Die Montage einer PV-Anlage selbst in die Hand zu nehmen, spart Geld. 1.500 bis 3.000 Euro weniger für die Arbeit, die man auf dem Dach selbst erledigt. Aber es gibt eine klare Grenze: Alles was mechanisch ist, also Module aufs Dach bringen und befestigen, darf man selbst machen. Alles was elektrisch ist, also den Anschluss ans Hausnetz, muss eine Elektrofachkraft übernehmen. Wer diese Grenze respektiert, spart legal und sicher.
Was man selbst machen darf
Die mechanische Montage ist kein Hexenwerk. Dachhaken setzen, Schienen montieren, Module einhängen, DC-Kabel verlegen. Das erfordert handwerkliches Geschick, aber keine Ausbildung. Tausende Eigenheimbesitzer haben ihre Module selbst aufs Dach gelegt, und solange man sicher arbeitet und ein Gerüst hat, spricht nichts dagegen.
Im Detail: Gerüst aufstellen (oder aufstellen lassen, Gerüstbau ist ein eigenes Gewerbe und ab 3 Meter Absturzhöhe Pflicht). Dachziegel anheben, Dachhaken unter den Ziegel auf den Sparren schrauben, Ziegel zurücklegen und gegebenenfalls mit der Flex eine Aussparung schneiden, damit der Ziegel flach aufliegt. Montageschienen auf die Haken schrauben und ausrichten. Module auf die Schienen setzen und mit Mittel- und Endklemmen fixieren. DC-Solarkabel mit MC4-Steckern zwischen den Modulen verlegen und die Strings zusammenstecken. Die Kabel unter den Modulen entlang führen und sauber befestigen. Kabel vom Dach ins Gebäude leiten, durch eine Dachdurchführung oder Wanddurchführung.
All das kann man selbst machen. Man spart damit den größten Teil der Montagekosten, weil die Arbeit auf dem Dach den Hauptteil der Installationszeit ausmacht.
Was der Elektriker machen muss
Alles ab dem Zählerkasten ist Sache einer eingetragenen Elektrofachkraft (Meisterbetrieb mit Eintragung im Installateurverzeichnis des Netzbetreibers). Das ist nicht optional, sondern gesetzlich vorgeschrieben und hat gute Gründe: DC-Spannungen von 300 bis 600 Volt auf dem Dach und 230/400 Volt Wechselstrom im Zählerkasten sind lebensgefährlich bei falscher Handhabung.
Was der Elektriker macht: Wechselrichter montieren und verkabeln (DC-Eingang vom Dach, AC-Ausgang zum Zählerkasten). Sicherungen einbauen (DC-Trennschalter, AC-Leitungsschutzschalter, FI-Schutzschalter). Überspannungsschutz installieren (Typ 1 und Typ 2). Feuerwehrschalter einbauen (DC-Freischalteinrichtung). Zählerfeld vorbereiten für den neuen Zweirichtungszähler oder das Smart Meter. Inbetriebnahme durchführen (Messung von Leerlaufspannung, Kurzschlussstrom, Isolationswiderstand). Inbetriebnahmeprotokoll nach DIN EN 62446 erstellen. Anmeldung beim Netzbetreiber mit den technischen Daten.
Die Kosten für den Elektriker bei einer Selbstmontage liegen bei 800 bis 2.000 Euro, je nach Region, Aufwand und ob der Zählerkasten angepasst werden muss. Das ist deutlich weniger als die Gesamtinstallation durch einen Solarteur (die bei einer 10-kWp-Anlage 3.000 bis 5.000 Euro Arbeitskosten beinhaltet).
Wie viel man spart
Bei einer schlüsselfertigen Installation einer 10-kWp-Anlage entfallen etwa 2.500 bis 4.000 Euro auf die Montagearbeit (Dachmontage, Verkabelung, Gerüst). Wenn man die Dachmontage selbst übernimmt und nur den Elektriker für den Netzanschluss bezahlt, spart man 1.500 bis 3.000 Euro.
Dem stehen gegenüber: die eigene Arbeitszeit (ein bis zwei Tage für zwei Personen), das Gerüst (500 bis 1.500 Euro, falls nicht vom Solarteur gestellt), und das Werkzeug (Akkuschrauber, Dachlattenbohrer, Flex für Ziegelaussparungen, MC4-Crimpzange).
Die Materialkosten für die Module und den Wechselrichter bleiben gleich, egal ob man selbst montiert oder montieren lässt. Die Ersparnis betrifft nur die Arbeitskosten der Dachmontage.
Risiken und Nachteile der Selbstmontage
Sicherheit. Arbeiten auf dem Dach sind gefährlich. Ohne Gerüst und ohne Erfahrung in der Höhe sollte man es lassen. Jedes Jahr passieren Unfälle bei DIY-Dacharbeiten. Ein Sturz aus 6 Meter Höhe endet im Krankenhaus oder schlimmer.
