Eine Wärmepumpe mit Photovoltaik zu kombinieren ist die Idee. Die SG-Ready-Schnittstelle ist die technische Verbindung, die dafür sorgt, dass beide Systeme nicht nur nebeneinander existieren, sondern zusammenarbeiten. Wenn PV-Überschuss da ist, heizt die Wärmepumpe den Puffer vor. Wenn kein Überschuss da ist, hält sie sich zurück. Klingt einfach, und im Grunde ist es das auch, aber die Details machen den Unterschied zwischen einer gut integrierten und einer schlecht integrierten Anlage.
Was SG Ready ist
SG Ready steht für Smart Grid Ready. Es ist ein Label des Bundesverbands Wärmepumpe (BWP), das bescheinigt, dass eine Wärmepumpe über externe Signale gesteuert werden kann. Fast alle aktuellen Wärmepumpen der großen Hersteller tragen dieses Label: Viessmann, Bosch, Vaillant, Daikin, Stiebel Eltron, Wolf, Buderus und andere.
Die Schnittstelle ist technisch simpel: zwei potenzialfreie Relaiskontakte (K1 und K2), die vier Betriebszustände ermöglichen:
Zustand 1 (K1 geschlossen, K2 offen): EVU-Sperre. Die Wärmepumpe wird abgeschaltet. Dieser Zustand wird vom Energieversorger genutzt, um die Netzlast in Spitzenzeiten zu reduzieren. Kommt im Alltag selten vor und hat mit der PV-Steuerung nichts zu tun.
Zustand 2 (K1 offen, K2 offen): Normalbetrieb. Die Wärmepumpe arbeitet nach ihrem eigenen Regelungsprogramm. Kein externes Signal, kein PV-Einfluss. Das ist der Standardzustand, wenn kein HEMS angeschlossen ist.
Zustand 3 (K1 offen, K2 geschlossen): Empfohlener Einschaltbetrieb. Ein Überschuss-Signal sagt der Wärmepumpe: Es gibt gerade günstigen (Solar-)Strom, du darfst jetzt laufen und den Pufferspeicher vorheizen, auch wenn nach dem normalen Heizprogramm gerade kein Bedarf besteht. Die Wärmepumpe muss nicht, sie darf. Ob sie tatsächlich anspringt, hängt davon ab, ob die Puffertemperatur unter dem Maximalwert liegt.
Zustand 4 (K1 geschlossen, K2 geschlossen): Erzwungener Einschaltbetrieb. Viel PV-Überschuss. Die Wärmepumpe soll mit voller Leistung laufen und den Puffer auf die maximal erlaubte Temperatur heizen (typisch 55 bis 60 Grad). Dieser Zustand wird genutzt, um bei starkem Sonnenschein möglichst viel Solarstrom in Wärme umzuwandeln und zu speichern.
Wie die Steuerung in der Praxis funktioniert
Das HEMS (Energiemanagementsystem) misst den aktuellen PV-Überschuss und schaltet die SG-Ready-Kontakte entsprechend. Typischer Ablauf an einem sonnigen Tag:
Morgens (7 bis 9 Uhr): Wenig Solarertrag, Haushalt verbraucht alles. SG Ready auf Zustand 2 (Normalbetrieb). Die Wärmepumpe läuft nur, wenn die Heizung es fordert.
Vormittags (9 bis 11 Uhr): Solarertrag steigt, Speicher wird geladen. Sobald der Speicher halbvoll ist und noch Überschuss da ist: SG Ready auf Zustand 3. Die Wärmepumpe heizt den Puffer von 40 auf 50 Grad.
Mittags (11 bis 14 Uhr): Voller Sonnenschein, Speicher voll, viel Überschuss. SG Ready auf Zustand 4. Die Wärmepumpe heizt den Puffer auf 55 bis 60 Grad und nutzt den Überschuss maximal aus.
Nachmittags (14 bis 17 Uhr): Solarertrag sinkt, Überschuss wird weniger. SG Ready zurück auf Zustand 3, dann auf 2.
Abends (ab 17 Uhr): Kein Solarertrag mehr. SG Ready auf Zustand 2. Die Wärmepumpe ruht, weil der Puffer tagsüber vorgeheizt wurde und die gespeicherte Wärme bis zum nächsten Morgen reicht.
Das Ergebnis: Die Wärmepumpe läuft überwiegend mit Solarstrom statt mit teurem Netzstrom. Über das Jahr gerechnet lassen sich 30 bis 50 Prozent des Wärmepumpenstroms solar decken.
Was man braucht
Eine Wärmepumpe mit SG-Ready-Label. Das haben fast alle aktuellen Modelle, aber man sollte es im Datenblatt oder beim Hersteller bestätigen lassen.
Ein HEMS, das SG Ready ansteuern kann. Die gängigsten: SMA Sunny Home Manager 2.0 (steuert SG Ready über schaltbare Relais), E3/DC Hauskraftwerk (integrierte SG-Ready-Steuerung), Fronius (über Relaisausgang am Wechselrichter), Kostal Smart Energy Meter (mit externem Relaismodul). Open-Source: Home Assistant mit einem Shelly-Relais oder einem ähnlichen Schaltaktor.
Die Verkabelung: Zwei Adern vom HEMS oder Wechselrichter zum SG-Ready-Eingang der Wärmepumpe. Meistens ist das eine einfache Niederspannungsleitung (24 V), die der Elektriker bei der Installation der PV-Anlage gleich mit verlegen kann. Kosten: 50 bis 200 Euro Material plus Elektrikerzeit.
