Wirtschaft lobt soziale Stärke, mahnt aber Verbesserungen bei Energie, Genehmigungen und Fachkräften an
Oschatz bleibt ein lebenswerter und attraktiver Wirtschaftsstandort – trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen. Das zeigen die aktuellen Ergebnisse der Standortzufriedenheitsbefragung 2025 der Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Handwerkskammer (HWK) zu Leipzig, die am Montag im Oschatzer Rathaus vorgestellt wurden. Oberbürgermeister David Schmidt nahm die Ergebnisse von Dr. Gert Ziener (IHK Leipzig) und Christian Likos (HWK Leipzig) entgegen. Bereits zum vierten Mal nach 2009, 2014 und 2019 wurde die Erhebung in der Stadt durchgeführt – und sie zeichnet ein differenziertes Bild zwischen hoher Lebensqualität und wirtschaftlichen Herausforderungen.
Gesamtbewertung bleibt solide – wirtschaftliche Lage drückt Stimmung
Die Oschatzer Unternehmen bewerten ihren Standort insgesamt mit der Note „befriedigend“ (3,6). Damit liegt das Ergebnis etwas unter dem Wert von 2019 (3,1). Angesichts der aktuellen gesamtwirtschaftlichen Unsicherheiten, gestiegener Energiepreise und der schwachen Konjunktur sei dies laut den Kammern dennoch ein solides Ergebnis.
„Die schlechten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in ganz Deutschland werfen weite Schatten – auch auf unsere Region“, erklärte Dr. Ziener. „In konjunkturell schwächeren Zeiten werden Standortfaktoren häufig strenger bewertet. Trotzdem zeigt sich: Oschatz bleibt ein Ort, an dem Unternehmen gute Grundlagen finden.“
Lebensqualität überzeugt – soziale Infrastruktur bleibt Stärke
Besonders positiv bewerten die Unternehmen jene Faktoren, die direkt mit Lebensqualität und Familienfreundlichkeit zu tun haben. Lob gibt es für die Angebote zur Kinderbetreuung, die Freizeit-, Kultur- und Sportmöglichkeiten sowie die hohe Umweltqualität. Auch die Versorgungssicherheit mit Strom, die Fernwärmeversorgung und die Wohnqualität wurden sehr gut bewertet.
„Oschatz punktet als Stadt mit Herz“, betonte Christian Likos von der HWK Leipzig. „Die gute soziale Infrastruktur schafft ein Umfeld, in dem sich Familien und Fachkräfte wohlfühlen. Das ist ein entscheidender Standortvorteil im Wettbewerb um Talente.“ Ebenso positiv: Die Stadt verfügt über ausreichend Wohnraum und eine solide Parkplatzsituation, was besonders von kleinen und mittleren Betrieben geschätzt wird.
Fachkräfte, Energiepreise und Bürokratie bleiben Sorgenfaktoren
In mehreren wirtschaftsrelevanten Bereichen sehen die Unternehmen jedoch erheblichen Handlungsbedarf. Besonders negativ bewerten sie die Verfügbarkeit von Facharbeitern und Hochschulabsolventen, die Höhe der Energiepreise sowie die kommunale Wirtschaftsförderung. Auch die Bearbeitungsdauer von Anträgen und Genehmigungen sorgt für Unzufriedenheit.
„Hier spiegelt sich ein bundesweites Problem wider“, erklärte Ziener. „Unternehmen brauchen Planungssicherheit, schnelle Verfahren und bezahlbare Energie – sonst bleibt das Investitionsklima schwach.“ Hinzu kommen Sorgen um steigende Gewerbesteuern und zu geringe Kaufkraft vor Ort, die ebenfalls häufig als Belastung genannt wurden.
Digitale Infrastruktur: Fortschritte sichtbar, Potenzial bleibt groß
Ein Hoffnungsschimmer zeigt sich bei der digitalen Infrastruktur. Die Unternehmen attestieren Oschatz deutliche Fortschritte bei der Breitbandanbindung und der High-Speed-Internetverfügbarkeit – zwei Faktoren, die heute als Grundvoraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit gelten. Dennoch bleibt laut Umfrage eine Diskrepanz zwischen der hohen Relevanz digitaler Infrastruktur und der tatsächlichen Zufriedenheit bestehen.
„Die Digitalisierung ist eine Daueraufgabe“, so Likos. „Nur wenn Kommunen und Wirtschaft eng zusammenarbeiten, kann die digitale Lücke geschlossen werden. Das ist entscheidend, um Oschatz als modernen Wirtschaftsstandort weiterzuentwickeln.“
Kommunalpolitik in der Pflicht: Dialog und Investitionen gefordert
Für die Kammern ist klar: Die Stadtverwaltung, Landespolitik und Wirtschaft müssen künftig noch enger zusammenarbeiten. „Mit Blick auf die Gelder aus dem Sondervermögen Infrastruktur, die ab 2026 vom Bund erwartet werden, sollten Kommunen strategisch investieren“, sagte Dr. Ziener. „Es geht darum, Projekte umzusetzen, die echte Wertschöpfung ermöglichen.“
Oberbürgermeister David Schmidt kündigte an, genau diesen Weg zu gehen: „Auch wenn die wirtschaftliche Lage derzeit herausfordernd ist, sehe ich großes Potenzial in unserer Stadt. Wir wollen neue Chancen schaffen – etwa durch Neuansiedlungen und eine bessere Anbindung an Autobahn und Schiene.“ Mit der geplanten Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur und gezielter Unterstützung für Unternehmensnachfolger wolle Oschatz nachhaltige Perspektiven eröffnen.
Blick nach vorn: Zusammenarbeit als Schlüssel zum Erfolg
Insgesamt zeigt die Umfrage, dass Oschatz mit einer hohen Lebensqualität und einem positiven Stadtimage punkten kann – Faktoren, die den Wirtschaftsstandort langfristig stärken. Gleichzeitig wird deutlich, dass eine zukunftsfähige Entwicklung nur durch gemeinsames Handeln von Politik, Verwaltung und Wirtschaft möglich ist.
„Unser Ziel ist ein nachhaltiger Aufschwung, der unsere Region stärkt“, so Oberbürgermeister Schmidt. „Wir möchten nicht nur Bestehendes sichern, sondern neue Chancen eröffnen – für Betriebe, Beschäftigte und Familien.“











