Insolvenzen auf höchstem Mai-Wert seit 2013
Die wirtschaftliche Lage in Deutschland spitzt sich weiter zu. Im Mai 2025 haben die Unternehmensinsolvenzen einen Höchststand seit zwölf Jahren erreicht. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes meldeten die Amtsgerichte 2.036 beantragte Firmenpleiten – ein Anstieg von 5,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Gläubigerforderungen summierten sich dabei auf rund 3,2 Milliarden Euro. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) warnt eindringlich vor den Folgen dieser Entwicklung für Wertschöpfung, Innovationskraft und Unternehmergeist.
Wachsende Insolvenz-Welle zeigt anhaltende Krise
„Die Wirtschaftskrise dauert an – und deshalb wächst die Welle der Unternehmensinsolvenzen weiter“, erklärte DIHK-Konjunkturexperte Jupp Zenzen. Dass bereits im Mai ein Zwölf-Jahres-Rekord erreicht wurde, verdeutliche den Ernst der Lage. Für die Politik sei dies ein unübersehbares Alarmsignal, jetzt entschlossen zu handeln. „Die dringend benötigten Reformen dürfen nicht länger aufgeschoben werden“, betonte Zenzen.
Kleine und mittlere Betriebe besonders unter Druck
Besonders betroffen sind kleine und mittlere Unternehmen, die oft nur begrenzte finanzielle Reserven haben. Nach zwei Jahren Rezession ist ihre Liquidität vielfach erschöpft. Jede weitere Insolvenz bedeutet nicht nur den Verlust von Arbeitsplätzen, sondern auch den Verlust wertvoller Innovationen und unternehmerischer Initiative. „Tag für Tag verlieren wir Wertschöpfung, Innovationsimpulse und Unternehmergeist – das schwächt das Fundament unseres Wohlstands“, so Zenzen.
Reformbedarf: Bürokratieabbau, Fachkräfte, Kostensenkung
Der DIHK fordert eine umfassende Entlastung der Wirtschaft. Zentral sind dabei drei Handlungsfelder: weniger Bürokratie, mehr Fachkräfte, geringere Kosten. Vor allem überbordende Regelungen und komplizierte Verfahren hemmen Betriebe und verschlingen Ressourcen, die in Innovation und Wachstum investiert werden müssten. Gleichzeitig verschärft der Fachkräftemangel die Lage vieler Unternehmen, die ihre Aufträge nicht mehr vollständig abarbeiten können.
Energiepreise als massiver Standortnachteil
Ein besonderer Belastungsfaktor sind die hohen Energiepreise in Deutschland. Sie zählen im internationalen Vergleich zu den teuersten und mindern die Wettbewerbsfähigkeit massiv. Laut dem aktuellen DIHK-Energiewendebarometer schränkt inzwischen mehr als jedes zweite größere Industrieunternehmen seine Produktion im Inland aufgrund der hohen Energiekosten ein oder plant entsprechende Schritte. Diese Entwicklung hat auch gravierende Folgen für unternehmensnahe Dienstleister, deren Auftragslage bereits deutlich rückläufig ist.
Politik muss rasch handeln
Angesichts der alarmierenden Zahlen richtet der DIHK einen klaren Appell an die Bundesregierung: „Die Insolvenzwelle ist ein deutliches Signal. Ohne schnelle und wirksame Reformen drohen Deutschland weitere Verluste an Substanz und Wettbewerbsfähigkeit“, warnte Zenzen. Um die Krise einzudämmen und den Standort zu sichern, seien entschlossene Schritte erforderlich – vom Bürokratieabbau über gezielte Fachkräftepolitik bis hin zu einer nachhaltigen Senkung der Energiekosten. Nur so könne die Insolvenzkurve wieder gebrochen und neues Vertrauen in den Wirtschaftsstandort geschaffen werden.








