Die JAZ sagt dir, was die Wärmepumpe wirklich verbraucht. Nicht im Labor, nicht unter Idealbedingungen, sondern in deinem Haus, mit deinem Wetter, deinem Heizsystem und deinem Heizverhalten. Eine gute Luft-WP schafft im Feld eine JAZ von 3,0 bis 4,0, eine Erdwärme-WP 4,0 bis 5,0. Den genauen Wert kannst du nach einem Jahr Betrieb selbst berechnen.
Was die JAZ ist
Die Jahresarbeitszahl ist das Verhältnis von abgegebener Wärmemenge zu aufgenommener Strommenge über ein ganzes Jahr. JAZ 3,5 bedeutet: Für jede kWh Strom hat die WP 3,5 kWh Wärme geliefert. Die restlichen 2,5 kWh kamen aus der Umgebung.
Im Gegensatz zum COP, der im Labor bei festen Bedingungen gemessen wird, berücksichtigt die JAZ alles: wechselnde Außentemperaturen, Warmwasserbereitung bei 55 Grad, Abtaupausen, Standby-Verbrauch und das Heizverhalten der Bewohner. Die JAZ ist die ehrlichere Zahl.
Wie man die JAZ berechnet
JAZ gleich abgegebene Wärmemenge (kWh) geteilt durch aufgenommene Strommenge (kWh).
Um beide Werte zu messen, braucht man: Einen Wärmemengenzähler (im Vorlauf der WP, misst die abgegebene Wärme). Einen Stromzähler (misst den gesamten Stromverbrauch der WP inklusive Kompressor, Umwälzpumpe, Steuerung und Heizstab).
Viele moderne WP haben beides integriert und zeigen die JAZ in der App an. Die Werte sind brauchbar, aber nicht geeicht. Wer es genau wissen will, lässt geeichte Zähler einbauen (kosten 100 bis 300 Euro).
Beispiel: WP hat über ein Jahr 4.000 kWh Strom verbraucht und 14.000 kWh Wärme geliefert. JAZ: 14.000 geteilt durch 4.000 gleich 3,5.
Typische JAZ-Werte
Luft-Wasser-WP mit Fußbodenheizung: 3,5 bis 4,5. Mit Heizkörpern (45 bis 55 Grad Vorlauf): 2,8 bis 3,5. In einem schlecht gedämmten Altbau mit hoher Vorlauftemperatur: 2,3 bis 3,0.
Sole-Wasser-WP: 4,0 bis 5,0. Relativ unabhängig vom Heizsystem, weil die Quellentemperatur konstant ist.
Wasser-Wasser-WP: 4,5 bis 5,5.
Die Werte stammen aus dem HTW Berlin Wärmepumpen-Monitoring und aus Herstellerangaben. Im Einzelfall kann die JAZ höher oder niedriger sein, abhängig vom Gebäude, der Einstellung und dem Nutzerverhalten.
Was die JAZ beeinflusst
Die Vorlauftemperatur ist der stärkste Faktor. Jedes Grad weniger Vorlauf bringt etwa 2,5 Prozent mehr JAZ. Wer von 50 auf 40 Grad Vorlauf kommt, verbessert die JAZ um rund 25 Prozent. Das ist der Hebel, an dem man ansetzen sollte.
Das Klima am Standort. In Süddeutschland (kältere Winter) liegt die JAZ einer Luft-WP 0,2 bis 0,4 Punkte niedriger als am Oberrhein oder in Norddeutschland (mildere Winter).
Der Warmwasseranteil. Warmwasser braucht 50 bis 55 Grad, auch wenn die Heizung nur 35 Grad braucht. Je höher der Warmwasseranteil am Gesamtverbrauch, desto niedriger die Gesamt-JAZ. In einem gut gedämmten Neubau mit niedriger Heizlast kann der Warmwasseranteil 30 bis 40 Prozent ausmachen und die JAZ um 0,3 bis 0,5 Punkte drücken.
Die Einstellung. Heizkurve, hydraulischer Abgleich, Warmwasser-Ladezeiten: Alles beeinflusst die JAZ. Eine schlecht eingestellte Premium-WP kann eine niedrigere JAZ haben als eine gut eingestellte Mittelklasse-WP. Die Einstellung nach der Inbetriebnahme optimieren ist die günstigste Maßnahme zur JAZ-Verbesserung.
JAZ und Förderfähigkeit
Die BEG verlangt 2026 keine Mindest-JAZ für die Förderung. Entscheidend ist, dass das Gerät auf der BAFA-Förderliste steht. Aber: Eine Heizlastberechnung und ein hydraulischer Abgleich sind Pflicht, und beide tragen dazu bei, dass die JAZ vernünftig ausfällt.
Für die KfW-Effizienzhaus-Förderung (bei Komplettsanierung) wird eine Mindest-JAZ von 2,7 verlangt. Das schaffen alle modernen WP bei einigermaßen vernünftiger Installation.
JAZ überwachen
Die JAZ nach dem ersten Betriebsjahr berechnen und dann jährlich vergleichen. Wenn die JAZ im zweiten Jahr deutlich sinkt (um mehr als 0,3 Punkte), kann das auf ein Problem hinweisen: verschmutzter Verdampfer (bei Luft-WP), Sole-Druck zu niedrig (bei Erdwärme), defekter Fühler, oder die Heizkurve wurde verstellt.
Die meisten WP-Apps zeigen die laufende JAZ an. Wer darauf achtet, erkennt Probleme früh und spart Strom.