Einen Pufferspeicher an der Wärmepumpe. Ohne Puffer kann die Wärmepumpe die überschüssige Wärme nicht speichern. Der Pufferspeicher ist bei den meisten Wärmepumpen-Installationen Standard (500 bis 1.000 Liter Heizungspuffer, 200 bis 300 Liter Brauchwasserspeicher).
SG Ready vs. Modbus vs. EEBus
SG Ready ist die einfachste, aber auch die gröbste Steuerung. Zwei Relaiskontakte, vier Zustände. Mehr kann SG Ready nicht. Die Wärmepumpe wird entweder eingeschaltet, ausgeschaltet oder auf Normalbetrieb gesetzt. Eine stufenlose Leistungsregelung (z.B. „laufe mit 3 kW statt mit 6 kW“) ist über SG Ready nicht möglich.
Modbus ist ein Industrieprotokoll, das eine deutlich feinere Steuerung erlaubt. Über Modbus kann das HEMS der Wärmepumpe exakt sagen, mit wie viel Leistung sie laufen soll. Die Wärmepumpe taktet weniger (springt nicht ständig an und aus), was den Verschleiß reduziert und die Effizienz verbessert. Nicht alle Wärmepumpen unterstützen Modbus, aber die Tendenz geht klar in diese Richtung.
EEBus ist der neueste Standard, ein IP-basiertes Kommunikationsprotokoll, das speziell für die Vernetzung von Energiegeräten im Haushalt entwickelt wurde. SMA und Viessmann gehören zu den Vorreitern. EEBus ermöglicht eine feingranulare, bidirektionale Kommunikation zwischen Wechselrichter, Speicher, Wärmepumpe und Wallbox. Langfristig soll EEBus SG Ready und Modbus als Standard für die Gerätesteuerung im Smart Home ablösen.
Für die aktuelle Kaufentscheidung 2026: SG Ready reicht für die Grundfunktion (Wärmepumpe bei Überschuss einschalten). Wer eine feinere Steuerung will, achtet beim Kauf der Wärmepumpe darauf, dass sie Modbus oder EEBus unterstützt. Die Mehrkosten dafür sind gering (meistens nur ein Software-Feature), der Nutzen über 20 Jahre Wärmepumpen-Lebensdauer aber spürbar.
Was man bei der Planung beachten sollte
Puffertemperatur richtig einstellen. Wenn die Wärmepumpe den Puffer auf 60 Grad heizt, ist die Effizienz (COP) deutlich schlechter als bei 45 Grad. Der Trick ist, den Puffer bei Solarüberschuss nur so weit aufzuheizen, wie er die Wärme bis zum Abend hält, ohne dass die Wärmepumpe mit schlechtem COP arbeitet. Typisch: Anhebung der Solltemperatur um 5 bis 10 Grad bei Zustand 3, und um 10 bis 15 Grad bei Zustand 4.
Taktung vermeiden. Wenn das HEMS die Wärmepumpe bei jeder Wolke abschaltet und bei jedem Sonnenschein wieder einschaltet, taktet sie ständig. Das ist schlecht für den Kompressor und senkt die Effizienz. Ein gutes HEMS hat eine Hysterese (Mindestlaufzeit nach dem Einschalten, z.B. 20 Minuten) und reagiert nicht auf jede kurzfristige Überschussschwankung.
Vorlauftemperatur niedrig halten. Fußbodenheizungen arbeiten mit 30 bis 35 Grad Vorlauf, was ideal für die Wärmepumpe ist (JAZ 4 bis 5). Heizkörper brauchen 50 bis 70 Grad, was die JAZ auf 2,5 bis 3,5 drückt. Wer mit PV und Wärmepumpe maximale Effizienz will, sollte die Vorlauftemperatur so niedrig wie möglich halten und bei Bedarf die Heizkörper durch größere Modelle oder eine Fußbodenheizung ersetzen.
Saisonale Realität: Im Winter, wenn die Wärmepumpe am meisten läuft, liefert die PV-Anlage am wenigsten. Im Dezember und Januar kann die PV vielleicht 10 bis 15 Prozent des Wärmepumpenstroms decken. Den Rest liefert das Netz. Die SG-Ready-Steuerung bringt den größten Nutzen in den Übergangsmonaten (März bis Mai, September bis November), wenn sowohl genug Sonne scheint als auch Heizbedarf besteht.
Was die SG-Ready-Integration kostet
Material (Kabel, Relais): 50 bis 200 Euro.
Elektriker (Verkabelung und Konfiguration): 100 bis 300 Euro.
HEMS (falls nicht vorhanden): 300 bis 2.000 Euro.
Wenn die PV-Anlage und die Wärmepumpe gleichzeitig installiert werden, sind die SG-Ready-Verkabelungskosten meistens im Gesamtpaket enthalten. Bei Nachrüstung (PV-Anlage vorhanden, Wärmepumpe kommt dazu) fallen die Kabel- und Konfigurationskosten extra an, sind aber überschaubar.
Die Ersparnis durch SG-Ready-Steuerung gegenüber einer Wärmepumpe ohne PV-Kopplung liegt bei 200 bis 600 Euro pro Jahr. Die Investition amortisiert sich damit in wenigen Monaten. Es gibt keinen rationalen Grund, eine Wärmepumpe neben einer PV-Anlage zu betreiben, ohne die beiden miteinander zu verbinden.







