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Die einfachste und günstigste Methode, den Eigenverbrauch einer PV-Anlage zu steigern, kostet keinen Cent. Man verschiebt den Betrieb von Großverbrauchern in die Sonnenstunden. Waschmaschine mittags statt abends. Geschirrspüler nach dem Mittagessen statt nach dem Abendessen. Trockner am Nachmittag statt am Samstagnacht. Klingt nach einer Kleinigkeit, bringt aber 5 bis 10 Prozentpunkte mehr Eigenverbrauch, und das ohne Speicher, ohne Investition, ohne Technik.
Warum Lastverschiebung funktioniert
Eine PV-Anlage erzeugt den meisten Strom zwischen 10 und 16 Uhr. Ein durchschnittlicher Haushalt verbraucht den meisten Strom morgens (Frühstück, Duschen) und abends (Kochen, Unterhaltung, Licht). In der Mittagszeit, wenn die Anlage auf Hochtouren läuft, laufen oft nur Kühlschrank und Router, zusammen 100 bis 200 Watt. Der Rest, 2.000 bis 5.000 Watt Überschuss, fließt für 7,78 Cent ins Netz.
Wenn man stattdessen die Waschmaschine um 12 Uhr startet (1,5 bis 2 kWh pro Waschgang), den Trockner um 13 Uhr (2 bis 3 kWh), den Geschirrspüler um 14 Uhr (1 bis 1,5 kWh) und den Backofen zum Mittagessen nutzt (1,5 bis 2,5 kWh), verbraucht man 6 bis 9 kWh in den Sonnenstunden statt in den Abendstunden. Das sind 6 bis 9 kWh weniger Überschuss, die statt für 7,78 Cent ins Netz zu fließen, 38 Cent pro kWh Netzstrom einsparen. Differenz pro kWh: 30 Cent. Mal 6 bis 9 kWh: 1,80 bis 2,70 Euro pro Tag. Klingt wenig, summiert sich aber über ein Jahr auf 300 bis 500 Euro, wenn man es regelmäßig macht.
Welche Geräte sich verschieben lassen
Die besten Kandidaten sind Geräte, die eine programmierbare Startzeit haben und deren Betriebszeitpunkt egal ist, solange sie irgendwann am Tag laufen.
Waschmaschine: 1 bis 2 kWh pro Waschgang, 30 bis 60 Minuten Laufzeit. Die meisten modernen Maschinen haben eine Startzeitverzögerung. Timer auf 11 oder 12 Uhr stellen, Maschine beladen, und sie startet automatisch, wenn die Sonne am höchsten steht. Drei bis fünf Wäschen pro Woche in die Sonnenstunden verschoben: 150 bis 400 kWh pro Jahr zusätzlicher Eigenverbrauch.
Trockner: 2 bis 3 kWh pro Durchgang, 1,5 bis 2,5 Stunden. Direkt nach der Waschmaschine starten, also gegen 13 oder 14 Uhr. Wärmepumpentrockner verbrauchen weniger (1,5 bis 2 kWh), aber laufen länger. Zwei bis vier Durchgänge pro Woche: 150 bis 600 kWh pro Jahr.
Geschirrspüler: 1 bis 1,5 kWh pro Spülgang, 1 bis 2 Stunden. Statt abends nach dem Essen starten, lieber nach dem Mittagessen oder per Timer auf 13 Uhr programmieren. Fünf bis sieben Spülgänge pro Woche: 250 bis 500 kWh pro Jahr.
Backofen und Herd: 1,5 bis 3 kWh pro Nutzung, aber nur wenn man warm kocht. Wer mittags statt abends warm kocht, verschiebt 500 bis 1.000 kWh pro Jahr in die Sonnenstunden. Das erfordert allerdings eine Änderung der Essgewohnheiten, was nicht für jeden praktikabel ist.
Warmwasser-Heizstab: 1 bis 3 kW, läuft automatisch wenn Überschuss da ist (gesteuert vom HEMS oder einem einfachen Thermostat mit Timer). Keine manuelle Lastverschiebung nötig, aber ein Gerät, das den Überschuss direkt in Wärme umwandelt. 500 bis 1.500 kWh pro Jahr zusätzlicher Eigenverbrauch. Investition: 200 bis 500 Euro für den Heizstab.
Poolpumpe: 0,5 bis 1,5 kW, läuft 6 bis 10 Stunden am Tag. Per Zeitschaltuhr auf die Sonnenstunden legen (9 bis 17 Uhr). 500 bis 1.500 kWh pro Jahr. Kostet nur eine Zeitschaltuhr (10 bis 15 Euro).
Klimaanlage: 0,5 bis 3 kW, braucht Strom genau dann, wenn die Sonne scheint (heiße Tage). Perfekter Eigenverbrauchskandidat. Keine Lastverschiebung nötig, die Klimaanlage läuft von selbst in den Sonnenstunden.
Was sich nicht verschieben lässt
Kühlschrank und Gefrierschrank laufen durchgehend und lassen sich nicht sinnvoll unterbrechen. Man kann den Gefrierschrank tagsüber intensiver kühlen (auf minus 20 statt minus 18 Grad), damit er abends weniger laufen muss, aber der Effekt ist gering (20 bis 50 kWh pro Jahr).
