Unternehmenstag rückt Fachkräftepotenzial in den Fokus
Rund 300 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Wirtschaft kamen am 19. September im Haus der Deutschen Wirtschaft in Berlin zusammen, um über Fachkräftesicherung, Müttererwerbstätigkeit und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu diskutieren. Anlass war der Unternehmenstag des Netzwerks „Erfolgsfaktor Familie“, bei dem eine aktuelle Expertise der Prognos AG vorgestellt wurde. Die zentrale Botschaft: Viele Mütter würden gern mehr arbeiten – wenn die Rahmenbedingungen stimmen.
Prognos-Studie: 14 Millionen zusätzliche Wochenstunden möglich
Die repräsentative Befragung von mehr als 1.500 teilzeitbeschäftigten Müttern zeigt: Fast jede zweite Mutter (45 Prozent) ist bereit, ihre Arbeitszeit auszuweiten, sofern Unternehmen Flexibilität, Kommunikation und Karriereperspektiven verbessern. Dieses bislang ungenutzte Potenzial entspricht rund 14 Millionen zusätzlichen Wochenstunden oder etwa 350.000 Vollzeitstellen. Damit könnte die Fachkräftelücke spürbar geschlossen werden – ein entscheidender Vorteil in Zeiten wachsender Arbeitskräfteknappheit.
Politik setzt auf Unterstützung statt Druck
Bundesfamilienministerin Karin Prien würdigte die enorme Leistung von Müttern im Alltag und am Arbeitsplatz: „Mütter leisten Enormes – zu Hause wie im Beruf. Viele wären bereit, mehr zu arbeiten, wenn die Rahmenbedingungen stimmen: verlässliche Kinderbetreuung, flexible Arbeitszeiten und echte Partnerschaft zu Hause.“ Die Bundesregierung werde in den kommenden Jahren Milliarden in Kitas und Schulen investieren und durch das Elterngeld zusätzliche Anreize für mehr Partnerschaftlichkeit schaffen. „Wir wollen Mütter nicht drängen, sondern unterstützen“, so Prien.
Wirtschaft fordert bessere Vereinbarkeit
Auch aus Sicht der Wirtschaft ist das Thema zentral für Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit. „Wenn wir es schaffen, Eltern – insbesondere Müttern – den schrittweisen Wiedereinstieg und die Ausweitung ihrer Arbeitszeit zu erleichtern, profitieren alle: Familien, Unternehmen und der Arbeitsmarkt“, betonte DIHK-Präsident Peter Adrian. Das Potenzial sei groß: „Mehr Vereinbarkeit ermöglicht mehr Erwerbsarbeit. Und mehr Erwerbsarbeit führt zu mehr Wohlstand.“
Praxisnahe Empfehlungen für Betriebe
Die Prognos-Expertise zeigt konkret, wie Arbeitgeber handeln können: Neben flexibler Arbeitszeitgestaltung wünschen sich Mütter auch Probephasen, um eine Stundenerhöhung zu testen. Eine aktive Ansprache durch den Arbeitgeber könnte bereits viel bewirken – 38 Prozent der Befragten würden darauf reagieren, doch bisher haben nur 4 Prozent eine entsprechende Einladung erhalten. Zusätzlich spielen Karriereoptionen eine Rolle: 41 Prozent der Mütter nennen bessere Entwicklungsmöglichkeiten als zentralen Anreiz.
Arbeitgeber und Staat in gemeinsamer Verantwortung
91 Prozent der befragten Mütter sehen neben dem Staat auch die Arbeitgeber in der Pflicht, Beruf und Familie vereinbar zu machen. Unter den derzeitigen Bedingungen sind zwar viele Mütter mit ihrem Arbeitspensum zufrieden, doch das vorhandene Potenzial bleibt ungenutzt. Im Durchschnitt würden die Mütter ihre Arbeitszeit bei verbesserten Rahmenbedingungen auf eine 33-Stunden-Woche anheben – ein deutlicher Gewinn für den Arbeitsmarkt.
Netzwerk wächst weiter
Ein weiteres Highlight des Unternehmenstags war die Aufnahme der Messe München GmbH als 9.000. Mitglied im Unternehmensnetzwerk „Erfolgsfaktor Familie“. Das Unternehmen unterstützt seine Beschäftigten bereits bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und möchte sein Engagement künftig noch weiter ausbauen. Mit über 9.000 Mitgliedern ist das Netzwerk heute die größte Plattform für familienfreundliche Personalpolitik in Deutschland.












