Solardachziegel sehen aus wie Dachziegel, erzeugen aber Strom. Kein Gestell auf dem Dach, keine aufgesetzten Module, die Solarzellen sind direkt in die Dacheindeckung integriert. Das klingt nach der perfekten Lösung für alle, denen klassische Module zu klobig sind. Aber die Sache hat einen Haken: den Preis. Und einen zweiten: den Wirkungsgrad. Hier steht, was Solardachziegel 2026 können, was sie kosten und für wen sie eine echte Alternative sind.
Was Solardachziegel sind
Solardachziegel (auch Solardachsteine oder Solar Roof Tiles) ersetzen herkömmliche Dachziegel. Jeder einzelne Ziegel hat eine kleine Solarzelle integriert, meistens monokristallin. Mehrere Ziegel werden untereinander verkabelt und bilden zusammen den Solargenerator, genauso wie bei einer klassischen PV-Anlage, nur dass die Module eben wie Ziegel aussehen.
Es gibt verschiedene Ansätze. Manche Hersteller produzieren ganze Solardachsteine, bei denen der Ziegel komplett durch ein Solarmodul in Ziegelform ersetzt wird (z.B. Autarq, SolteQ). Andere bieten Solarziegel an, bei denen eine dünne Solarzelle auf einen normalen Dachstein laminiert wird. Und dann gibt es Tesla Solar Roof, das großformatige Glasziegel mit integrierten Zellen verwendet.
Das Ergebnis ist in allen Fällen: Das Dach sieht weitgehend normal aus. Keine schwarzen Rechtecke auf dem Dach, keine Aluminiumrahmen, keine Montageschienen. Von der Straße aus kaum von einem normalen Dach zu unterscheiden.
Was Solardachziegel kosten
Hier liegt der Knackpunkt. Solardachziegel kosten 300 bis 436 Euro pro Quadratmeter Dachfläche. Zum Vergleich: Eine klassische Aufdach-PV-Anlage kostet inklusive Modulen und Montage 100 bis 200 Euro pro Quadratmeter. Normale Dachziegel ohne Solar kosten 30 bis 80 Euro pro Quadratmeter.
Für eine 10-kWp-Anlage braucht man bei Solardachziegeln je nach System 60 bis 80 Quadratmeter (weil der Wirkungsgrad pro Fläche geringer ist als bei Standardmodulen). Bei 350 Euro pro Quadratmeter sind das 21.000 bis 28.000 Euro nur für die Ziegel, ohne Wechselrichter und Elektroinstallation.
Dieselben 10 kWp als klassische Aufdach-Anlage: 10.000 bis 16.000 Euro schlüsselfertig.
Der Preisunterschied: 10.000 bis 15.000 Euro zugunsten der klassischen Module. Das ist erheblich und verschlechtert die Wirtschaftlichkeit der Solardachziegel massiv. Die Amortisation verlängert sich um 5 bis 8 Jahre gegenüber einer Standardanlage.
Wann Solardachziegel trotzdem Sinn ergeben
Es gibt genau zwei Situationen, in denen Solardachziegel wirtschaftlich konkurrenzfähig werden:
Bei Neubau oder komplett neuer Dacheindeckung. Wenn das Dach sowieso neu eingedeckt wird (Neubau, Dachsanierung), fallen die Kosten für die normale Dacheindeckung weg. Statt Ziegel plus Aufdach-PV rechnet man nur die Differenz zwischen Solardachziegeln und normalen Ziegeln. Bei normalen Ziegeln (60 Euro/m²) und Solardachziegeln (350 Euro/m²) beträgt die Differenz 290 Euro/m². Für 70 m² Dach sind das 20.300 Euro Aufpreis gegenüber einem normalen Dach ohne PV. Eine Aufdach-Anlage hätte 12.000 bis 16.000 Euro gekostet, plus die Ziegel für 4.200 Euro, zusammen 16.200 bis 20.200 Euro. Die Kosten nähern sich also an, auch wenn Solardachziegel immer noch leicht teurer sind.
Bei Denkmalschutz oder ästhetischen Anforderungen. In denkmalgeschützten Gebäuden oder in Gebieten mit Gestaltungssatzung können klassische Aufdach-Module von der Behörde abgelehnt werden. Solardachziegel, die das Erscheinungsbild des Daches nicht verändern, haben bessere Chancen auf Genehmigung. Hier sind die Mehrkosten der Preis für die Möglichkeit, überhaupt PV installieren zu dürfen.
