Neben COP und JAZ gibt es noch den SCOP (Seasonal Coefficient of Performance). Er steht auf dem EU-Energielabel jeder Wärmepumpe und soll die durchschnittliche Effizienz über eine ganze Heizsaison abbilden. Der SCOP ist realistischer als der COP bei A7/W35, aber weniger genau als die tatsächliche JAZ deines Hauses. Er liegt irgendwo dazwischen und ist vor allem für den Gerätevergleich auf dem Energielabel nützlich.
Wie der SCOP berechnet wird
Der SCOP basiert nicht auf einer einzigen Messung, sondern auf mehreren COP-Messungen bei verschiedenen Außentemperaturen, gewichtet nach deren Häufigkeit in einer Referenz-Heizsaison. Die EU definiert drei Klimazonen: „Average“ (Straßburg, mittleres europäisches Klima), „Warmer“ (Athen) und „Colder“ (Helsinki).
Für Deutschland gilt die Zone „Average“ (Straßburg). Die Gewichtung berücksichtigt, wie viele Stunden pro Heizsaison welche Außentemperatur herrscht: Viele Stunden bei 2 bis 7 Grad (häufiges Wetter), wenige Stunden bei minus 10 Grad (selten, aber energieintensiv).
Das Ergebnis ist ein gewichteter Durchschnittswert, der die saisonalen Schwankungen besser abbildet als ein einzelner COP-Wert. Ein SCOP von 4,5 bedeutet: Über eine durchschnittliche Heizsaison in Mitteleuropa liefert die WP 4,5 kWh Wärme pro kWh Strom.
SCOP vs. COP vs. JAZ
COP bei A7/W35: Laborwert bei einer einzigen Temperatur. Höchster der drei Werte. Gut für den Gerätevergleich unter Idealbedingungen.
SCOP: Berechneter Saisonwert über verschiedene Temperaturen. Liegt 10 bis 20 Prozent unter dem COP bei A7/W35. Berücksichtigt die Temperaturschwankungen, aber nicht das individuelle Haus.
JAZ: Tatsächlicher Messwert im echten Haus über ein Jahr. Liegt 15 bis 25 Prozent unter dem COP bei A7/W35. Berücksichtigt alles: Haus, Wetter, Nutzerverhalten, Warmwasser, Einstellung.
Für den Gerätevergleich ist der SCOP besser als der COP, weil er realistischer ist. Für die eigene Heizkostenberechnung ist die JAZ am besten, aber die kennt man erst nach dem ersten Betriebsjahr.
SCOP auf dem Energielabel
Seit 2015 müssen alle Wärmepumpen in der EU ein Energielabel tragen. Das Label zeigt die Energieeffizienzklasse (A bis G, die besten WP haben A+++) und den SCOP-Wert bei 35 Grad und bei 55 Grad Vorlauf.
Die Effizienzklassen basieren auf dem SCOP: A+++ ab SCOP 5,1. A++ ab SCOP 3,8. A+ ab SCOP 3,0. Die meisten modernen Luft-WP liegen bei A++ oder A+++.
Der SCOP bei 55 Grad Vorlauf ist besonders interessant für Altbau-Besitzer. Hier zeigt sich, wie das Gerät bei höheren Vorlauftemperaturen performt. Ein Gerät, das bei 35 Grad einen SCOP von 5,0 hat und bei 55 Grad nur noch 2,5, verliert überproportional viel bei hohen Temperaturen. Ein anderes Gerät mit SCOP 4,5 bei 35 Grad und 3,2 bei 55 Grad ist für den Altbau besser geeignet.
Was der SCOP nicht zeigt
Die Warmwasserbereitung. Der SCOP bezieht sich nur auf den Heizbetrieb, nicht auf die Warmwassererzeugung. Da Warmwasser 50 bis 55 Grad braucht, senkt es die Gesamt-Effizienz. Die JAZ berücksichtigt das, der SCOP nicht.
Das individuelle Haus. Der SCOP basiert auf einem Referenzklima (Straßburg) und einer Referenz-Heizkurve. Ob dein Haus in Freiburg oder in Oberstdorf steht, ob du Fußbodenheizung oder alte Heizkörper hast, ob du 20 oder 23 Grad Raumtemperatur magst: Der SCOP weiß das nicht.
Den Stromverbrauch der Hilfsaggregate. Umwälzpumpen, Steuerung, Standby-Verbrauch: Je nach Berechnungsmethode sind diese teilweise oder gar nicht im SCOP enthalten. In der JAZ sind sie drin.
Wie man den SCOP für die Kaufentscheidung nutzt
Den SCOP bei 35 Grad (niedrige Vorlauftemperatur, FBH) und bei 55 Grad (Heizkörper, Altbau) vergleichen. Ein Gerät, das bei beiden Werten gut abschneidet, ist flexibel. Ein Gerät, das nur bei 35 Grad gut ist, taugt nur für Neubauten mit Fußbodenheizung.
Nicht nur auf die Energieeffizienzklasse schauen. A++ kann einen SCOP von 3,8 oder 4,5 haben, beides ist A++. Der Unterschied: Bei einem 15.000-kWh-Haus spart der SCOP 4,5 gegenüber 3,8 rund 200 Euro Strom pro Jahr. Die Klasse sagt zu wenig, der Zahlenwert sagt mehr.
Den SCOP als groben Filter nutzen, nicht als Kaufentscheidung. Die endgültige Effizienz hängt so stark von der Installation, der Einstellung und dem Haus ab, dass ein Gerät mit SCOP 4,2 bei richtiger Einstellung besser performen kann als eines mit SCOP 4,8 bei schlechter Einstellung.







