Wer sich mit Photovoltaik beschäftigt, stößt in jedem Angebot, jedem Datenblatt und jedem Ratgeber auf dieselben Abkürzungen: kWp, kWh, STC, NOCT, Degradation, Eigenverbrauchsquote, Autarkiegrad. Die meisten klingen technischer als sie sind. Hier steht, was die wichtigsten Begriffe bedeuten, wie sie zusammenhängen und warum man sie für die Kaufentscheidung braucht.
kWp: Die Nennleistung der Anlage
Kilowatt-Peak, abgekürzt kWp, ist die Einheit für die maximale Leistung einer PV-Anlage unter Laborbedingungen. Diese Laborbedingungen heißen STC (Standard Test Conditions) und sind genau definiert: 1.000 Watt Sonneneinstrahlung pro Quadratmeter, 25 Grad Celsius Modultemperatur und ein Lichtspektrum von AM 1,5 (das ist das Spektrum, das die Sonne bei einem Einfallswinkel von 48 Grad liefert, ungefähr wie mittags in Mitteleuropa im Frühling).
Diese Bedingungen werden draußen selten exakt erreicht. An einem wolkenlosen Sommermittag in Süddeutschland kommt man nahe dran, aber meistens liegt die reale Leistung unter dem kWp-Wert. Das heißt nicht, dass der kWp-Wert falsch ist. Er ist ein Standard, der Anlagen vergleichbar macht. Ähnlich wie PS beim Auto: Auch die fährt man im Alltag nicht dauerhaft mit Vollgas.
Ein einzelnes Modul hat typischerweise 400 bis 485 Wp (Wattpeak). Eine 10-kWp-Anlage besteht also aus etwa 22 bis 25 Modulen mit je 440 Wp. Der kWp-Wert bestimmt, wie viel Strom die Anlage maximal pro Stunde liefern kann, und er ist die Grundlage für Preisvergleiche (Euro pro kWp) und Ertragsprognosen.
kWh: Die erzeugte Energiemenge
Kilowattstunde, kWh, ist die Einheit für die tatsächlich erzeugte (oder verbrauchte) Energiemenge. Wenn ein Modul eine Stunde lang genau 1 kW Leistung liefert, hat es 1 kWh Strom erzeugt. Die Stromrechnung des Energieversorgers wird in kWh abgerechnet, und die Einspeisevergütung gibt es pro kWh.
Der Zusammenhang zwischen kWp und kWh: Pro kWp installierter Leistung erzeugt eine Anlage in Deutschland 900 bis 1.100 kWh pro Jahr. Die Spanne ergibt sich durch den Standort (Süden mehr, Norden weniger), die Dachausrichtung (Süd optimal, Ost-West 10 bis 20 Prozent weniger), den Neigungswinkel, die Verschattung und die Wechselrichter-Effizienz.
Eine 10-kWp-Anlage in München erzeugt also rund 10.500 kWh im Jahr. In Hamburg eher 9.200 kWh. Diese Zahl ist die Grundlage für jede Wirtschaftlichkeitsrechnung.
Wirkungsgrad: Was er aussagt und was nicht
Der Wirkungsgrad gibt an, wie viel Prozent der eintreffenden Sonnenenergie in Strom umgewandelt werden. Ein Modul mit 22 Prozent Wirkungsgrad verwandelt 220 Watt in Strom, wenn 1.000 Watt Sonnenstrahlung pro Quadratmeter auf die Modulfläche treffen.
Es gibt drei verschiedene Wirkungsgrade, die man auseinanderhalten sollte. Der Zellwirkungsgrad bezieht sich nur auf die einzelne Solarzelle, ohne Rahmen und Zwischenräume. Er ist am höchsten (TOPCon: 23 bis 26 Prozent im Labor). Der Modulwirkungsgrad bezieht sich auf die gesamte Modulfläche inklusive Rahmen und ist immer etwas niedriger (TOPCon: 21 bis 23 Prozent). Der Systemwirkungsgrad berücksichtigt alle Verluste der Gesamtanlage: Modulverluste, Kabel, Wechselrichter, Degradation. Er liegt typischerweise bei 80 bis 90 Prozent des Modulwirkungsgrads.
Für den Preisvergleich und die Ertragsprognose zählt der Modulwirkungsgrad. Ein höherer Wirkungsgrad bedeutet mehr Strom pro Quadratmeter Dachfläche. Aber wenn genug Dachfläche vorhanden ist, kann ein günstigeres Modul mit etwas niedrigerem Wirkungsgrad wirtschaftlich die bessere Wahl sein, weil man einfach ein paar Module mehr installiert.
STC und NOCT: Die Testbedingungen
STC (Standard Test Conditions) sind die Laborbedingungen, unter denen der kWp-Wert gemessen wird: 1.000 W/m², 25 Grad Zelltemperatur, AM 1,5. Alle Herstellerangaben zu Leistung und Wirkungsgrad beziehen sich auf STC.
NOCT (Nominal Operating Cell Temperature) ist realistischer: 800 W/m², 20 Grad Umgebungstemperatur, 1 m/s Wind. Unter NOCT-Bedingungen liefert ein Modul typischerweise 20 bis 25 Prozent weniger als unter STC. Die NOCT-Leistung steht im Datenblatt und gibt ein besseres Gefühl für die Alltagsleistung.
