Die Kombination aus PV-Anlage und Wärmepumpe ist 2026 das Standardkonzept für Eigenheime, die von fossilen Brennstoffen weg wollen. Die Logik dahinter ist bestechend: Das Dach erzeugt Strom, die Wärmepumpe macht daraus Wärme. Im besten Fall heizt man mit Sonne statt mit Gas. Aber ganz so einfach ist die Rechnung nicht, weil Strom und Wärme unterschiedliche saisonale Profile haben, und weil die Dimensionierung der beiden Systeme aufeinander abgestimmt sein muss.
Warum PV und Wärmepumpe zusammengehören
Eine Wärmepumpe braucht Strom, um zu arbeiten. Je nach Gebäude und Wärmepumpensystem sind das 3.000 bis 6.000 kWh pro Jahr für ein Einfamilienhaus. Das ist ein erheblicher Verbraucher, und wer den Strom komplett vom Netz kauft, zahlt bei 38 Cent pro kWh zwischen 1.140 und 2.280 Euro jährlich allein für die Heizung.
Mit einer PV-Anlage fällt ein Teil dieses Stroms kostenlos vom Dach. Wie viel genau, hängt von der Jahreszeit ab. Im Sommer, wenn die Anlage am meisten liefert, braucht die Wärmepumpe am wenigsten (nur Warmwasser). Im Winter, wenn die Wärmepumpe auf Hochtouren läuft, liefert die PV-Anlage am wenigsten (kurze Tage, flacher Sonnenstand, Bewölkung).
Über das Jahr gerechnet lassen sich 30 bis 50 Prozent des Wärmepumpenstroms direkt mit der eigenen PV-Anlage decken. Mit einem Speicher und intelligentem Energiemanagement steigt dieser Anteil auf 40 bis 60 Prozent. Die restlichen Prozent kommen weiterhin aus dem Netz.
Die Jahresersparnis gegenüber einer reinen Netzstrom-Wärmepumpe liegt bei 800 bis 1.500 Euro, abhängig von Anlagengröße, Gebäude und Heizbedarf. Gegenüber einer Gasheizung (die man mit der Wärmepumpe ersetzt) spart die Kombination PV plus Wärmepumpe laut Berechnungen rund 1.970 Euro pro Jahr.
Wie die Kopplung technisch funktioniert
Die Verbindung zwischen PV und Wärmepumpe läuft über das Energiemanagementsystem (HEMS) und die SG-Ready-Schnittstelle der Wärmepumpe.
SG Ready (Smart Grid Ready) ist ein Label, das fast alle aktuellen Wärmepumpen tragen. Es bedeutet, dass die Wärmepumpe über zwei Relaiskontakte (K1 und K2) externe Steuersignale empfangen kann. Vier Betriebszustände sind definiert:
Zustand 1 (K1 ein, K2 aus): EVU-Sperre. Die Wärmepumpe wird abgeschaltet, zum Beispiel bei Netzüberlastung.
Zustand 2 (K1 aus, K2 aus): Normalbetrieb. Die Wärmepumpe arbeitet nach eigenem Wärmebedarf.
Zustand 3 (K1 aus, K2 ein): Empfohlener Einschaltbetrieb. Es gibt PV-Überschuss, die Wärmepumpe soll den Pufferspeicher vorheizen. Sie muss aber nicht, wenn kein Wärmebedarf besteht.
Zustand 4 (K1 ein, K2 ein): Erzwungener Einschaltbetrieb. Viel PV-Überschuss, die Wärmepumpe soll mit voller Leistung laufen und den Pufferspeicher maximal aufheizen.
Das HEMS (zum Beispiel SMA Sunny Home Manager, E3/DC Energiemanager, oder ein offenes System wie Home Assistant) misst den aktuellen PV-Überschuss und schaltet die SG-Ready-Kontakte entsprechend. Scheint mittags die Sonne und der Speicher ist voll, bekommt die Wärmepumpe das Signal, den Pufferspeicher auf 55 bis 60 Grad vorzuheizen. Die gespeicherte Wärme reicht dann bis in den Abend, ohne dass die Wärmepumpe abends teuren Netzstrom ziehen muss.
Fortschrittlichere Systeme kommunizieren nicht über SG Ready, sondern über EEBus oder Modbus. Damit lässt sich die Wärmepumpe stufenlos regeln statt nur ein- und ausschalten. Der Vorteil: Feinere Steuerung, weniger Takten (häufiges Ein-Ausschalten, das die Wärmepumpe verschleißt), und bessere Anpassung an den tatsächlichen PV-Überschuss.
Hersteller, deren Wärmepumpen SG Ready unterstützen: Viessmann (Vitocal), Bosch (Compress), Vaillant (aroTHERM), Daikin (Altherma), Stiebel Eltron (WPL), Wolf (CHA), Buderus (Logatherm) und praktisch alle anderen großen Marken.
Die richtige Dimensionierung
Wer eine Wärmepumpe betreibt oder plant, braucht eine größere PV-Anlage als jemand, der nur den Haushaltsstrom decken will.
