Muss man erst dämmen, bevor man eine Wärmepumpe einbauen kann? Nein. Aber wer die wichtigsten Schwachstellen beseitigt, bekommt eine effizientere WP, niedrigere Stromkosten und ein wärmeres Haus. Die Frage ist nicht „alles oder nichts“, sondern: Welche Maßnahmen bringen am meisten für das Geld?
Die häufigste Frage: Erst dämmen oder erst WP?
Die Antwort: Beides gleichzeitig planen, aber die WP muss nicht auf die komplette Sanierung warten. In vielen Altbauten reichen ein paar gezielte Maßnahmen (Dachdämmung, Kellerdecke, kritische Heizkörper tauschen), um die Vorlauftemperatur auf 45 bis 50 Grad zu senken. Damit arbeitet die WP mit einer JAZ von 3,0 bis 3,5, und das rechnet sich.
Wer auf die komplette Sanierung wartet (Fenster, Fassade, Dach, Kellerdecke), wartet möglicherweise Jahre und heizt in der Zwischenzeit mit einer alten Gasheizung zu steigenden Preisen. Besser: WP jetzt, Sanierung schrittweise nachholen. Die WP profitiert von jeder späteren Sanierungsmaßnahme, weil die Heizlast sinkt und die Vorlauftemperatur runter kann.
Maßnahme 1: Dachdämmung
Kosten: 5.000 bis 15.000 Euro (Dachschräge von innen) oder 8.000 bis 20.000 Euro (Aufsparrendämmung). Wirkung: Senkt die Heizlast um 15 bis 25 Prozent. Die Vorlauftemperatur kann 3 bis 5 Grad runter.
Das ungedämmte Dach ist in vielen Altbauten der größte Wärmeverlustposten. Warme Luft steigt nach oben, und durch ein ungedämmtes Dach geht 20 bis 30 Prozent der Heizenergie verloren.
Wenn der Dachboden nicht ausgebaut ist: Die oberste Geschossdecke dämmen. Das ist die günstigste Variante (20 bis 50 Euro pro Quadratmeter, oft sogar in Eigenleistung machbar). Wirkung ähnlich wie Dachschrägen-Dämmung.
Maßnahme 2: Kellerdecke dämmen
Kosten: 2.000 bis 4.000 Euro. Wirkung: Senkt die Heizlast um 5 bis 10 Prozent. Der Fußboden im Erdgeschoss wird wärmer (Komfortgewinn).
Relativ günstig und schnell gemacht: Dämmplatten (8 bis 12 cm) werden von unten an die Kellerdecke geklebt oder gedübelt. Keine Baustelleneinrichtung nötig, kein Estrich, kein Bodenaustausch. In 1 bis 2 Tagen erledigt. Fachbetrieb oder Eigenleistung.
Maßnahme 3: Fenster tauschen
Kosten: 500 bis 1.000 Euro pro Fenster, also 8.000 bis 15.000 Euro fürs ganze Haus. Wirkung: Senkt die Heizlast um 10 bis 20 Prozent. Die Vorlauftemperatur kann 2 bis 4 Grad runter.
Alte Fenster mit Einfachverglasung (U-Wert 5,0 bis 6,0) oder alter Doppelverglasung (U-Wert 2,5 bis 3,0) sind ein großer Wärmeverlustposten. Moderne Dreifachverglasung hat einen U-Wert von 0,5 bis 0,8. Der Unterschied ist enorm.
Achtung: Fenster tauschen ohne gleichzeitige Lüftungsstrategie kann zu Schimmelproblemen führen. Neue dichte Fenster in einem sonst undichten Altbau reduzieren den natürlichen Luftwechsel. Entweder kontrolliert lüften (Stoßlüften 3 bis 4 Mal pro Tag) oder eine dezentrale Lüftungsanlage einbauen (2.000 bis 5.000 Euro).
Maßnahme 4: Heizkörper tauschen
Kosten: 300 bis 800 Euro pro Heizkörper. Wirkung: Senkt die benötigte Vorlauftemperatur um 5 bis 10 Grad.
Meistens reicht es, 2 bis 4 kritische Heizkörper zu tauschen (Bad, Wohnzimmer, Schlafzimmer). Der Rest ist oft ausreichend dimensioniert. Gesamtkosten: 600 bis 3.200 Euro. Im Vergleich zu einer Fassadendämmung (15.000 bis 30.000 Euro) ist das die günstigste Maßnahme, um die Vorlauftemperatur zu senken.
Maßnahme 5: Fassadendämmung (WDVS)
Kosten: 15.000 bis 30.000 Euro (Wärmedämmverbundsystem, 12 bis 16 cm). Wirkung: Senkt die Heizlast um 20 bis 35 Prozent. Die Vorlauftemperatur kann 5 bis 10 Grad runter.
Die Fassadendämmung bringt am meisten, kostet aber auch am meisten und ist am aufwendigsten (Gerüst, 2 bis 4 Wochen Bauzeit). Sinnvoll, wenn die Fassade sowieso neu gestrichen oder verputzt werden muss. Dann teilen sich die Gerüstkosten auf Dämmung und Anstrich auf.
Für die WP-Entscheidung: Die Fassadendämmung ist nice to have, aber kein Muss. Die WP funktioniert auch ohne, solange Dach und Kellerdecke gedämmt sind und die kritischen Heizkörper getauscht sind.
Was wirklich nötig ist
Für eine WP mit JAZ 3,0 bis 3,5 im teilsanierten Altbau reicht meistens: Dachdämmung (oder oberste Geschossdecke) plus Kellerdecke plus 2 bis 3 Heizkörper tauschen. Gesamtkosten: 8.000 bis 22.000 Euro, teilweise förderfähig über BEG-Einzelmaßnahmen oder den iSFP.
Für eine JAZ von 3,5 bis 4,0 zusätzlich: Neue Fenster. Gesamtkosten: 16.000 bis 37.000 Euro.
Für eine JAZ von 4,0 und besser: Zusätzlich Fassadendämmung. Gesamtkosten: 31.000 bis 67.000 Euro. Das ist die Komplettsanierung und bringt das Haus auf KfW-55-Niveau oder besser.
Förderung für Sanierung
BEG-Einzelmaßnahmen: 15 Prozent Zuschuss auf Dämmung, Fenster und Heizkörpertausch. Mit iSFP (individueller Sanierungsfahrplan): 20 Prozent. Förderhöchstgrenze: 30.000 Euro pro Wohneinheit (60.000 Euro mit iSFP).
Der iSFP kostet 500 bis 1.000 Euro (selbst 50 Prozent förderfähig) und gibt einen Fahrplan, welche Sanierungsmaßnahmen in welcher Reihenfolge am meisten bringen. Wer plant, schrittweise zu sanieren, sollte den iSFP machen lassen, bevor er anfängt.
Die pragmatische Reihenfolge
Erst: Heizlastberechnung. Sie zeigt, wo die Verluste am größten sind. Dann: Die günstigsten Maßnahmen zuerst (Kellerdecke, Dach, Heizkörper). Dann: WP einbauen. Dann: Über die Jahre Fenster und Fassade nachholen, wenn das Budget es hergibt. Bei jeder Sanierungsmaßnahme die Heizkurve der WP anpassen (absenken), weil die Heizlast gesunken ist.