Licht braucht man wenn es dunkel ist, also abends und nachts. Verschiebung nicht möglich.
Computer, Fernseher, Router laufen wenn man sie nutzt. Der Router sollte sowieso durchlaufen, und Computer und Fernseher nutzt man nach eigenem Zeitplan, nicht nach Solarangebot.
E-Herd und Wasserkocher laufen wenn man kocht. Wer nicht mittags kochen will, kann das nicht verschieben.
Automatische vs. manuelle Lastverschiebung
Manuell: Timer an der Waschmaschine einstellen, Geschirrspüler nach dem Mittagessen starten, Trockner am Nachmittag einschalten. Kostet nichts, erfordert aber Gewohnheitsänderung und Disziplin. Bringt 5 bis 10 Prozentpunkte mehr Eigenverbrauch.
Halbautomatisch: Smarte Steckdosen (Shelly, TP-Link, 15 bis 30 Euro pro Stück), die per Timer oder nach Solarüberschuss schalten. Der Geschirrspüler steckt in einer smarten Steckdose, die sich um 12 Uhr einschaltet, oder die erst aktiviert wird, wenn der PV-Überschuss über 500 Watt steigt. Funktioniert bei Geräten, die nach dem Einschalten der Steckdose automatisch starten (Poolpumpe ja, Waschmaschine nein, weil man erst den Startknopf drücken muss).
Vollautomatisch: Ein HEMS (Energiemanagementsystem) steuert alle Verbraucher nach Solarangebot. Die Waschmaschine wird per Smart-Home-Integration gestartet, die Wärmepumpe über SG Ready zugeschaltet, die Wallbox über PV-Überschuss gesteuert. Bringt 10 bis 15 Prozentpunkte mehr Eigenverbrauch. Kosten: 300 bis 2.000 Euro für das HEMS.
Für den Einstieg reicht die manuelle Variante. Timer nutzen, Gewohnheiten anpassen, Ergebnis im Monitoring beobachten. Wer mehr will, rüstet smarte Steckdosen oder ein HEMS nach.
Was Lastverschiebung konkret bringt
Ohne Lastverschiebung (Standardverhalten): 30 Prozent Eigenverbrauch bei einer 10-kWp-Anlage und 4.500 kWh Haushaltsverbrauch. 3.000 kWh selbst verbraucht, 7.000 kWh eingespeist. Netto-Ertrag: 1.363 Euro pro Jahr.
Mit Lastverschiebung (Waschmaschine, Trockner, Geschirrspüler, Timer): 38 Prozent Eigenverbrauch. 3.800 kWh selbst verbraucht, 6.200 kWh eingespeist. Netto-Ertrag: 1.605 Euro pro Jahr. Mehrertrag: 242 Euro pro Jahr. Investition: 0 Euro.
Mit Lastverschiebung plus Warmwasser-Heizstab: 43 Prozent Eigenverbrauch. 4.300 kWh selbst verbraucht, 5.700 kWh eingespeist. Netto-Ertrag: 1.756 Euro pro Jahr. Mehrertrag: 393 Euro pro Jahr. Investition: 300 Euro für den Heizstab.
Mit Lastverschiebung plus Heizstab plus Speicher: 65 Prozent Eigenverbrauch. 6.500 kWh selbst verbraucht, 3.500 kWh eingespeist. Netto-Ertrag: 2.230 Euro pro Jahr. Mehrertrag: 867 Euro pro Jahr (gegenüber Standardverhalten).
Lastverschiebung ist der erste Schritt. Kostenlos, sofort wirksam, und die Grundlage für alles, was danach kommt.
Praxistipps
Die goldene Regel: Alles was warten kann, wartet auf die Sonne. Was nicht warten kann (Kochen abends, Licht, Warmwasser für die Morgendusche), läuft wie gewohnt.
Die Monitoring-App zeigt, wann Überschuss da ist. Morgens kurz reinschauen, und wenn die Sonne scheint, die Waschmaschine befüllen und den Timer stellen. Nach einer Woche hat man den Rhythmus verinnerlicht.
An bewölkten Tagen nicht erzwingen. Wenn die PV-Anlage kaum liefert, bringt es nichts, die Waschmaschine mittags laufen zu lassen statt abends. Der Strom kommt dann sowieso vom Netz. Lastverschiebung hilft nur an Tagen mit nennenswertem Solarertrag.
Im Winter ist der Effekt geringer. Die Module liefern weniger, die Sonnenstunden sind kürzer, und es gibt weniger Überschuss zum Verschieben. Lastverschiebung ist primär ein Frühling-Sommer-Herbst-Thema. Im Winter macht sie weniger Unterschied.
Wer Homeoffice hat, profitiert doppelt. Der Computer läuft tagsüber mit Solarstrom (kein Verschiebeaufwand), und man ist zu Hause, um Geräte manuell zu starten oder den Timer zu programmieren. Die Eigenverbrauchsquote von Homeoffice-Haushalten liegt auch ohne bewusste Lastverschiebung bei 35 bis 45 Prozent.









