Die Luft-Luft-Wärmepumpe ist im Grunde eine Klimaanlage, die auch heizen kann. Kein Wasserkreislauf, keine Heizkörper, keine Fußbodenheizung. Sie bläst warme (oder kühle) Luft direkt in den Raum. In Skandinavien ist sie weit verbreitet, in Deutschland spielt sie eine Nischenrolle. Wer sie versteht, weiß auch, warum.
So funktioniert sie
Das Prinzip ist identisch mit einer Luft-Wasser-WP: Kältemittel entzieht der Außenluft Wärme, der Kompressor verdichtet es, die Wärme wird abgegeben. Der Unterschied: Die Wärme geht nicht an einen Wasserkreislauf, sondern direkt an die Raumluft. Ein Innengerät (an der Wand oder an der Decke montiert) bläst warme Luft in den Raum.
Jedes Innengerät versorgt einen Raum. Für mehrere Räume braucht man entweder ein Multi-Split-System (ein Außengerät, mehrere Innengeräte) oder Luftkanäle (Kanalgerät im Dachboden, Luft wird über Kanäle in alle Räume verteilt).
Vorteile
Heizen und Kühlen in einem Gerät. Im Winter Heizung, im Sommer Klimaanlage. Das ist der größte Vorteil gegenüber einer Luft-Wasser-WP, die zum Kühlen eine Fußbodenheizung oder Gebläsekonvektoren braucht.
Günstige Anschaffung. Ein Single-Split-System (ein Außen- plus ein Innengerät) kostet 1.500 bis 3.000 Euro installiert. Ein Multi-Split mit vier Innengeräten: 5.000 bis 10.000 Euro. Deutlich günstiger als eine Luft-Wasser-WP.
Schnelle Reaktionszeit. Die Luft-Luft-WP heizt einen Raum in Minuten auf Temperatur, weil sie die Luft direkt erwärmt. Eine Fußbodenheizung braucht dafür Stunden.
Kein Frostrisiko. Kein Wasserkreislauf, also kein Risiko, dass Leitungen einfrieren, wenn die Heizung mal ausfällt.
Nachteile
Kein Warmwasser. Die Luft-Luft-WP erzeugt nur Raumwärme (und Kühlung), aber kein warmes Wasser. Für Warmwasser braucht man ein separates System: Durchlauferhitzer, Brauchwasser-WP oder Solarthermie.
Luftzug und Geräusche. Die Innengeräte blasen Luft, und das spürt man. Bei niedrigen Stufen kaum, bei Volllast durchaus. Manche Menschen empfinden die Luftbewegung als unangenehm, besonders im Schlafzimmer.
Trockene Luft im Winter. Warme umgewälzte Luft trocknet die Raumluft aus. Im Winter kann die Luftfeuchtigkeit auf 25 bis 30 Prozent fallen, was die Schleimhäute reizt. Ein Luftbefeuchter hilft, ist aber ein zusätzliches Gerät.
Keine gleichmäßige Wärmeverteilung. Die Luft ist in der Nähe des Innengeräts am wärmsten und wird mit zunehmender Entfernung kühler. Ein 40-Quadratmeter-Wohnzimmer gleichmäßig zu heizen ist schwierig mit einem wandmontierten Innengerät.
Raumweise Installation nötig. Jeder Raum braucht sein eigenes Innengerät oder einen Luftkanal. In einem Haus mit 8 Räumen ist das aufwendig und kann die Kostenvorteile wieder auffressen.
Effizienz
Der COP einer Luft-Luft-WP liegt bei 3,5 bis 5,0 (bei A7/W20, also 7 Grad außen und 20 Grad Raumtemperatur). Das ist vergleichbar mit oder sogar besser als eine Luft-Wasser-WP, weil die „Vorlauftemperatur“ nur 20 bis 25 Grad Raumluft ist, nicht 35 bis 55 Grad Heizwasser.
Die JAZ im Feld: 3,0 bis 4,5, abhängig vom Klima, der Nutzung und davon, wie viele Räume beheizt werden. In milden Regionen (Rheinland, Südbaden) besser als in kalten (Alpenvorland, Erzgebirge).
Für wen die Luft-Luft-WP passt
Für sehr gut gedämmte Neubauten (KfW 40 oder Passivhaus) mit niedriger Heizlast und Lüftungsanlage. In solchen Gebäuden reicht oft ein einziges Kanalgerät, um das ganze Haus zu beheizen. Warmwasser kommt von einer Brauchwasser-WP.
Für einzelne Räume als Ergänzung. Ein Büro im Dachgeschoss, ein Wintergarten oder eine Einliegerwohnung, die nur gelegentlich geheizt werden muss.
Für Ferienhäuser und Wochenendhäuser. Schnell warm, kein Frostrisiko, kein Wasserkreislauf, der über den Winter entleert werden muss.
Nicht geeignet für den typischen deutschen Altbau mit Heizkörpern. Da ist die Luft-Wasser-WP die bessere Wahl, weil sie das bestehende Heizsystem nutzen kann und Warmwasser gleich mitmacht.
Förderung
Luft-Luft-Wärmepumpen sind grundsätzlich über die BEG förderfähig, aber nur, wenn sie als alleinige Heizung eingesetzt werden und das Gerät auf der BAFA-Förderliste steht. In der Praxis sind nur wenige Luft-Luft-Systeme gelistet, weil die meisten als Klimaanlagen und nicht als Heizungen verkauft werden. Vor dem Kauf unbedingt auf der BAFA-Liste prüfen.