Was Solardachziegel leisten
Der Wirkungsgrad von Solardachziegeln liegt bei 15 bis 18 Prozent auf Zellebene, etwas unter dem von Standardmodulen (20 bis 25 Prozent). Das liegt daran, dass die Zellen kleiner sind, mehr Zwischenräume haben (wo der Ziegel Ziegel ist und nicht Zelle) und die Hinterlüftung schlechter funktioniert (die Ziegel liegen direkt auf der Lattung, nicht aufgeständert mit Luftspalt wie bei Aufdach-Modulen).
Pro Quadratmeter Dachfläche erzeugen Solardachziegel 120 bis 160 Watt, während Standardmodule 200 bis 250 Watt schaffen. Man braucht also 40 bis 50 Prozent mehr Dachfläche für dieselbe Leistung. Bei begrenzter Dachfläche ist das ein echtes Problem, bei großen Dächern weniger.
Die Lebensdauer ist vergleichbar mit Standardmodulen: 25 bis 30 Jahre Leistungsgarantie, 30 bis 40 Jahre erwartete Nutzungsdauer. Solardachziegel sind mechanisch robust (sie müssen als Dacheindeckung dieselben Belastungen aushalten wie normale Ziegel), und die Integration ins Dach schützt die Zellen besser vor Wind als aufgeständerte Module.
Hersteller und Produkte 2026
Autarq (Brandenburg): Solardachziegel auf Basis verschiedener Dachsteintypen (Braas, Nelskamp). Die Solarzellen werden auf Standard-Dachsteine laminiert. Kompatibel mit gängigen Dachsystemen. Preis: ca. 300 bis 350 Euro/m². Verfügbar in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
SolteQ (Deutschland): Eigene Solardachstein-Systeme in verschiedenen Formaten. Optisch kaum von normalen Ziegeln zu unterscheiden. Preis: ca. 320 bis 400 Euro/m².
Tesla Solar Roof: Großformatige Glasziegel mit integrierten Zellen. Optisch ansprechend, aber in Europa nur eingeschränkt verfügbar und mit langen Lieferzeiten. Preis: ca. 350 bis 436 Euro/m². In Deutschland bisher wenig installiert.
Nelskamp (Deutschland): Traditioneller Dachziegelhersteller, der Solardachsteine im Programm hat. Integration in das bestehende Nelskamp-Dachsystem.
Solardachziegel vs. Indachmontage
Neben Solardachziegeln gibt es die Indachmontage: Standardmodule werden anstelle der Dachziegel direkt in die Dachfläche integriert. Sie liegen bündig mit der restlichen Dacheindeckung und ersetzen die Ziegel in dem Bereich, wo sie montiert sind.
Indachmontage ist günstiger als Solardachziegel (Aufpreis gegenüber Aufdach: 2.000 bis 5.000 Euro, nicht 10.000 bis 15.000). Der Wirkungsgrad ist gleich wie bei Aufdach (es sind dieselben Module, nur anders montiert). Der Nachteil: Die Module sind flacher eingebaut und weniger gut hinterlüftet, was zu 2 bis 5 Prozent Ertragseinbuße führt, weil die Module heißer werden.
Indachmontage ist für Neubauten und Dachsanierungen oft der bessere Kompromiss als Solardachziegel: Optisch dezenter als Aufdach, aber deutlich günstiger als Solardachziegel und mit vollem Modul-Wirkungsgrad.
Die ehrliche Einschätzung
Solardachziegel sind ein Nischenprodukt. Sie lösen ein ästhetisches Problem (Module auf dem Dach sehen nicht jedem), aber zu einem hohen Preis. Für die allermeisten Eigenheimbesitzer sind klassische Aufdach-Module die wirtschaftlich bessere Wahl, weil sie günstiger sind, einen höheren Wirkungsgrad haben und von jedem Solarteur installiert werden können.
Solardachziegel lohnen sich, wenn Ästhetik oder Denkmalschutz die entscheidenden Kriterien sind und man bereit ist, dafür 10.000 bis 15.000 Euro Aufpreis zu zahlen. Bei Neubauten, wo das Dach sowieso neu kommt, schrumpft der Aufpreis, und die Kombination „neues Dach plus Stromerzeugung in einem“ hat ihren Reiz.
Wer nur den Strom will und die Module auf dem Dach nicht stören: Aufdach kaufen, Geld sparen, schneller amortisieren. Wer ein schönes Dach will und dafür zahlen kann: Solardachziegel oder Indachmontage sind die Optionen.







