Stromausfall, und das Licht bleibt an, weil der Speicher einspringt. Das ist das Versprechen. Die Realität ist etwas differenzierter: Nicht jeder Speicher kann Notstrom, nicht jeder Notstrom versorgt das ganze Haus, und im Winter, wenn es am meisten darauf ankäme, ist der Speicher möglicherweise leer. Trotzdem: Für die typischen Ausfälle von ein paar Stunden ist ein ersatzstromfähiger Speicher eine echte Absicherung. Hier steht, was geht, was nicht geht und was man braucht.
Was bei Stromausfall ohne Speicher passiert
Die PV-Anlage schaltet sich ab. Sofort, automatisch, ohne Ausnahme. Der Wechselrichter braucht das Netz als Referenz für Frequenz und Spannung. Fällt das Netz weg, trennt sich der Wechselrichter (Netz- und Anlagenschutz, vorgeschrieben nach VDE AR-N 4105). Das ist kein Defekt, sondern eine Sicherheitsfunktion: Wenn Techniker an der Leitung arbeiten, darf kein Solarstrom ins tote Netz fließen.
Das Ergebnis: An einem sonnigen Tag steht die PV-Anlage still, der Speicher entlädt nicht, und das Haus ist genauso dunkel wie beim Nachbarn ohne PV. Ärgerlich, aber systembedingt.
Notstrom: Die einfache Variante
Notstrom ist die Basisfunktion. Bei Stromausfall versorgt der Speicher eine oder mehrere ausgewählte Steckdosen. Typisch: eine einzelne Notstromsteckdose in der Nähe des Wechselrichters, an die man Kühlschrank, Licht oder ein Ladegerät anschließen kann.
Die Umschaltung passiert nicht automatisch. Man muss die Notstromfunktion manuell aktivieren, entweder über einen Schalter am Wechselrichter, über die App oder durch Umstecken der Geräte in die Notstromsteckdose. Das dauert eine bis fünf Minuten, in denen das Haus ohne Strom ist.
Die Leistung ist begrenzt: 1 bis 3 kW, je nach System. Das reicht für Kühlschrank (100 Watt), ein paar LED-Lampen (50 Watt) und ein Handy-Ladegerät (20 Watt), aber nicht für Herd, Waschmaschine oder Wasserkocher.
Die PV-Anlage bleibt bei einfachem Notstrom abgeschaltet. Nur der Speicher liefert Strom. Wenn der Speicher leer ist, geht das Licht wieder aus.
Die meisten Standard-Speichersysteme (BYD mit Fronius oder SMA, Huawei LUNA) bieten diese einfache Notstromfunktion serienmäßig oder gegen geringen Aufpreis.
Ersatzstrom: Die Vollversorgung
Ersatzstrom (auch Backup-Strom oder Inselbetrieb) geht einen Schritt weiter. Bei Stromausfall trennt sich das Haus automatisch vom öffentlichen Netz (über einen Netzumschalter), und der Speicher plus PV-Anlage übernehmen die Versorgung des gesamten Hausnetzes.
Die Umschaltung dauert wenige Sekunden (5 bis 20 Sekunden, je nach System). In dieser kurzen Zeit ist das Haus ohne Strom. Danach versorgt der Hybridwechselrichter das Hausnetz aus dem Speicher und, solange die Sonne scheint, aus der PV-Anlage. Die Module produzieren also weiter Strom und laden den Speicher nach, was die Überbrückungszeit deutlich verlängert.
Im Idealfall (sonniger Tag, gut geladener Speicher) kann ein ersatzstromfähiges System das Haus theoretisch unbegrenzt versorgen. In der Praxis hängt die Dauer vom Verbrauch und vom Wetter ab:
Sonniger Sommertag mit 10-kWp-Anlage und 10-kWh-Speicher: Tagsüber genug PV-Strom für Haus und Speicherladung. Nachts 10 kWh vom Speicher, reicht für 8 bis 15 Stunden Grundversorgung. Am nächsten Morgen lädt die PV den Speicher wieder. Theoretisch tagelang möglich.
Bewölkter Wintertag: PV liefert 2 bis 5 kWh. Speicher hat 10 kWh. Verbrauch mit Wärmepumpe: 25 bis 40 kWh pro Tag. Der Speicher ist nach 3 bis 5 Stunden leer, die PV kann ihn nicht nennenswert nachladen. Danach: kein Strom.
Was Ersatzstrom technisch erfordert
Einen Hybridwechselrichter mit Schwarzstartfähigkeit. Der Wechselrichter muss eigenständig ein stabiles 230-Volt-Netz mit 50 Hertz erzeugen können, ohne das öffentliche Netz als Referenz. Das können nicht alle Hybridwechselrichter. Geräte mit Ersatzstromfähigkeit: Fronius GEN24 Plus, SMA Sunny Tripower Smart Energy, E3/DC Hauskraftwerk, Kostal Plenticore Plus (mit Ersatzstrom-Option), Huawei SUN2000 (konfigurationsabhängig), Fox ESS H3 / PQ-H3-Ultra.
Einen kompatiblen Speicher. Der Speicher muss schnell genug reagieren, um den Haushalt zu versorgen, sobald der Wechselrichter das Inselnetz aufgebaut hat. LiFePO4-Speicher können das problemlos.
Einen Netzumschalter (automatische Netztrennung). Ein elektromechanischer Schalter, der das Haus vom öffentlichen Netz trennt, bevor der Wechselrichter das Inselnetz aufbaut. Das ist eine Sicherheitsvorschrift: Es darf nie gleichzeitig Netzstrom und Inselnetzstrom auf der Hausleitung liegen.