Im Sommer, wenn die Module auf 50 bis 70 Grad aufheizen, liegt die reale Leistung unter dem STC-Wert, weil höhere Temperaturen den Wirkungsgrad senken. Wie stark, beschreibt der Temperaturkoeffizient.
Temperaturkoeffizient: Warum Hitze Leistung kostet
Solarzellen mögen Licht, aber keine Hitze. Mit steigender Temperatur sinkt der Wirkungsgrad. Der Temperaturkoeffizient gibt an, um wie viel Prozent die Leistung pro Grad Celsius über 25 Grad abnimmt.
PERC-Module: minus 0,35 Prozent pro Kelvin. Bei 60 Grad Modultemperatur (35 Grad über STC) verliert das Modul 12,25 Prozent seiner Nennleistung.
TOPCon: minus 0,30 Prozent pro Kelvin. Bei 60 Grad: minus 10,5 Prozent.
HJT: minus 0,24 bis minus 0,26 Prozent pro Kelvin. Bei 60 Grad: minus 8,4 bis minus 9,1 Prozent.
Der Unterschied klingt klein, macht über ein ganzes Jahr und besonders an heißen Sommertagen aber spürbar mehr Ertrag. HJT-Module liefern an einem 35-Grad-Sommertag rund 3 bis 4 Prozent mehr Strom als PERC bei gleicher Nennleistung.
Degradation: Wie viel Leistung die Anlage pro Jahr verliert
Jedes Solarmodul verliert mit der Zeit etwas Leistung. Die Ursachen: UV-Strahlung verändert das Silizium (lichtinduzierte Degradation in den ersten Tagen), Feuchtigkeit dringt langsam ein, und die Zellverbindungen altern. Dieser Prozess heißt Degradation.
Bei modernen PERC-Modulen liegt die Degradation bei 0,4 bis 0,8 Prozent pro Jahr. Neuere TOPCon- und HJT-Module schaffen unter 0,15 Prozent pro Jahr. Nach 25 Jahren liefert ein PERC-Modul noch 80 bis 85 Prozent seiner Anfangsleistung, ein HJT-Modul über 90 Prozent.
Die Hersteller garantieren eine Mindestleistung nach 25 bis 30 Jahren (meistens 80 Prozent der Nennleistung). Fällt ein Modul unter diesen Wert, greift die Leistungsgarantie.
Eigenverbrauchsquote und Autarkiegrad
Zwei Kennzahlen, die bei der Planung ständig vorkommen und oft verwechselt werden.
Die Eigenverbrauchsquote beantwortet: Wie viel Prozent des erzeugten Solarstroms verbrauche ich selbst? Wenn die Anlage 10.000 kWh erzeugt und 3.000 davon im Haushalt genutzt werden, ist die Eigenverbrauchsquote 30 Prozent. Die restlichen 7.000 kWh gehen als Überschuss ins Netz.
Der Autarkiegrad beantwortet: Wie viel Prozent meines gesamten Strombedarfs decke ich selbst? Wenn der Haushalt 4.500 kWh braucht und 3.000 davon aus der eigenen Anlage kommen, ist der Autarkiegrad 67 Prozent. Die restlichen 1.500 kWh kommen vom Versorger.
Ohne Speicher: Eigenverbrauch etwa 30 Prozent, Autarkie 25 bis 40 Prozent. Mit Speicher: Eigenverbrauch 60 bis 70 Prozent, Autarkie 55 bis 70 Prozent. Mit Speicher, Wärmepumpe und intelligentem Management: Eigenverbrauch 70 bis 80 Prozent, Autarkie 65 bis 80 Prozent.
Beide Werte hängen von der Anlagengröße, dem Verbrauchsprofil und der Speicherkapazität ab. Der HTW Berlin Unabhängigkeitsrechner zeigt für jede Kombination beide Werte an und ist kostenlos online nutzbar.
Weitere Begriffe, die auftauchen
Einspeisevergütung: Das Geld, das man pro eingespeister kWh vom Netzbetreiber bekommt. 2026: 7,78 Cent bei Teileinspeisung bis 10 kWp.
Globalstrahlung: Die Gesamtmenge an Sonnenenergie, die pro Jahr auf einen Quadratmeter trifft. In Deutschland: 950 bis 1.300 kWh pro Quadratmeter, je nach Region.
Volllaststunden: Die Anzahl Stunden, die eine Anlage theoretisch mit voller Leistung laufen müsste, um ihren Jahresertrag zu erreichen. In Deutschland: 900 bis 1.100 Stunden. Das heißt nicht, dass die Anlage nur so lange läuft. Sie läuft viel länger, aber meistens unter Volllast.
MPP-Tracker: Die Funktion im Wechselrichter, die den optimalen Arbeitspunkt der Module in Echtzeit sucht. Mehr Tracker gleich mehr Flexibilität bei der Modulkonfiguration.
DC und AC: Gleichstrom (von den Modulen) und Wechselstrom (im Hausnetz). Der Wechselrichter wandelt DC in AC.
Wer diese Begriffe kennt, versteht sein Angebot, kann beim Solarteur mitdiskutieren und erkennt, ob eine Ertragsprognose realistisch ist oder geschönt. Das ist kein Nischenwissen, sondern die Sprache, in der PV-Anlagen geplant und verkauft werden.







