Bertelsmann-Studie zeigt: Jugendliche wollen Ausbildung – doch Orientierung fehlt
Die aktuelle Jugendstudie der Bertelsmann-Stiftung verdeutlicht: Junge Menschen schätzen die duale Ausbildung als attraktiven und zukunftssicheren Karriereweg. Viele Betriebe investieren mit großem Engagement in Ausbildungsplätze und bieten vielfältige Einstiegsmöglichkeiten. Dennoch bleiben Jahr für Jahr zahlreiche Ausbildungsstellen unbesetzt. Die Ursache liegt nach Einschätzung von Achim Dercks, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), vor allem in der fehlenden beruflichen Orientierung.
Verpflichtende Berufsorientierung an allen Schulen gefordert
„Wir brauchen dringend eine verpflichtende Berufsorientierung an allen Schulen“, mahnt Dercks. Gerade in den letzten Schuljahren sei es entscheidend, Jugendlichen praxisnahe Einblicke in Berufsfelder zu ermöglichen. Unternehmen und erfahrene Fachkräfte sollten dabei aktiv eingebunden werden. Besonders Gymnasien müssten stärker über die vielfältigen Chancen und Verdienstmöglichkeiten der beruflichen Bildung informieren – und nicht allein den Fokus auf ein Studium legen.
Duales System bleibt Schlüssel für die Fachkräftesicherung
Die duale Ausbildung gilt als tragende Säule der deutschen Wirtschaft. Sie verbindet Theorie und Praxis, sichert Fachkräfte und schafft jungen Menschen stabile Zukunftsperspektiven. „Die Studie unterstreicht, dass Jugendliche die duale Ausbildung sehr wohl als solide Basis für ihre Karriere sehen“, betont Dercks. „Damit sie ihr Potenzial entfalten kann, muss die Berufsorientierung aber deutlich verbessert werden.“
Kampagne „Ausbildung macht mehr aus uns“ rückt Vorteile ins Licht
Mit der bundesweiten IHK-Kampagne „Ausbildung macht mehr aus uns“ werben die Industrie- und Handelskammern für die Chancen des dualen Systems. Sie zeigt, wie stark Auszubildende und Betriebe voneinander profitieren – und wie entscheidend die berufliche Bildung für die Fachkräftesicherung in Deutschland ist. Dercks sieht darin ein wichtiges Signal, das Schulen, Eltern und Politik gleichermaßen erreichen müsse.
Unterstützungsangebote bekannter machen
Ein weiteres Ergebnis der Bertelsmann-Studie: Fördermaßnahmen für Jugendliche mit besonderem Unterstützungsbedarf werden in den Betrieben noch zu selten genutzt. „Die IHKs setzen sich dafür ein, dass Programme wie die Assistierte Ausbildung oder Mentorenprojekte wie VerAplus weiter ausgebaut und bekannter gemacht werden“, erklärt Dercks. Solche Initiativen helfen jungen Menschen, Hürden zu überwinden und erfolgreich in den Beruf zu starten.
Einstiegsqualifizierung als Sprungbrett
Besonders erfolgreich ist nach Ansicht des DIHK die betriebliche Einstiegsqualifizierung. Sie eröffnet Jugendlichen, die noch nicht sofort in eine reguläre Ausbildung einsteigen können, die Möglichkeit, innerhalb von vier bis zwölf Monaten Berufe und Betriebe kennenzulernen. „Oft folgt im Anschluss der direkte Übergang in eine vollwertige Ausbildung“, so Dercks. Damit werde die Einstiegsqualifizierung zu einem wirksamen Instrument, das Brücken baut und Perspektiven eröffnet.