Aufpreis für Ersatzstrom: 500 bis 2.000 Euro gegenüber einem System ohne Ersatzstrom, hauptsächlich für den Netzumschalter und die Wechselrichter-Konfiguration.
Wie lange der Speicher im Notfall reicht
Ein 10-kWh-Speicher bei typischem Notverbrauch (Kühlschrank 100 W, Licht 100 W, Kommunikation 50 W, zusammen 250 W): 10.000 Wh geteilt durch 250 W gleich 40 Stunden. Fast zwei Tage Grundversorgung.
Derselbe Speicher bei normalem Haushaltsverbrauch (Kochen, Licht, Warmwasser: 1.000 bis 1.500 W Durchschnitt): 10.000 geteilt durch 1.250 gleich 8 Stunden.
Derselbe Speicher mit Wärmepumpe (Heizung 2.000 bis 4.000 W plus Haushalt): 10.000 geteilt durch 3.000 gleich 3,3 Stunden.
Die Lehre: Im Notfall den Verbrauch reduzieren. Wärmepumpe aus (Decken statt Heizung), Herd aus (kaltes Essen), nur das Nötigste einschalten. Dann reicht der Speicher deutlich länger.
Wenn die Sonne scheint, kommt tagsüber Nachschub von der PV-Anlage. Eine 10-kWp-Anlage liefert an einem durchschnittlichen Tag 20 bis 40 kWh, genug um den Speicher nachzuladen und gleichzeitig den Haushalt zu versorgen. Im Sommer ist ein mehrtägiger Stromausfall mit PV plus Speicher und Ersatzstrom gut überbrückbar. Im Winter nicht.
Für wen sich Ersatzstrom lohnt
Medizinische Geräte zu Hause. Wer auf Beatmungsgeräte, Sauerstoffkonzentratoren, Dialyse oder elektrische Rollstühle angewiesen ist, braucht eine zuverlässige Stromversorgung. Ersatzstrom ist hier keine Komfortfunktion, sondern lebenswichtig.
Häufige Stromausfälle. In manchen Regionen, besonders ländlich, kommen Ausfälle öfter vor als in der Stadt. Wer zwei- bis dreimal im Jahr für mehrere Stunden ohne Strom ist, profitiert spürbar von Ersatzstrom.
Sicherheitsbedürfnis. Wer sich generell für Krisenvorsorge interessiert und unabhängig von der Netzversorgung sein will, bekommt mit PV plus Speicher plus Ersatzstrom die beste verfügbare Lösung für ein Einfamilienhaus. Besser als jeder Dieselgenerator, leiser, sauberer und automatisch.
Für wen sich Ersatzstrom nicht lohnt
In Städten mit zuverlässiger Netzversorgung. Wer in den letzten 10 Jahren keinen einzigen Stromausfall hatte, braucht keine 2.000 Euro Aufpreis für eine Funktion, die nie zum Einsatz kommt.
Wer nur kurze Ausfälle überbrücken will. Ein Stromausfall von 30 Minuten (der häufigste Fall) lässt sich mit einer einfachen USV (unterbrechungsfreie Stromversorgung, 100 bis 300 Euro) für Computer und Router überbrücken. Dafür braucht man kein Ersatzstrom-fähiges Speichersystem.
Wer das Budget eng kalkuliert. 500 bis 2.000 Euro Aufpreis für eine Funktion, die man möglicherweise nie braucht, ist schwer zu rechtfertigen, wenn das Budget ohnehin knapp ist. Das Geld ist in einem größeren Speicher oder besseren Modulen besser investiert.
Ersatzstrom nachträglich aktivieren: Geht das?
Nur wenn der Hybridwechselrichter von Anfang an ersatzstromfähig ist. Bei manchen Modellen (Fronius GEN24 Plus, SMA STP Smart Energy) ist die Funktion in der Hardware vorhanden und kann per Software-Update oder Konfigurationsänderung aktiviert werden. Der Netzumschalter muss dann nachgerüstet werden (200 bis 500 Euro plus Elektriker).
Bei Wechselrichtern ohne Ersatzstrom-Hardware ist eine Nachrüstung nicht möglich. Man müsste den Wechselrichter tauschen, was wirtschaftlich selten Sinn ergibt, nur um Ersatzstrom zu bekommen.
Die Empfehlung: Wenn Ersatzstrom prinzipiell interessant ist, beim Kauf des Wechselrichters auf Ersatzstromfähigkeit achten. Der Aufpreis gegenüber einem Modell ohne diese Option ist gering (0 bis 500 Euro), und man hat die Möglichkeit, die Funktion später zu aktivieren.
Was Ersatzstrom nicht ist
Ersatzstrom ist keine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV). Die Umschaltung dauert 5 bis 20 Sekunden. In dieser Zeit ist das Haus stromlos. Empfindliche Geräte (Computer, NAS, Netzwerk-Router) fahren in diesen Sekunden herunter. Wer wirklich unterbrechungsfreie Versorgung braucht, kombiniert Ersatzstrom mit einer kleinen USV (100 bis 300 Euro), die die Sekunden zwischen Netzausfall und Ersatzstrom-Übernahme überbrückt.
Ersatzstrom ist keine Inselanlage. Das Haus bleibt am Netz angeschlossen und nutzt das Netz im Normalbetrieb. Nur bei Netzausfall schaltet es auf Inselbetrieb um. Sobald das Netz wiederkommt, schaltet das System automatisch zurück.
Und Ersatzstrom ist kein Garant für unbegrenzte Versorgung. Im Winter, wenn die PV wenig liefert und der Speicher schnell leer ist, endet die Versorgung nach wenigen Stunden. Für einen mehrtägigen Blackout im Januar reicht kein bezahlbarer Heimspeicher.







