Das Hausdach ist voll, verschattet oder hat die falsche Ausrichtung. Aber der Carport steht frei, Südseite, kein Baum weit und breit. Warum nicht dort Module drauf? PV auf Carports und Garagen ist eine wachsende Nische, die für manche Hausbesitzer die bessere Lösung ist als das Hauptdach. Allerdings mit eigenen Regeln bei Statik, Genehmigung und Kosten.
Solar-Carport: Stromerzeugung und Autounterstand in einem
Ein Solar-Carport ist eine Überdachung für den Stellplatz, bei der die Solarmodule das Dach bilden. Die Module werden auf einer Metallkonstruktion (Aluminium oder Stahl) montiert, die als Carport-Rahmen dient. Darunter steht das Auto, darüber erzeugt die Sonne Strom.
Ein typischer Einzel-Carport mit den Maßen 3 mal 5 Meter bietet Platz für 6 bis 8 Module, also 2,6 bis 3,5 kWp. Ein Doppel-Carport (6 mal 5 Meter) fasst 12 bis 16 Module, also 5,3 bis 7 kWp. Die Module werden leicht geneigt montiert (5 bis 15 Grad), damit Regenwasser abfließt und die Erzeugung halbwegs optimal ist.
Die Kosten für einen Solar-Carport setzen sich zusammen aus der Tragkonstruktion (2.000 bis 5.000 Euro für einen Einzelcarport, 4.000 bis 8.000 für einen Doppelcarport), den PV-Modulen und dem Wechselrichter (gleicher Preis wie bei einer Dachanlage, 150 bis 200 Euro pro Modul im Paket) und der Elektroinstallation (Kabelweg vom Carport zum Haus, 300 bis 1.000 Euro je nach Entfernung).
Gesamtkosten Solar-Carport: 5.000 bis 12.000 Euro für 3 bis 7 kWp. Das ist pro kWp teurer als eine Dachanlage (weil die Tragkonstruktion dazukommt), aber man bekommt zwei Dinge in einem: Stellplatzüberdachung und Stromerzeugung.
Wer ohnehin einen Carport plant, addiert nur die PV-Kosten (Module, Wechselrichter, Elektrik) auf die Konstruktionskosten. Ein normaler Carport ohne PV kostet 2.000 bis 5.000 Euro, die PV obendrauf nochmal 3.000 bis 6.000 Euro. Die Gesamtinvestition von 5.000 bis 11.000 Euro amortisiert sich durch die Stromerzeugung in 7 bis 12 Jahren, und danach hat man einen Carport, der Geld verdient.
PV auf der bestehenden Garage
Wer bereits eine Garage hat, kann Module auf das Garagendach montieren, genauso wie auf das Hausdach. Bei einem Flachdach (Fertiggarage, Betongarage) braucht man eine Aufständerung. Bei einem Schrägdach wird wie auf dem Hausdach mit Dachhaken und Schienen montiert.
Die Dachfläche einer Einzelgarage (3 mal 6 Meter) bietet Platz für 4 bis 6 Module (1,8 bis 2,6 kWp). Eine Doppelgarage (6 mal 6 Meter) für 8 bis 12 Module (3,5 bis 5,3 kWp). Nicht riesig, aber als Ergänzung zur Hausdachanlage oder als eigenständige kleine Anlage durchaus sinnvoll.
Statik prüfen. Das ist bei Garagen kritischer als beim Wohnhaus. Fertiggaragen aus Beton haben eine definierte Tragfähigkeit, die im Datenblatt steht. Wenn dort „Schneelast 75 kg/m²“ steht und die PV-Anlage 15 kg/m² wiegt, passt es. Bei leichten Garagen aus Holz oder Blech ist die Tragfähigkeit geringer, und eine Statikprüfung (200 bis 400 Euro) ist ratsam.
Kabelführung. Der Strom muss vom Garagendach zum Hausnetz. Das Kabel kann unterirdisch (Erdkabel, aufwendiger aber sauberer) oder oberirdisch (an der Wand entlang, einfacher aber sichtbar) verlegt werden. Die Entfernung bestimmt die Kosten: 10 Meter Erdkabel kosten 200 bis 500 Euro inklusive Verlegung, 20 Meter 400 bis 800 Euro.
Der Wechselrichter kann in der Garage hängen (kurzer DC-Kabelweg) oder im Haus (kurzer AC-Kabelweg zum Zählerkasten). Wo er besser aufgehoben ist, hängt von der Garage ab: In einer unbeheizten Blechgarage, die im Sommer 50 Grad heiß wird, ist er falsch. In einer isolierten Massivgarage passt es.
Genehmigung: Braucht man eine Baugenehmigung?
Für PV-Module auf einem bestehenden Gebäude (Garage, Carport) in der Regel nicht. Solange die Module auf der vorhandenen Dachfläche montiert werden und das Gebäude nicht verändert wird, ist keine Baugenehmigung nötig.
