SG Ready (Smart Grid Ready) ist eine Schnittstelle an der Wärmepumpe, über die ein externes Signal die WP steuern kann. Zwei einfache Kontakte, vier Betriebszustände. Der häufigste Anwendungsfall: Die PV-Anlage hat Überschuss, das Energiemanagementsystem gibt der WP das Signal, jetzt den Warmwasserspeicher oder den Puffer aufzuheizen. Solarstrom nutzen statt einspeisen, ohne dass man selbst etwas tun muss.
Die vier Betriebszustände
SG Ready definiert vier Zustände über zwei potenzialfreie Kontakte (Relais):
Zustand 1: Harter Sperrbetrieb. Die WP wird abgeschaltet. Nutzt der Netzbetreiber bei Netzüberlastung. In der Praxis selten, maximal 2 Stunden am Tag.
Zustand 2: Normalbetrieb. Die WP arbeitet nach ihrer normalen Regelung. Standardzustand, wenn kein externes Signal anliegt.
Zustand 3: Empfehlung zum Einschalten. Die WP erhöht die Soll-Temperatur im Puffer oder Warmwasserspeicher um einen einstellbaren Wert (zum Beispiel plus 3 bis 5 Grad). Sie heizt also mehr als nötig und speichert die Überschusswärme. Das ist der typische „PV-Überschuss vorhanden“-Zustand.
Zustand 4: Zwangseinschalten. Die WP läuft mit maximaler Leistung, unabhängig vom aktuellen Wärmebedarf. Für Extremfälle (extrem billiger Strom, Netzstabilisierung). In der PV-Praxis selten genutzt.
Für die PV-WP-Kopplung sind nur Zustand 2 (normal) und Zustand 3 (PV-Überschuss) relevant.
Wie die Verbindung funktioniert
Die PV-Anlage hat einen Wechselrichter, der misst, wie viel Strom produziert wird und wie viel der Haushalt gerade verbraucht. Wenn die Produktion den Verbrauch übersteigt (PV-Überschuss), gibt das Energiemanagementsystem (HEMS) über ein Relais das SG-Ready-Signal an die WP.
Die WP schaltet in Zustand 3 und beginnt, den Warmwasserspeicher von 50 auf 55 Grad aufzuheizen, oder den Puffer von 35 auf 40 Grad. Die zusätzliche Wärme wird gespeichert und steht abends oder am nächsten Morgen zur Verfügung.
Wenn der PV-Überschuss aufhört (Wolken, Abend), schaltet das HEMS zurück auf Zustand 2, und die WP arbeitet normal.
Was man braucht
Die WP muss SG-Ready-fähig sein. 2026 sind das praktisch alle neuen Geräte von Viessmann, Vaillant, Wolf, Bosch, Daikin und Stiebel Eltron. Ein Aufkleber „SG Ready“ am Gerät bestätigt das. Die Kontakte sind meistens auf einer Klemmleiste im Innenteil.
Ein Energiemanagementsystem (HEMS), das den PV-Überschuss misst und das Relais schaltet. Beispiele: SMA Sunny Home Manager, Fronius Ohmpilot, Kostal KSEM, E3/DC Hauskraftwerk, oder eine DIY-Lösung mit Home Assistant und Shelly-Relais.
Ein Relais-Modul (wenn das HEMS keins integriert hat): 20 bis 50 Euro. Ein Kabel vom HEMS zur WP-Klemmleiste: 10 bis 30 Euro. Einrichtung durch den Installateur oder Elektriker: 100 bis 300 Euro.
Gesamtkosten der SG-Ready-Anbindung: 50 bis 500 Euro, je nachdem, was schon vorhanden ist.
Was es bringt
Der PV-Eigenverbrauch steigt um 5 bis 15 Prozentpunkte. Statt 30 Prozent Eigenverbrauch kommt man auf 35 bis 45 Prozent. Bei einer 10-kWp-Anlage und 25 Cent Netzstrompreis: 50 bis 200 Euro zusätzliche Ersparnis pro Jahr.
Das klingt nicht nach viel, aber es ist quasi geschenkt. Die Investition (50 bis 500 Euro) amortisiert sich in 1 bis 3 Jahren, und danach spart man jedes Jahr weiter.
Außerdem: Die Warmwasserbereitung mit Solarstrom statt mit Netzstrom verbessert die Gesamtbilanz. Warmwasser bei 55 Grad mit einem COP von 2,5 und Solarstrom zu 10 Cent ist billiger als mit Netzstrom zu 25 Cent.
Einstellungen an der WP
In der WP-Regelung muss eingestellt werden, wie die WP auf das SG-Ready-Signal reagiert. Typische Einstellungen:
Warmwasser-Soll-Erhöhung bei Zustand 3: plus 5 Grad (von 50 auf 55 Grad). Puffer-Soll-Erhöhung: plus 5 Grad (von 35 auf 40 Grad). Ob Warmwasser oder Puffer zuerst geladen wird (meistens: Warmwasser zuerst, weil die Temperaturerhöhung dort am meisten spart).
Manche WP erlauben differenzierte Einstellungen: Bei geringem PV-Überschuss (1 bis 2 kW) nur Warmwasser laden. Bei großem Überschuss (über 3 kW) auch den Puffer.
Grenzen von SG Ready
SG Ready ist eine einfache Schnittstelle. Zwei Kontakte, vier Zustände. Es gibt keine Kommunikation zurück von der WP zum HEMS (wie viel Leistung die WP gerade aufnimmt) und keine feinstufige Leistungsanpassung (die WP entscheidet selbst, wie viel sie heizt).
Für eine feinere Steuerung (WP-Leistung an den aktuellen PV-Überschuss anpassen, kWh-genau) braucht man Modbus, EEBus oder die herstellereigene API. Das ist aufwendiger einzurichten, bringt aber 5 bis 10 Prozent mehr Eigenverbrauch als SG Ready allein.
Für die meisten Einfamilienhäuser reicht SG Ready. Die einfache Schaltung (PV-Überschuss ja/nein) deckt 80 Prozent des Potenzials ab. Wer mehr rausholen will, investiert in ein HEMS mit Modbus-Anbindung.







