Wer sich für eine PV-Anlage entschieden hat, steht vor einer Kette von Schritten, die sich über zwei bis vier Monate zieht. Von der ersten Anfrage bis zum Moment, in dem der Wechselrichter zum ersten Mal anspringt. Der Ablauf ist bei den meisten Installateuren ähnlich, und wer vorher weiß, was passiert, vermeidet Überraschungen und macht den Prozess für alle Beteiligten einfacher.
Schritt 1: Angebote einholen (Woche 1 bis 2)
Der Prozess beginnt mit der Angebotsanfrage. Mindestens drei Angebote einholen, besser vier oder fünf. Die Preisspanne bei gleicher Anlagengröße liegt bei 20 bis 30 Prozent, das sind bei einer 10-kWp-Anlage schnell 3.000 bis 4.000 Euro Unterschied.
Online-Vergleichsportale wie DAA, Selfmade Energy oder Check24 liefern innerhalb weniger Tage erste Angebote. Parallel lokale Handwerksbetriebe anfragen. Für die Anfrage braucht man: den ungefähren Stromverbrauch (steht auf der Stromrechnung), die Dachfläche und Ausrichtung (Schätzung reicht, der Solarteur prüft das genau) und ob ein Speicher gewünscht ist.
Schritt 2: Vor-Ort-Begehung (Woche 2 bis 4)
Ein seriöser Solarteur macht immer einen Vor-Ort-Termin, bevor er ein verbindliches Angebot erstellt. Bei der Begehung wird das Dach vermessen (Fläche, Neigung, Ausrichtung), die Verschattung geprüft (Bäume, Kamine, Nachbargebäude), der Zählerkasten begutachtet (Platz für neuen Zähler und Sicherungen), die Statik eingeschätzt (reicht die Tragfähigkeit?), der Kabelweg geplant (vom Dach zum Wechselrichter) und der Wechselrichter-Standort festgelegt (Keller, Garage, HWR).
Der Termin dauert 30 bis 60 Minuten. Nutzt die Gelegenheit, Fragen zu stellen: Welche Module und welchen Wechselrichter empfiehlt der Installateur und warum? Wie lange ist die Wartezeit bis zur Installation? Was ist im Angebot enthalten und was nicht?
Schritt 3: Angebote vergleichen und entscheiden (Woche 3 bis 5)
Nach den Begehungen liegen die detaillierten Angebote vor. Jetzt vergleichen: Preis pro kWp, Modultyp und Hersteller, Wechselrichtermodell, ob Gerüst und Zählertausch enthalten sind, Ertragsprognose auf Basis der konkreten Dachsituation, Garantiebedingungen und Zahlungsmodalitäten.
Wer einen KfW-Kredit 270 nutzen will, muss den Antrag vor der Auftragserteilung stellen. Also: Angebot aussuchen, KfW-Antrag bei der Hausbank einreichen, Bewilligung abwarten (2 bis 4 Wochen), dann erst unterschreiben.
Wer bar zahlt, kann sofort nach der Angebotsprüfung den Auftrag erteilen.
Schritt 4: Auftrag erteilen (Woche 5 bis 6)
Mit der Auftragserteilung wird es verbindlich. Der Installateur bestellt die Komponenten (Module, Wechselrichter, Speicher, Montagesystem) und plant den Installationstermin. Die Lieferzeiten variieren: Module der großen Hersteller (JA Solar, Jinko, LONGi, Trina) sind meistens innerhalb von ein bis drei Wochen verfügbar. Wechselrichter und Speicher können je nach Modell und Nachfrage länger dauern.
Typische Zahlungsbedingungen: 10 bis 30 Prozent bei Auftragserteilung als Anzahlung. Der Rest nach Fertigstellung und Inbetriebnahme. Manche Betriebe verlangen keine Anzahlung, andere bis zu 50 Prozent. Keine Vorauskasse über 50 Prozent leisten, das ist ein Warnsignal.
Schritt 5: Gerüst aufstellen (Tag minus 1)
Das Gerüst wird meistens am Tag vor der Montage oder am frühen Morgen des ersten Montagetags aufgestellt. Es ist bei Absturzhöhen über 3 Meter Pflicht, also bei praktisch jedem Hausdach. Die Kosten (500 bis 1.500 Euro) sollten im Angebot enthalten sein.
Das Gerüst steht in der Regel ein bis drei Tage, bis die Montage abgeschlossen ist. Danach wird es wieder abgebaut. Man sollte in dieser Zeit keinen Zugang zur Hauswand brauchen (keine Lieferungen, kein Parken direkt an der Wand).
Schritt 6: Montage (Tag 1 bis 3)
Die Montage einer typischen 10-kWp-Anlage auf einem Satteldach dauert ein bis zwei Tage. Bei größeren Anlagen oder Speicher-Integration kann es drei Tage werden.
Tag 1: Unterkonstruktion. Dachhaken werden unter den Ziegeln auf den Sparren verschraubt. Montageschienen aus Aluminium werden auf die Haken montiert. Bei Flachdächern: Aufständerung aufbauen und ausrichten.
Tag 1 bis 2: Module montieren. Die Module werden auf die Schienen gesetzt und mit Klemmen fixiert. Ein geübtes Zwei-Mann-Team schafft 20 bis 30 Module am Tag. Gleichzeitig wird die DC-Verkabelung gelegt (Solarkabel mit MC4-Steckern).