Faustformel: Den Bedarf für Haushaltsstrom (4.000 bis 5.000 kWh) plus den Bedarf der Wärmepumpe (3.000 bis 6.000 kWh) zusammenrechnen und durch den spezifischen Ertrag am Standort (900 bis 1.100 kWh pro kWp) teilen. Ergebnis: 7 bis 10 kWp Minimum, besser 10 bis 14 kWp. Wer noch ein E-Auto hat, liegt bei 12 bis 15 kWp oder mehr.
Eine 10-kWp-Anlage erzeugt 10.000 kWh pro Jahr. Bei einem Gesamtverbrauch von 8.000 kWh (4.500 Haushalt plus 3.500 Wärmepumpe) und 65 Prozent Eigenverbrauch (mit Speicher) werden 6.500 kWh selbst genutzt und 3.500 eingespeist. Die 6.500 kWh selbst genutzter Strom sparen 2.470 Euro Netzstrom, die 3.500 eingespeisten kWh bringen 272 Euro Einspeisevergütung.
Der Speicher sollte bei einer Wärmepumpen-Kombination etwas größer ausfallen: 10 bis 15 kWh statt 8 bis 10 kWh für einen reinen Haushalt. Die Wärmepumpe zieht Grundlast, und ein größerer Speicher überbrückt die Abendstunden besser.
Luft-Wasser vs. Sole-Wasser: Was besser zur PV passt
Luft-Wasser-Wärmepumpen (Außenluft als Wärmequelle) haben eine Jahresarbeitszahl (JAZ) von 3,0 bis 4,5. Sie sind günstiger in der Anschaffung (8.000 bis 18.000 Euro plus Installation) und einfacher zu installieren. Nachteil: Bei tiefen Außentemperaturen sinkt die Effizienz, und die Wärmepumpe braucht mehr Strom, genau dann, wenn die PV-Anlage wenig liefert.
Sole-Wasser-Wärmepumpen (Erdreich als Wärmequelle) erreichen höhere JAZ von 4,0 bis 5,0, weil die Erdtemperatur ganzjährig stabiler ist als die Lufttemperatur. Sie brauchen weniger Strom pro kWh Wärme, was den PV-Eigenverbrauchsanteil erhöht. Nachteil: Höhere Anschaffungskosten (12.000 bis 25.000 Euro plus Erdbohrung ab 8.000 Euro) und aufwendigere Installation.
Für die Kombination mit PV hat die Sole-Wasser-Wärmepumpe den leichten Vorteil, weil sie gleichmäßiger arbeitet und weniger Spitzenlasten erzeugt. In der Praxis wählen die meisten Eigenheimbesitzer trotzdem die Luft-Wasser-Variante, weil die Gesamtkosten deutlich niedriger sind und die BEG-Förderung (30 bis 70 Prozent Zuschuss) den Preisunterschied nicht immer ausgleicht.
Was die Kombination kostet und bringt
PV-Anlage 12 kWp mit 12-kWh-Speicher: 18.000 bis 26.000 Euro.
Luft-Wasser-Wärmepumpe inklusive Installation: 15.000 bis 30.000 Euro, davon 30 bis 70 Prozent BEG-Förderung.
Wallbox (optional): 1.600 bis 4.500 Euro.
HEMS: 300 bis 2.000 Euro.
Gesamtinvestition nach Förderung: 25.000 bis 50.000 Euro, je nach Förderhöhe und Komponentenwahl.
Jährliche Ersparnis gegenüber Gas plus Netzstrom: 2.500 bis 4.500 Euro.
Amortisation: 8 bis 15 Jahre, bei einer Lebensdauer der PV-Anlage von 25 bis 30 Jahren und der Wärmepumpe von 15 bis 20 Jahren.
Die Rechnung wird umso besser, je höher der Gaspreis steigt. Und die Wahrscheinlichkeit, dass fossile Brennstoffe in den nächsten 25 Jahren teurer werden, ist hoch, Stichwort CO2-Preis, der jährlich steigt.
Praxistipps für die Kombination
Den Pufferspeicher der Wärmepumpe als Wärmespeicher nutzen. Wenn die PV-Anlage mittags Überschuss hat, heizt die Wärmepumpe den Puffer auf 55 bis 60 Grad hoch. Die gespeicherte Wärme reicht dann für Stunden, ohne dass die Wärmepumpe abends Netzstrom zieht.
Vorlauftemperatur niedrig halten. Wärmepumpen arbeiten effizienter bei niedrigen Vorlauftemperaturen (30 bis 35 Grad bei Fußbodenheizung). Das erhöht die JAZ und senkt den Strombedarf. Heizkörper, die hohe Vorlauftemperaturen brauchen (50 bis 70 Grad), mindern die Effizienz erheblich.
HEMS mit Wetterprognose nutzen. Wenn morgen ein sonniger Tag wird, hält das System den Puffer nachts etwas kühler und heizt ihn tagsüber mit Solarstrom auf. Das spart Netzstrom in der Nacht und nutzt den kostenlosen Solarstrom besser aus.
Nicht die ganze Last auf die PV schieben. Im Winter liefert die PV-Anlage 10 bis 15 Prozent ihres Jahresertrags. Die Wärmepumpe braucht in dieser Zeit aber 60 bis 70 Prozent ihres Jahresstrombedarfs. Ein Netzanschluss ist auch mit der besten PV-Speicher-Kombination weiterhin nötig, und das ist völlig in Ordnung.







