Die Wärmepumpe kann nicht nur heizen, sondern auch kühlen. Passive Kühlung (nur Erdwärme-WP) kostet fast keinen Strom. Aktive Kühlung (alle WP-Typen) braucht den Kompressor und verbraucht Strom, senkt die Raumtemperatur aber stärker. Beides funktioniert über die Fußbodenheizung, nicht über Heizkörper.
Passive Kühlung (Natural Cooling)
Nur möglich mit Erdwärme-WP (Sole-Wasser) oder Grundwasser-WP (Wasser-Wasser). Das kühle Medium (Sole bei 8 bis 12 Grad oder Grundwasser bei 8 bis 12 Grad) wird ohne Kompressor direkt durch die Fußbodenheizung gepumpt. Der Boden kühlt sich ab und entzieht dem Raum Wärme.
Leistung: Die Raumtemperatur sinkt um 2 bis 4 Grad. An einem Tag mit 32 Grad Außentemperatur und 27 Grad Raumtemperatur kommt man auf 23 bis 25 Grad. Keine vollwertige Klimaanlage, aber ein spürbarer Unterschied.
Stromverbrauch: Nur die Umwälzpumpe (50 bis 100 Watt). Kosten für einen ganzen Sommer: 30 bis 80 Euro. Praktisch geschenkt.
Voraussetzung: Die WP muss eine Kühlfunktion haben (nicht alle Erdwärme-WP können das, aber die meisten modernen Modelle). Ein 3-Wege-Ventil leitet die Sole an Kompressor vorbei direkt in den Heizkreis. Die Fußbodenheizung muss vorhanden sein (Heizkörper eignen sich nicht zum Kühlen, weil die Konvektionsrichtung nicht stimmt).
Aktive Kühlung (Reversibel)
Möglich mit allen WP-Typen, auch Luft-Wasser. Die WP kehrt den Kältekreislauf um: Statt Wärme von außen nach innen zu transportieren, transportiert sie Wärme von innen nach außen. Im Prinzip arbeitet sie wie eine Klimaanlage.
Leistung: Raumtemperatur-Absenkung um 3 bis 6 Grad. Stärker als passive Kühlung, aber nicht so leistungsstark wie eine dedizierte Klimaanlage.
Stromverbrauch: Der Kompressor läuft, also ähnlich wie im Heizbetrieb. COP Kühlung: 3,0 bis 5,0 (aus 1 kWh Strom werden 3 bis 5 kWh Kälteleistung). Kosten für einen Sommer mit 400 bis 800 Kühlstunden: 100 bis 300 Euro.
Voraussetzung: Die WP muss reversibel sein (auf dem Datenblatt: „Kühlfunktion“ oder „Active Cooling“). Die meisten modernen Geräte können das, aber nicht alle. Außerdem braucht man Fußbodenheizung oder Gebläsekonvektoren. Heizkörper funktionieren zum Kühlen nicht.
Taupunkt-Problem
Wenn kaltes Wasser durch die Fußbodenheizung fließt, kann die Bodenoberfläche den Taupunkt der Raumluft unterschreiten. Dann bildet sich Kondenswasser auf dem Boden. Das ist nicht nur unangenehm (Rutschgefahr), sondern kann auch den Bodenbelag beschädigen.
Moderne WP-Regelungen haben eine Taupunkt-Überwachung. Ein Feuchtefühler im Raum misst die Luftfeuchtigkeit, und die Regelung begrenzt die Vorlauftemperatur so, dass der Taupunkt nicht unterschritten wird. In der Praxis bedeutet das: Bei hoher Luftfeuchtigkeit (über 60 Prozent) darf der Boden nicht unter 18 bis 20 Grad abkühlt werden. Die Kühlleistung ist dann begrenzt.
Tipp: Räume regelmäßig lüften (aber nicht bei 35 Grad und 70 Prozent Luftfeuchtigkeit, dann kommt feuchte Luft rein und macht das Problem schlimmer). Am besten morgens oder abends lüften, wenn die Außenluft trockener ist.
Was es kostet, die Kühlfunktion zu nutzen
Die Kühlfunktion ist bei den meisten modernen WP im Gerät enthalten, ohne Aufpreis. Was zusätzlich kosten kann: Ein 3-Wege-Ventil für passive Kühlung (200 bis 500 Euro, bei manchen Geräten bereits integriert). Ein Feuchtefühler für die Taupunkt-Überwachung (50 bis 100 Euro). Die Anpassung der Regelung durch den Installateur (50 bis 200 Euro Arbeitszeit).
Gesamtkosten für die Nachrüstung der Kühlfunktion: 100 bis 800 Euro einmalig. Bei Neuinstallation: meistens im Angebotspreis enthalten, wenn man es vorher anspricht.
Für wen sich die Kühlung lohnt
Erdwärme-WP-Besitzer sollten die passive Kühlung immer mitnehmen. Sie kostet fast nichts im Betrieb und ist ein willkommener Bonus an heißen Tagen.
Luft-WP-Besitzer profitieren von aktiver Kühlung, wenn sie in einer Region mit heißen Sommern wohnen (Oberrhein, Neckartal, Berlin). 100 bis 300 Euro Stromkosten pro Sommer für angenehme 23 bis 25 Grad statt 28 bis 30 Grad sind für viele ein guter Deal.
Wer Heizkörper statt Fußbodenheizung hat, kann die WP-Kühlung nicht nutzen. Dann bleibt nur eine separate Klimaanlage (Luft-Luft-WP) für die Kühlung.







