Wer eine Solaranlage will, fängt nicht beim Kauf an, sondern bei der Planung. Und die beginnt auf dem Dach. Stimmt die Ausrichtung? Trägt die Konstruktion das Gewicht? Wirft der Schornstein einen Schatten auf die halbe Fläche? All das entscheidet darüber, ob sich eine Anlage lohnt, wie groß sie sein sollte und was sie am Ende kostet. Wer hier sorgfältig vorgeht, spart sich später teure Überraschungen.
Dachausrichtung: Süden ist ideal, aber nicht zwingend
Die meisten Leute denken, eine Solaranlage braucht ein Süddach. Stimmt auch, wenn man den maximalen Ertrag pro Modul herausholen will. Bei exakter Südausrichtung und einem Neigungswinkel von 30 bis 38 Grad holt man in Deutschland das Maximum raus.
Aber eine Abweichung von 20 Grad nach Südwest oder Südost kostet kaum Ertrag, vielleicht 5 Prozent. Selbst eine reine Ost-West-Ausrichtung bringt noch 80 bis 90 Prozent des Süd-Ertrags, und sie hat einen praktischen Vorteil: Die Anlage produziert morgens und abends mehr, also genau dann, wenn in vielen Haushalten der Verbrauch am höchsten ist. Für Eigenverbrauch kann ein Ost-West-Dach sogar die bessere Wahl sein als reiner Süden.
Was wirklich problematisch ist: reine Nordausrichtung. Da fehlt einfach zu viel Einstrahlung. Bei Nordost oder Nordwest wird es grenzwertig, je nach Neigungswinkel. Flach geneigte Norddächer unter 15 Grad können noch funktionieren, steilere eher nicht.
Verschattung: Der unterschätzte Ertragsvernichter
Verschattung ist der Faktor, den Laien am häufigsten unterschätzen. Ein einzelner Schornstein, ein hoher Baum, ein Nachbargebäude, das ab 15 Uhr Schatten wirft: All das senkt den Ertrag, und zwar nicht nur an der verschatteten Stelle. Bei Stringwechselrichtern zieht ein verschattetes Modul die Leistung des gesamten Strangs runter. Das kann 10 bis 25 Prozent Ertragsverlust bedeuten, obwohl nur ein kleiner Teil des Dachs betroffen ist.
Deshalb gehört eine Verschattungsanalyse in jede Planung. Seriöse Solarteure machen das bei der Vor-Ort-Begehung, entweder mit speziellen Messgeräten oder mit Drohnenaufnahmen und Simulationssoftware. Wer das selbst vorab einschätzen will, kann sich an einem sonnigen Tag aufs Dach stellen und schauen, wo zwischen 9 und 16 Uhr Schatten fallen. Oder man nutzt Tools wie PVGIS, den kostenlosen Ertragsrechner der EU, der die Einstrahlung für jeden Standort in Europa berechnet.
Wenn Verschattung unvermeidbar ist, helfen Mikrowechselrichter oder Leistungsoptimierer von Herstellern wie Enphase oder SolarEdge. Die lassen jedes Modul einzeln arbeiten, sodass ein verschattetes Modul die anderen nicht mehr bremst.
Wie groß sollte die Anlage sein?
Die Dimensionierung hängt von zwei Dingen ab: dem Stromverbrauch und der verfügbaren Dachfläche.
Ein typischer Vier-Personen-Haushalt in Deutschland verbraucht 4.000 bis 5.000 kWh Strom im Jahr. Eine Anlage mit 8 bis 10 kWp deckt diesen Bedarf rechnerisch ab, wobei ohne Speicher nur etwa 30 Prozent des erzeugten Stroms direkt im Haus verbraucht werden. Der Rest fließt ins Netz und wird mit der Einspeisevergütung entlohnt, aktuell 7,78 Cent pro kWh bei Teileinspeisung.
Pro kWp Anlagenleistung braucht man etwa 5 bis 7 Quadratmeter Dachfläche. Für eine 10-kWp-Anlage also 50 bis 70 Quadratmeter. Das passt auf die meisten Einfamilienhaus-Dächer, wenn nicht gerade Dachfenster, Gauben oder Kamine im Weg sind.
Die Tendenz geht seit ein paar Jahren klar Richtung größerer Anlagen. Wer eine Wärmepumpe hat oder plant, ein E-Auto laden will oder beides, sollte deutlich größer dimensionieren. Eine Wärmepumpe zieht je nach Gebäude 3.000 bis 6.000 kWh im Jahr, ein E-Auto bei 15.000 Kilometern nochmal rund 2.500 bis 3.000 kWh. Da kommt man schnell auf 12 bis 15 kWp oder mehr.
Die Faustregel vieler Installateure lautet inzwischen: So viel aufs Dach, wie draufpasst. Die Mehrkosten für zusätzliche Module sind gering, ein einzelnes Modul mit 440 Wp kostet im Gesamtpaket vielleicht 150 bis 200 Euro mehr, und der überschüssige Strom bringt zumindest die Einspeisevergütung. Wer sich heute für eine zu kleine Anlage entscheidet und in drei Jahren eine Wärmepumpe nachrüstet, ärgert sich. Nachrüsten ist immer teurer als gleich richtig dimensionieren.
Dachform und Montage
Nicht jedes Dach wird gleich bebaut. Auf einem Satteldach mit Ziegeldeckung ist die Montage am einfachsten und günstigsten. Dachhaken werden unter die Ziegel geschoben, Montageschienen drauf, Module rein, fertig. Die meisten Anlagen auf Einfamilienhäusern werden so installiert.
