Die deutsche Industrie steckt weiter tief in der Rezession. Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes ist der Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe im August 2025 erneut um 0,8 Prozent gesunken – bereits der vierte Rückgang in Folge. Zwar liegt das Auftragsvolumen im Vergleich zum Vorjahresmonat leicht um 1,5 Prozent höher, doch die Dynamik ist gebrochen. Für die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) ist das ein weiteres Warnsignal: Die strukturelle Schwäche der deutschen Wirtschaft verschärft sich.
Industrie in schwierigem Fahrwasser
„Die industrielle Talfahrt setzt sich fort“, resümiert Jupp Zenzen, Konjunkturexperte der DIHK, die aktuelle Entwicklung. Besonders alarmierend: Die Auftragsbücher vieler Betriebe leeren sich, während die Kosten weiter steigen. „Dass die Bestellungen zum vierten Mal in Folge sinken, ist ein ernstes Warnzeichen. Eine ähnliche Entwicklung sahen wir zuletzt Anfang 2022 – unmittelbar nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine“, so Zenzen. Die Lage erinnere daran, wie anfällig die deutsche Industrie inzwischen auf Kosten- und Standortschocks reagiere.
Auslandsnachfrage bricht ein
Noch zu Jahresbeginn hatte ein leichter Anstieg der Bestellungen aus dem Ausland Hoffnungen auf eine Erholung geweckt. Diese sind nun dahin. „Auffällig ist, dass gerade die Bestellungen aus dem Ausland schon wieder zurückgehen“, erklärt Zenzen. Das internationale Interesse an deutschen Industrieprodukten schwinde – ein Alarmsignal für den Exportstandort Deutschland. Ursachen seien neben den schwachen globalen Märkten auch hausgemachte Probleme: überdurchschnittlich hohe Energiepreise, steigende Personalkosten und ein überbordender Regulierungsaufwand. „Unsere Produkte sind gut, aber sie werden schlicht zu teuer“, fasst Zenzen zusammen.
Energie, Steuern, Bürokratie: Dreifache Belastung für Betriebe
Die Kostenlawine am Standort Deutschland trifft vor allem das Verarbeitende Gewerbe mit voller Wucht. Viele energieintensive Branchen kämpfen mit Rekordpreisen, die im internationalen Vergleich kaum wettbewerbsfähig sind. Hinzu kommen steigende Steuerlasten und eine Flut neuer Berichtspflichten. „Während unsere europäischen Nachbarn gezielt entlasten, legt Deutschland seinen Unternehmen zusätzliche Lasten auf“, kritisiert Zenzen. Besonders die mittelständischen Industriebetriebe, die oft familiengeführt sind, geraten dadurch unter Druck. „Viele von ihnen verlieren die Geduld – sie investieren nicht mehr oder verlagern ihre Produktion schrittweise ins Ausland.“
Politik gefordert: Standort retten, Wettbewerbsfähigkeit stärken
Für die DIHK ist klar: Ohne schnelle und mutige Reformen droht der Industriestandort Deutschland weiter an Bedeutung zu verlieren. „Die Politik muss dringend gegensteuern“, fordert Zenzen. Dazu gehöre eine Senkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß, eine Entlastung bei Unternehmenssteuern und eine deutliche Reduzierung bürokratischer Auflagen. „Wenn Betriebe mehr Zeit für Formulare als für Innovation aufwenden, läuft etwas grundsätzlich falsch.“ Auch die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren und eine verlässliche Energieversorgung seien entscheidend, um wieder Vertrauen in den Standort zu schaffen.
Gefahr für Beschäftigung und Wohlstand
Die Folgen der anhaltenden Schwächephase gehen über das Verarbeitende Gewerbe hinaus. Sinkende Aufträge führen zu weniger Produktion, geringeren Investitionen und gefährden mittelfristig Arbeitsplätze. „Die Industrie ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft“, betont Zenzen. „Wenn sie schwächelt, leiden auch die Dienstleister, die Logistik und letztlich der gesamte Mittelstand.“ Schon jetzt zeigen Konjunkturumfragen der DIHK, dass viele Betriebe geplante Investitionen verschieben oder ganz streichen. Damit drohe ein gefährlicher Abwärtstrend, der Wohlstand und Innovationskraft gleichermaßen gefährdet.
Hoffnung nur durch strukturellen Neustart
Trotz der ernüchternden Zahlen sieht Zenzen auch Chancen – wenn jetzt die richtigen Weichen gestellt werden. „Deutschland hat eine starke industrielle Basis, hochqualifizierte Fachkräfte und innovative Unternehmen. Aber diese Stärken müssen endlich wieder Raum zum Wirken bekommen.“ Dazu brauche es verlässliche politische Entscheidungen und einen ehrlichen Bürokratieabbau. „Nur wenn der Standort wieder planbar und bezahlbar wird, kann sich die Industrie erholen.“
Hinweis: Das Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erzeugt.









