Zu klein geplant, und in drei Jahren, wenn die Wärmepumpe dazukommt, reicht der Strom nicht. Zu groß geplant, und der Überschuss fließt für 7,78 Cent ins Netz statt den eigenen Verbrauch zu decken. Die Dimensionierung einer PV-Anlage ist der Punkt, an dem man die Weichen stellt. Wer hier richtig rechnet, bekommt eine Anlage, die zum Haus und zum Verbrauch passt und sich wirtschaftlich optimal amortisiert.
Schritt 1: Den eigenen Stromverbrauch kennen
Die Grundlage jeder Dimensionierung ist der jährliche Stromverbrauch. Den findet man auf der letzten Stromabrechnung oder im Online-Portal des Energieversorgers.
Typische Werte für Deutschland: Ein-Personen-Haushalt: 1.500 bis 2.000 kWh. Zwei Personen: 2.500 bis 3.500 kWh. Drei bis vier Personen: 3.500 bis 5.000 kWh. Fünf und mehr: 5.000 bis 6.500 kWh.
Diese Werte sind Durchschnitte und können je nach Lebensgewohnheiten erheblich abweichen. Wer einen alten Durchlauferhitzer hat, eine elektrische Fußbodenheizung betreibt oder regelmäßig den Wäschetrockner laufen lässt, liegt darüber. Wer sparsam lebt und Gasheizung hat, darunter.
Wichtig: Nicht nur den heutigen Verbrauch betrachten. Wenn in den nächsten Jahren eine Wärmepumpe geplant ist (plus 3.000 bis 6.000 kWh), ein E-Auto kommen soll (plus 2.500 bis 3.000 kWh bei 15.000 km/Jahr) oder eine Klimaanlage, dann muss das in die Dimensionierung einfließen. Die Mehrkosten für ein paar zusätzliche Module sind gering, der Ärger über eine zu kleine Anlage groß.
Schritt 2: Die verfügbare Dachfläche prüfen
Pro kWp Anlagenleistung braucht man etwa 5 bis 7 Quadratmeter Dachfläche. Bei aktuellen Modulen mit 440 Wp und einer Fläche von rund 2 Quadratmeter pro Modul sieht die Rechnung so aus: 10 kWp brauchen 23 Module, also 46 Quadratmeter reine Modulfläche. Dazu kommen Abstände zum Dachrand (30 bis 50 cm), Platz um Gauben und Kamine und gegebenenfalls Durchgänge für die Wartung. Real braucht man 50 bis 70 Quadratmeter Dachfläche für 10 kWp.
Bei einem Flachdach kommt der Reihenabstand für die Aufständerung dazu. Damit sich die Modulreihen nicht gegenseitig verschatten, braucht man zwischen den Reihen Platz, der je nach Neigungswinkel und Breitengrad variiert. Faustformel: Die doppelte Modulhöhe als Reihenabstand. Eine 10-kWp-Anlage auf einem Flachdach braucht deshalb 80 bis 100 Quadratmeter.
Wer die Dachfläche nicht genau kennt, kann sie grob über Google Maps oder das Solarpotenzialkataster der eigenen Kommune abschätzen. Genauer wird es bei der Vor-Ort-Begehung durch den Solarteur, der das Dach vermisst und die Modulfläche exakt plant.
Schritt 3: Den Ertrag berechnen
Pro kWp installierter Leistung erzeugt eine Anlage in Deutschland 900 bis 1.100 kWh pro Jahr. Der genaue Wert hängt vom Standort ab. In München oder Freiburg, wo die Globalstrahlung bei bis zu 1.300 kWh pro Quadratmeter liegt, erreicht man 1.000 bis 1.100 kWh pro kWp. In Hamburg oder Kiel mit 950 bis 1.000 kWh Globalstrahlung sind es 900 bis 950 kWh pro kWp.
Die Dachausrichtung beeinflusst den Ertrag ebenfalls. Süden ist optimal. Südwest oder Südost kostet 5 bis 10 Prozent. Reines Ost-West bringt noch 80 bis 90 Prozent des Südertrags. Nordausrichtung ist problematisch und lohnt sich in der Regel nicht, außer bei flach geneigten Dächern unter 15 Grad.
Der Neigungswinkel: 30 bis 38 Grad ist in Deutschland optimal. Abweichungen von 10 Grad in beide Richtungen kosten nur 1 bis 2 Prozent Ertrag. Bei Flachdächern mit Aufständerung wählt man den optimalen Winkel frei.
Für eine präzise Ertragsprognose gibt es zwei kostenlose Tools: PVGIS von der EU-Kommission (pvgis.eu) berechnet den erwarteten Ertrag für jeden Standort in Europa, basierend auf Satellitendaten. Der HTW Berlin Unabhängigkeitsrechner zeigt zusätzlich den Eigenverbrauch und Autarkiegrad für verschiedene Anlagen- und Speichergrößen.
