Bei einer Gasheizung war die Nachtabsenkung Standard: Nachts 3 bis 4 Grad weniger, morgens wieder hochheizen. Bei einer Wärmepumpe ist das meistens kontraproduktiv, besonders mit Fußbodenheizung. Das morgendliche Aufheizen erzwingt eine hohe Vorlauftemperatur, die den COP in den Keller drückt. Durchgehend auf gleichem Niveau heizen ist in den meisten Fällen effizienter.
Warum Nachtabsenkung bei Gas funktionierte
Die Gasheizung hatte mit der Vorlauftemperatur kein Effizienz-Problem. Ob 45 oder 65 Grad, der Wirkungsgrad blieb bei 90 bis 95 Prozent. Das morgendliche Aufheizen von 17 auf 21 Grad kostete etwas mehr Gas, aber die eingesparten 8 Stunden mit niedrigerer Raumtemperatur sparten insgesamt 5 bis 10 Prozent Energie.
Bei einer Wärmepumpe ist die Vorlauftemperatur alles. Wenn morgens um 6 Uhr die Raumtemperatur von 18 auf 21 Grad hochgeheizt werden muss, braucht die WP eine deutlich höhere Vorlauftemperatur als im stationären Betrieb. Statt 35 Grad sind 45 oder sogar 50 Grad nötig, um den Estrich (bei FBH) oder die Heizkörper schnell genug aufzuheizen. Und 45 statt 35 Grad Vorlauf senkt den COP um 25 Prozent.
Fußbodenheizung: Absenkung meistens kontraproduktiv
Der Estrich einer Fußbodenheizung ist ein riesiger Wärmespeicher. 6 bis 8 Tonnen Beton oder Zement, die auf 25 bis 28 Grad Oberflächentemperatur gehalten werden. Wenn die WP nachts abgesenkt wird, kühlt der Estrich nur langsam ab: 0,5 bis 1 Grad pro Stunde. Nach 8 Stunden Absenkung ist die Raumtemperatur vielleicht von 21 auf 19 Grad gesunken.
Das Aufheizen dauert genauso lang: 2 bis 4 Stunden, bis die 21 Grad wieder erreicht sind. In dieser Zeit läuft die WP mit hoher Vorlauftemperatur und niedrigem COP. Die Energie, die man nachts gespart hat, wird morgens mit Verlust wieder reingeholt.
Studien und Praxismessungen zeigen: Bei Fußbodenheizung spart die Nachtabsenkung 0 bis 3 Prozent Energie. Der Effizienzverlust durch die höhere Vorlauftemperatur beim Aufheizen frisst die Ersparnis fast komplett auf. In manchen Fällen verbraucht die Absenkung sogar mehr als der Durchlaufbetrieb.
Heizkörper: Absenkung kann funktionieren
Bei Heizkörpern ist die Trägheit geringer. Heizkörper reagieren in 15 bis 30 Minuten, nicht in Stunden. Eine Nachtabsenkung um 2 bis 3 Grad (zum Beispiel von 21 auf 18 Grad) kann hier 5 bis 8 Prozent Energie sparen, ohne dass die WP morgens mit extrem hoher Vorlauftemperatur arbeiten muss.
Voraussetzung: Die Absenkung muss moderat sein (2 bis 3 Grad, nicht 5 bis 6 Grad). Und die Aufheizzeit muss eingeplant werden (30 bis 60 Minuten vor dem Aufstehen). Die WP sollte den Aufheizbedarf über eine höhere Steilheit der Heizkurve in der Aufheizphase abdecken, nicht über einen Heizstab.
Wann Absenkung trotzdem sinnvoll ist
In selten genutzten Räumen. Das Gästezimmer, das nur alle paar Wochen geheizt wird, kann auf 15 Grad gehalten und bei Bedarf aufgeheizt werden. Das spart Energie, ohne die Gesamt-Effizienz zu beeinflussen, weil es nur ein Raum von vielen ist.
Bei längerer Abwesenheit. Wer eine Woche im Urlaub ist, kann die Raumtemperatur auf 15 bis 16 Grad senken. Das spart deutlich Energie. Die Aufheizphase am Tag der Rückkehr kostet zwar mehr, aber die 7 Tage Absenkung sparen mehr, als die Aufheizung kostet.
In Kombination mit einem dynamischen Stromtarif. Wenn der Strom nachts besonders billig ist (zum Beispiel unter 10 Cent bei Windstrom), kann es sich lohnen, nachts aufzuheizen statt abzusenken. Die WP heizt den Estrich oder den Puffer bei billigem Strom auf, und die gespeicherte Wärme reicht bis zum Morgen. Das Gegenteil der klassischen Nachtabsenkung.
Die Empfehlung
Mit Fußbodenheizung: Keine Nachtabsenkung. Durchgehend auf Wunschtemperatur halten. Die Trägheit des Estrichs gleicht Schwankungen aus, und die WP läuft effizienter bei konstanter, niedriger Vorlauftemperatur.
Mit Heizkörpern: Moderate Absenkung (2 bis 3 Grad) kann sinnvoll sein. Ausprobieren und nach 2 bis 3 Wochen den Stromverbrauch vergleichen. Wenn der Verbrauch nicht sinkt, Absenkung abschalten.
Im Zweifelsfall: Keine Absenkung. Die Ersparnis ist bestenfalls gering, und das Risiko, die Effizienz zu verschlechtern, ist real. Die Zeit, die man in die Absenkung investiert, ist bei der Heizkurven-Optimierung besser aufgehoben.







