.000 Euro pro kWp) oder extrem wenig produzieren (unter 600 kWh pro kWp).
Beides ist 2026 nicht der Fall. Die Preise liegen bei 970 bis 1.430 Euro pro kWp, und der Ertrag bei 900 bis 1.100 kWh pro kWp. Die Rechnung geht auf, und zwar mit großem Puffer.
Was Stromgestehungskosten nicht zeigen
Die Stromgestehungskosten sagen nichts darüber aus, wann der Strom erzeugt wird. PV-Strom fällt tagsüber an, der Verbrauch ist abends höher. Ohne Speicher muss man den zeitlichen Versatz über Einspeisung und Netzbezug ausgleichen, was die realen Kosten pro genutzte kWh erhöht.
Sie sagen auch nichts über die Finanzierung. Wer die Anlage kreditfinanziert, hat höhere Gesamtkosten als jemand, der bar zahlt, weil Zinsen dazukommen. Die Gestehungskosten berechnen sich aber auf Basis der reinen Anlagenkosten, ohne Finanzierungskosten.
Und sie berücksichtigen keine externen Kosten. Fossil erzeugter Strom verursacht Gesundheitsschäden, Klimafolgen und Umweltzerstörung, die in den Gestehungskosten nicht enthalten sind. Würde man diese externen Kosten einpreisen, läge der wahre Preis von Kohlestrom bei 30 bis 40 Cent pro kWh statt 15 bis 25 Cent.
Die Botschaft in einem Satz
Solarstrom vom eigenen Dach kostet ein Drittel bis ein Viertel so viel wie Netzstrom. Das ist kein Marketing, das ist Physik und Mathematik. Und es ist der Grund, warum sich Photovoltaik für fast jedes Einfamilienhaus in Deutschland rechnet.