Tag 2: Wechselrichter und Speicher. Der Wechselrichter wird an der Wand montiert und verkabelt. Wenn ein Speicher dabei ist, wird dieser ebenfalls installiert und an den Wechselrichter angeschlossen. Die DC-Kabel vom Dach werden mit dem Wechselrichter verbunden.
Tag 2 bis 3: Elektroinstallation. Der Elektriker schließt den Wechselrichter an den Zählerkasten an, baut Sicherungen und Überspannungsschutz ein, installiert den Feuerwehrschalter und konfiguriert den Wechselrichter. Dieser Teil darf nur eine eingetragene Elektrofachkraft durchführen.
Während der Montage sollte jemand im Haus erreichbar sein, falls der Installateur Fragen hat (z.B. zum Kabelweg durch den Keller oder zum Standort des Wechselrichters). Man muss nicht den ganzen Tag danebenstehen, aber erreichbar sein.
Schritt 7: Inbetriebnahme und Protokoll (Tag 3)
Nach der Elektroinstallation wird die Anlage in Betrieb genommen. Der Installateur misst die Leerlaufspannung und den Kurzschlussstrom der Strings, prüft den Isolationswiderstand, startet den Wechselrichter und kontrolliert, ob alles im Sollbereich liegt.
Anschließend erstellt er das Inbetriebnahmeprotokoll nach DIN EN 62446. Dieses Dokument ist Pflicht und dient als Nachweis der normgerechten Installation gegenüber Netzbetreiber, Versicherung und Herstellern. Unbedingt aushändigen lassen und sorgfältig aufbewahren.
Der Wechselrichter wird konfiguriert: Netzparameter, Einspeisebegrenzung (falls nötig), Speicher-Steuerung, Monitoring-Anbindung (App, WLAN). Die Monitoring-App sollte vor Ort getestet werden, damit man ab Tag eins die Erzeugung verfolgen kann.
Schritt 8: Zählertausch (Woche 1 bis 6 nach Inbetriebnahme)
Der Installateur meldet die Anlage beim Netzbetreiber an und veranlasst den Zählertausch. Der alte Ferraris-Zähler wird durch einen Zweirichtungszähler oder ein Smart Meter ersetzt. Das macht der Messstellenbetreiber (in der Regel der Netzbetreiber), nicht der Installateur.
Der Termin für den Zählertausch kommt manchmal am selben Tag wie die Inbetriebnahme, manchmal dauert es Wochen. Bis der neue Zähler sitzt, läuft die Anlage trotzdem, und der Strom wird erzeugt und verbraucht. Die Einspeisevergütung wird rückwirkend ab Inbetriebnahme gezahlt, auch wenn der Zähler erst später kommt.
Schritt 9: Anmeldungen (parallel zu Schritt 7 und 8)
Marktstammdatenregister: Registrierung innerhalb eines Monats nach Inbetriebnahme. Online, 10 bis 15 Minuten, kostenlos. Viele Installateure übernehmen das, aber man selbst ist als Betreiber verantwortlich.
Netzbetreiber: Die Anmeldung macht in der Regel der Installateur. Er übermittelt die technischen Daten und das Inbetriebnahmeprotokoll.
Versicherung: Die Gebäudeversicherung über die PV-Anlage informieren. Eine PV-Versicherung (Allgefahren) abschließen. Kosten: 100 bis 300 Euro pro Jahr.
Schritt 10: Erste Abrechnung (nach 12 Monaten)
Die Einspeisevergütung wird vom Netzbetreiber ausgezahlt, meistens einmal jährlich rückwirkend. Nach dem ersten Betriebsjahr kommt die erste Abrechnung. Prüfen, ob die vergütete Strommenge plausibel ist (Vergleich mit der Monitoring-App).
Die Stromrechnung des Energieversorgers sollte nach der PV-Installation deutlich niedriger ausfallen, weil man weniger Netzstrom bezieht. Der Abschlag kann angepasst werden, sobald der erste volle Betriebsmonat zeigt, wie viel weniger Strom man vom Netz braucht.
Zeitrahmen insgesamt
Von der ersten Anfrage bis zur laufenden Anlage: 8 bis 16 Wochen. Davon sind 1 bis 3 Tage reine Montagezeit. Der Rest ist Wartezeit: auf Angebote, auf die KfW-Bewilligung, auf die Komponentenlieferung, auf den Montagetermin, auf den Zählertausch.
In der Hochsaison (Frühjahr und Sommer) können die Wartezeiten länger sein, weil die Betriebe ausgelastet sind. Wer im Herbst oder Winter bestellt, bekommt oft schneller einen Termin, muss aber damit leben, dass die Montage bei kürzeren Tagen und möglicherweise schlechterem Wetter stattfindet. Technisch ist das kein Problem, die Module funktionieren auch bei Kälte, nur Schnee und Eis können den Termin verschieben.
Was man selbst tun kann
Vor der Begehung: Letzte Stromrechnung raussuchen (Jahresverbrauch). Dachfläche grob abschätzen. Fotos vom Dach machen (vom Boden aus, alle Seiten). Zählerkasten fotografieren.
Während der Montage: Erreichbar sein, aber nicht im Weg stehen. Den Installateuren Kaffee anbieten schadet nie.
Nach der Inbetriebnahme: Monitoring-App einrichten und in der ersten Woche täglich checken, ob die Anlage erwartungsgemäß produziert. Inbetriebnahmeprotokoll, Rechnungen und Garantiezertifikate sicher ablegen.