Flachdächer brauchen eine Aufständerung, damit die Module im optimalen Winkel stehen. Das kostet etwas mehr und nimmt mehr Platz weg, weil zwischen den Modulreihen Abstand sein muss, damit sie sich nicht gegenseitig verschatten. Dafür lässt sich die Ausrichtung frei wählen, was bei einem Flachdach ein Vorteil ist.
Walmdächer, Pultdächer und Mansarddächer lassen sich ebenfalls mit PV belegen, die Montage ist aber aufwendiger und es bleiben mehr Restflächen übrig. Sonderfälle wie Solar-Carports, Fassaden-PV oder Garten-Aufständerungen sind möglich, aber teurer und nicht bei jedem Solarteur im Programm.
Wer ein älteres Dach hat, sollte vor der PV-Installation die Statik prüfen lassen. Module wiegen 15 bis 25 Kilogramm pro Stück, dazu kommt die Unterkonstruktion. Bei einem Dach aus den 60er oder 70er Jahren kann die Tragfähigkeit zum Problem werden. Ein Statiker klärt das und kostet zwischen 200 und 500 Euro, Geld, das gut investiert ist.
Anmeldung und Bürokratie
Eine PV-Anlage auf dem Wohnhaus braucht in der Regel keine Baugenehmigung. Ausnahme: denkmalgeschützte Gebäude. Hier muss die Denkmalschutzbehörde zustimmen. Seit 2023 hat der Klimaschutz zwar grundsätzlich Vorrang, aber Einzelfallprüfungen gibt es weiterhin.
Was Pflicht ist: die Anmeldung im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur, innerhalb eines Monats nach Inbetriebnahme. Wer das vergisst, riskiert ein Bußgeld von bis zu 10 Euro pro kW installierter Leistung pro Monat. Außerdem muss die Anlage beim Netzbetreiber angemeldet werden, der dann den Zählertausch veranlasst. Seit dem Solarspitzengesetz müssen Anlagen ab 7 kW zudem ab Juni 2026 über ein Smart Meter fernsteuerbar sein.
In manchen Bundesländern kommt noch die Solarpflicht dazu. In Baden-Württemberg, NRW, Hamburg, Berlin, Bremen und Niedersachsen gelten bereits Pflichten bei Neubau oder Dachsanierung, mit unterschiedlichen Regeln zur Mindestfläche. In NRW etwa greift die Pflicht seit 2026 auch bei Dacherneuerungen ab 50 Quadratmeter.
Klingt nach viel Papierkram, ist in der Praxis aber überschaubar. Die meisten Solarteure übernehmen die Anmeldungen als Teil des Auftrags.
Solarteur finden: Worauf es ankommt
Den richtigen Installateur zu finden ist einer der wichtigsten Schritte. Holt euch mindestens drei Angebote ein, besser vier. Die Preisunterschiede können bei gleicher Anlagengröße 20 bis 30 Prozent betragen.
Ein seriöser Solarteur macht immer einen Vor-Ort-Termin. Wer euch ein Angebot schickt, ohne auf dem Dach gewesen zu sein, sollte euch misstrauisch machen. Bei der Begehung wird die Dachfläche vermessen, die Verschattung geprüft, der Zählerkasten begutachtet und der Kabelweg vom Dach zum Wechselrichter geplant.
Das Angebot selbst sollte detailliert aufschlüsseln: Modultyp und Hersteller, Wechselrichter-Modell, Speicher (falls gewünscht), Montagesystem, Elektroinstallation und alle Nebenkosten. Wenn da nur „Komplettanlage 10 kWp, pauschal 14.000 Euro“ steht, fehlt die Transparenz.
Online-Vergleichsportale wie DAA, Selfmade Energy oder Check24 helfen, schnell mehrere Angebote zu bekommen. Fragt aber auch bei regionalen Handwerksbetrieben an. Die kennen die lokalen Netzbetreiber, die örtlichen Bauvorschriften und sind im Garantiefall schneller vor Ort als ein überregionaler Anbieter.
Ertragsprognose: Was die Anlage wirklich bringt
Bevor ihr unterschreibt, solltet ihr eine realistische Ertragsprognose haben. Pro kWp Anlagenleistung sind in Deutschland 900 bis 1.100 kWh pro Jahr realistisch, je nach Standort, Ausrichtung und Verschattung.
Tools wie PV*SOL (professionelle Simulationssoftware) oder der HTW Berlin Unabhängigkeitsrechner liefern gute Schätzwerte. PVGIS von der EU-Kommission ist kostenlos und zeigt für jeden Standort in Europa die zu erwartende Einstrahlung und den Ertrag.
Gute Solarteure legen dem Angebot eine Ertragssimulation bei, die auf den konkreten Dachgegebenheiten basiert. Wenn diese Simulation fehlt oder nur eine pauschale Zahl genannt wird, fragt nach. Die Prognose ist die Grundlage für jede Wirtschaftlichkeitsrechnung und damit für eure Kaufentscheidung.
Nicht hetzen lassen
Die Planung einer PV-Anlage braucht Zeit. Von der ersten Anfrage bis zur fertigen Installation vergehen typischerweise zwei bis vier Monate, manchmal länger, je nach Auslastung der Betriebe in eurer Region. Nehmt euch die Zeit, Angebote zu vergleichen, Fragen zu stellen und die Anlage auf euren tatsächlichen Bedarf zuzuschneiden. Wer sich unter Zeitdruck setzen lässt, zahlt am Ende oft mehr für eine Anlage, die nicht optimal passt. Und das muss nicht sein.