Für einen neuen Solar-Carport kann eine Baugenehmigung erforderlich sein, je nach Bundesland und Gemeinde. Carports gelten als Nebengebäude, und für Nebengebäude gibt es Freigrenzen (meistens 30 bis 50 Quadratmeter Grundfläche genehmigungsfrei, darüber genehmigungspflichtig). Die Regeln variieren je nach Bundesland und Bebauungsplan. Vor dem Bau beim Bauamt nachfragen.
In Gebieten mit Bebauungsplan können Gestaltungsvorschriften gelten (Dachform, Materialien, Höhe). Ein Solar-Carport mit Glasmodulen als Dach sieht anders aus als der im Bebauungsplan vorgesehene Holzcarport mit Ziegeldach. Im Zweifel eine Bauvoranfrage stellen.
Kombination mit Wallbox: Der logische Schritt
PV auf dem Carport plus Wallbox unter dem Carport: Der Strom wird erzeugt, wo das Auto steht. Kurze Kabelwege, einfache Installation, und das E-Auto lädt direkt mit Solarstrom.
Wer einen Solar-Carport mit Wallbox plant, sollte die Elektroinstallation gleich mit einplanen. Ein 11-kW-Wallbox-Anschluss erfordert ein dreiphasiges Kabel vom Zählerkasten zum Carport. Das kann im selben Graben liegen wie das PV-Kabel (wenn unterirdisch) oder auf derselben Kabeltrasse (wenn oberirdisch).
Die Kombination macht besonders viel Sinn bei PV-Überschussladen: Der Carport erzeugt 3 bis 7 kWp, davon 1,5 bis 4 kW Überschuss an sonnigen Tagen, der direkt in die Wallbox fließt. An einem guten Sommertag kann der Carport das Auto mit 15 bis 30 kWh laden, genug für 75 bis 150 Kilometer Fahrt. Kostenlos.
Bifaziale Module auf dem Carport
Solar-Carports mit bifazialen Modulen (Glas-Glas, transparent auf der Rückseite) haben einen Doppelnutzen: Die Vorderseite erzeugt Strom aus der direkten Sonne. Die Rückseite nutzt das Licht, das vom Boden (heller Beton, Pflaster) reflektiert wird. Der Abstand zum Boden (typisch 2 bis 2,5 Meter) ist ideal für bifaziale Nutzung, weil ein großer Bereich der Bodenfläche zur Reflexion beiträgt.
Auf einem Carport mit hellem Untergrund sind 8 bis 15 Prozent Mehrertrag durch Bifazialität realistisch. Das macht die ohnehin schon sinnvolle Carport-PV noch wirtschaftlicher.
Ein weiterer Vorteil transparenter bifazialer Module: Sie lassen diffuses Licht durch, sodass es unter dem Carport nicht stockdunkel ist. Man braucht weniger künstliche Beleuchtung, und das Auto steht bei Regen im Halbschatten statt in kompletter Dunkelheit.
Für wen sich Carport- und Garagen-PV lohnt
Wenn das Hausdach nicht optimal ist. Norddach, starke Verschattung, Denkmalschutz, zu kleine Fläche: Der Carport oder die Garage bieten eine Alternative, die oft besser ausgerichtet ist als das Hauptdach.
Wenn das Hausdach voll ist. Wer bereits 10 kWp auf dem Hausdach hat und mehr will (Wärmepumpe, E-Auto), kann den Carport als Erweiterungsfläche nutzen. Bis 30 kWp Gesamtleistung bleibt man in der steuerfreien Zone.
Wenn ein Carport ohnehin geplant ist. Die Mehrkosten für PV gegenüber einem normalen Carport betragen 3.000 bis 6.000 Euro und amortisieren sich in 7 bis 12 Jahren. Danach erzeugt der Carport 10 bis 15 Jahre lang Strom zum Nulltarif.
Wenn man ein E-Auto hat. Carport-PV plus Wallbox ist die eleganteste Lösung fürs Laden mit Solarstrom: Kurze Wege, direkter Überschuss ins Auto, und das Auto steht geschützt.
Was zu beachten ist
Windlast. Ein Carport ist offener als ein Hausdach und damit stärkeren Windkräften ausgesetzt. Die Tragkonstruktion muss die Windlast der Module berücksichtigen, nicht nur ihr Gewicht. Bei der Planung auf ausreichende Dimensionierung der Pfosten und Querträger achten.
Schneeräumung. Bei flach geneigten Carportdächern (5 bis 10 Grad) bleibt Schnee liegen und muss gegebenenfalls geräumt werden, damit das Gewicht die Konstruktion nicht überbelastet. Module mit höherer Neigung (15 Grad) lassen Schnee leichter abrutschen, brauchen aber eine steilere Konstruktion.
Wasserabführung. Regen muss vom Carportdach ablaufen, ohne auf die Module zu tropfen und Verschmutzungen zu verursachen. Eine Regenrinne am unteren Rand der Module sorgt für kontrollierte Entwässerung.
Versicherung. Carport-PV muss in der PV-Versicherung eingeschlossen sein. Bei manchen Policen sind nur Dach-PV-Anlagen auf Wohngebäuden abgedeckt. Nachfragen, ob der Carport als Nebengebäude mitversichert ist.