Schritt 4: Eigenverbrauch und Speicher einplanen
Die Dimensionierung sollte nicht nur den Ertrag maximieren, sondern auch den Eigenverbrauch optimieren. Denn jede kWh, die man selbst verbraucht, ist 30 Cent mehr wert als eine eingespeiste kWh.
Ohne Speicher verbraucht ein typischer Haushalt etwa 30 Prozent des Solarstroms selbst. Bei einer 10-kWp-Anlage sind das 3.000 kWh. Die restlichen 7.000 kWh gehen für 7,78 Cent ins Netz.
Mit einem 10-kWh-Speicher steigt der Eigenverbrauch auf 60 bis 70 Prozent. Die Faustformel für die Speichergröße: 1,0 bis 1,5 kWh pro kWp Anlagenleistung. Eine 10-kWp-Anlage bekommt also einen 10- bis 15-kWh-Speicher.
Eine alternative Faustregel basiert auf dem Verbrauch: etwa 60 Prozent des durchschnittlichen Tagesstrombedarfs als Speicherkapazität. Ein Haushalt mit 4.500 kWh Jahresverbrauch hat einen Tagesbedarf von 12,3 kWh. 60 Prozent davon sind 7,4 kWh, also passt ein 8- bis 10-kWh-Speicher.
Die Faustregeln für verschiedene Szenarien
Reiner Haushaltsstrom, kein Speicher: Die Anlagengröße sollte den Jahresverbrauch decken. Bei 4.500 kWh Verbrauch und 1.000 kWh Ertrag pro kWp ergibt das 4,5 kWp. In der Praxis installiert man etwas mehr (6 bis 8 kWp), weil der Eigenverbrauchsanteil bei kleinen Anlagen höher ist und weil die Mehrkosten pro Modul gering sind.
Haushaltsstrom mit Speicher: 8 bis 10 kWp, Speicher 8 bis 12 kWh. Deckt 60 bis 70 Prozent des Verbrauchs solar ab.
Haushaltsstrom plus Wärmepumpe: 10 bis 14 kWp. Die Wärmepumpe verbraucht 3.000 bis 6.000 kWh zusätzlich, der Großteil davon im Winter, wenn die PV-Anlage wenig liefert. Trotzdem senkt eine größere Anlage den Netzstrombezug im Frühjahr, Herbst und an sonnigen Wintertagen.
Haushaltsstrom plus Wärmepumpe plus E-Auto: 12 bis 15 kWp oder mehr. Das E-Auto zieht nochmal 2.500 bis 3.000 kWh pro Jahr. Hier gilt die Faustregel vieler Installateure: So viel aufs Dach, wie draufpasst. Jedes zusätzliche Modul kostet 150 bis 200 Euro im Gesamtpaket und bringt mindestens die Einspeisevergütung, im besten Fall 30 Cent pro selbst verbrauchter kWh.
Warum „zu groß“ besser ist als „zu klein“
Die Mehrkosten für zusätzliche Module sind bei einer ohnehin geplanten Installation marginal. Die Fixkosten (Gerüst, Elektrik, Anfahrt, Anmeldung) sind bei 8 kWp dieselben wie bei 12 kWp. Der Unterschied liegt nur in den zusätzlichen Modulen und Schienen, und ein Modul kostet im Paket 150 bis 200 Euro.
Nachrüsten ist dagegen teuer. Neue Module an eine bestehende Anlage anbauen bedeutet: neues Gerüst, neuen Elektriker-Termin, eventuell einen neuen Wechselrichter oder einen Optimizer-Umbau. Die Kosten pro kWp sind bei einer Nachrüstung doppelt so hoch wie bei der Erstinstallation.
Deshalb die Empfehlung: Lieber etwas größer dimensionieren und den Überschuss einspeisen als in zwei Jahren nachrüsten müssen. Die 30-kWp-Grenze für die Steuerbefreiung lässt genug Spielraum, und die allermeisten Einfamilienhäuser liegen mit 10 bis 15 kWp weit darunter.
Was der Solarteur machen sollte
Ein guter Solarteur legt dem Angebot eine Simulation bei, die verschiedene Anlagengrößen durchspielt und für jede Variante Ertrag, Eigenverbrauch, Autarkie und Amortisation zeigt. Tools wie PV*SOL oder Polysun berechnen das auf Basis der realen Dachgegebenheiten, inklusive Verschattung, Modulanordnung und Verbrauchsprofil.
Wenn die Simulation fehlt oder nur eine einzige Anlagengröße angeboten wird, nachfragen. Die optimale Größe ist keine Standardantwort, sondern eine individuelle Berechnung, die vom Dach, vom Verbrauch und von den zukünftigen Plänen abhängt. Und genau dafür bezahlt man den Solarteur: nicht nur für die Montage, sondern auch für die richtige Planung.