Garantie. Manche Modulhersteller schließen die Garantie aus, wenn die Module nicht von einem zertifizierten Betrieb installiert wurden. Das ist selten und rechtlich umstritten (die Produktgarantie hängt vom Produkt ab, nicht von der Installation), aber es kann im Streitfall zum Problem werden. Vor dem Kauf die Garantiebedingungen des Modulherstellers lesen.
Versicherung. Die PV-Versicherung (Allgefahren) fragt bei Schadenmeldung nach dem Installateur und dem Inbetriebnahmeprotokoll. Wenn der Elektriker die Inbetriebnahme gemacht und das Protokoll erstellt hat, ist man auf der sicheren Seite. Wenn gar kein Protokoll existiert, wird es bei der Schadenregulierung kompliziert.
Qualität. Ein erfahrener Solarteur hat hunderte Anlagen montiert. Er weiß, wie tief der Dachhaken sitzen muss, wie fest die Klemmen angezogen werden, wo Kabel nicht verlegt werden sollten und welche Fehler man bei der Ziegelbearbeitung vermeiden muss. Wer das zum ersten Mal macht, braucht länger und macht möglicherweise Fehler, die nicht sofort auffallen, aber langfristig Probleme verursachen (undichte Dachdurchführung, zu locker sitzende Haken, Kabelknickstellen).
Fehlende Unterstützung. Bei der schlüsselfertigen Installation hat man einen Ansprechpartner für alles. Bei der Selbstmontage muss man selbst planen, bestellen, koordinieren und Fehler beheben. Wenn ein Modul beim Transport beschädigt wird, kümmert man sich selbst um den Austausch. Wenn der Dachhaken nicht auf den Sparren trifft, muss man selbst eine Lösung finden.
Für wen sich Selbstmontage lohnt
Handwerklich erfahrene Eigenheimbesitzer, die schwindelfrei sind und schon auf dem Dach gearbeitet haben. Wer regelmäßig Dachrinnen reinigt oder Antennen montiert hat, weiß, wie man sich auf dem Dach bewegt.
Wer einen Helfer hat. Allein geht Dachmontage nicht. Module wiegen 20 bis 25 kg und müssen aufs Dach getragen und dort manövriert werden. Zu zweit ist es machbar, zu dritt komfortabel.
Wer Zugang zu einem Gerüst hat. Gerüstmiete für eine Woche liegt bei 300 bis 800 Euro. Wer sich das Gerüst leiht oder über Kontakte günstig bekommt, spart nochmal.
Wer die Anlage selbst geplant hat und weiß, was er tut. Es gibt gute YouTube-Kanäle und Foren (z.B. photovoltaikforum.com), die Schritt-für-Schritt-Anleitungen liefern. Wer sich vorher einliest und das Werkzeug hat, kann es schaffen.
Für wen sich Selbstmontage nicht lohnt
Wer keine Erfahrung auf dem Dach hat. Das ist kein Projekt, bei dem man das erste Mal in 6 Meter Höhe herausfindet, ob man schwindelfrei ist.
Wer die Garantie nicht riskieren will. Bei einer schlüsselfertigen Installation hat der Solarteur fünf Jahre Gewährleistung auf seine Arbeit. Bei Selbstmontage ist man selbst verantwortlich, wenn nach drei Jahren ein Ziegel undicht wird, weil der Dachhaken nicht richtig saß.
Wer die Zeitersparnis höher bewertet als die Geldersparnis. Zwei Tage auf dem Dach plus Planung und Einkauf kosten Zeit. Wer in dieser Zeit arbeitet und mehr verdient als die 1.500 bis 3.000 Euro Ersparnis, lässt besser machen.
Wer ein schwieriges Dach hat. Schieferdächer, Metalldächer, Flachdächer mit empfindlicher Abdichtung, oder Dächer mit komplexer Geometrie (Walmdach mit vielen Graten): Hier braucht man Erfahrung, die Laien in der Regel nicht haben.
Der Kompromiss: Teilselbstmontage
Manche Solarteure bieten an, die Montage gemeinsam mit dem Kunden durchzuführen. Man hilft auf dem Dach mit, der Solarteur leitet an und übernimmt die kritischen Schritte. Der Preis liegt zwischen Vollinstallation und reiner Materialbeschaffung. Das ist ein guter Kompromiss: Man spart Geld, lernt etwas und hat trotzdem jemanden dabei, der weiß, was er tut.
Andere Option: Material und Planung vom Solarteur, Montage selbst, Elektroanschluss durch den Betrieb des Solarteurs. Das funktioniert, wenn der Betrieb mitzieht. Nicht alle machen das, weil sie die Haftung scheuen, wenn die Dachmontage nicht von ihnen durchgeführt wurde. Vorher klären.







