Der hydraulische Abgleich ist eine der am meisten unterschätzten Maßnahmen bei der Wärmepumpe. Er kostet 400 bis 1.000 Euro, ist bei BEG-Förderung Pflicht und steigert die JAZ um 0,2 bis 0,5 Punkte. Das klingt wenig, spart aber 50 bis 150 Euro Strom pro Jahr. Trotzdem lassen ihn viele Installateure nur oberflächlich machen oder überspringen ihn ganz. Ein Fehler, der über die Laufzeit der WP teuer wird.
Was der hydraulische Abgleich ist
Jeder Heizkörper oder Heizkreis in der Fußbodenheizung braucht eine bestimmte Wassermenge, um den Raum auf die gewünschte Temperatur zu bringen. Ohne Abgleich bekommt der nächste Heizkörper am meisten Wasser (weil er den geringsten Strömungswiderstand hat) und der entfernteste am wenigsten. Ergebnis: Die Räume nahe der Heizung sind zu warm, die entfernten zu kalt.
Beim hydraulischen Abgleich werden an jedem Heizkörperventil und jedem Fußbodenheizungs-Verteiler die Durchflussmengen so eingestellt, dass jeder Raum genau die Wärmemenge bekommt, die er braucht. Nicht mehr, nicht weniger.
Warum er für die Wärmepumpe besonders wichtig ist
Bei einer Gasheizung konnte man den fehlenden Abgleich kaschieren, indem man die Vorlauftemperatur einfach hochdreht. Der Raum mit dem zu kleinen Heizkörper wird trotzdem warm, und der mit dem zu großen eben zu warm (Fenster auf).
Bei einer Wärmepumpe kostet jedes Grad mehr Vorlauf 2,5 Prozent Effizienz. Wer die Vorlauftemperatur von 45 auf 50 Grad hochdrehen muss, weil ein Raum sonst nicht warm wird, verliert 12,5 Prozent JAZ. Das sind bei 15.000 kWh Heizwärmebedarf und 25 Cent Strompreis rund 130 Euro pro Jahr. Jedes Jahr.
Der Abgleich sorgt dafür, dass die Vorlauftemperatur auf dem Minimum bleiben kann, weil alle Räume gleichmäßig versorgt werden. Das ist der effizienteste Betriebspunkt der WP.
Verfahren A und B
Es gibt zwei Varianten des hydraulischen Abgleichs:
Verfahren A: Schätzverfahren. Der Installateur berechnet die benötigte Wassermenge pro Raum anhand von Erfahrungswerten und stellt die Ventile entsprechend ein. Schneller, billiger (400 bis 600 Euro), aber weniger genau.
Verfahren B: Raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831, daraus Berechnung der exakten Durchflussmengen pro Heizkreis. Genauer, teurer (600 bis 1.000 Euro), und seit 2023 bei BEG-Förderung verpflichtend.
Verfahren B liefert bessere Ergebnisse, weil es auf der tatsächlichen Heizlast jedes Raums basiert, nicht auf Schätzungen. Da die Heizlastberechnung für die WP-Dimensionierung ohnehin gemacht wird, fallen die Zusatzkosten gering aus.
Was der Installateur macht
Er berechnet für jeden Raum die Heizlast (wie viel Watt der Raum braucht) und die Wassermenge (wie viel Liter pro Stunde durch den Heizkörper oder den FBH-Kreis fließen müssen, um die Heizlast zu decken).
Dann stellt er an jedem Heizkörperventil den berechneten Durchfluss ein. Bei voreinstellbaren Thermostatventilen (heute Standard) dreht er den Voreinstellwert auf die berechnete Stufe. Bei Fußbodenheizungen stellt er die Durchflussmenge an den Abgleichventilen des Verteilers ein.
Danach prüft er das Ergebnis: Stimmen die Rücklauftemperaturen? Sind die Volumenströme korrekt? Wird jeder Raum gleichmäßig warm?
Das Ganze dauert 2 bis 4 Stunden für ein Einfamilienhaus mit 8 bis 12 Heizkörpern oder Heizkreisen.
Kosten und Förderung
400 bis 1.000 Euro, je nach Verfahren und Gebäudegröße. Bei Verfahren B inklusive Heizlastberechnung: 600 bis 1.200 Euro (wenn die Heizlastberechnung noch nicht vorliegt).
Die Kosten sind über die BEG förderfähig. Bei 55 Prozent Fördersatz zahlt man effektiv 270 bis 540 Euro. Bei 70 Prozent: 120 bis 300 Euro.
Typische Fehler
Gar kein Abgleich gemacht, aber auf der BnD als „durchgeführt“ angegeben. Kommt vor, besonders bei gestressten Installateuren. Der Kunde merkt es erst, wenn Räume ungleichmäßig warm werden.
Abgleich nach Verfahren A, obwohl Verfahren B gefordert ist. Bei BEG-Förderung ist seit 2023 Verfahren B Pflicht. Ein Abgleich nach Verfahren A kann zur Rückforderung der Förderung führen.
Abgleich einmalig gemacht und nie überprüft. Nach dem ersten Winter sollte nachjustiert werden, weil sich das Heizverhalten der Bewohner im Betrieb zeigt und kleine Korrekturen nötig sein können.
Selbst kontrollieren
Man kann den Abgleich nicht selbst machen, aber kontrollieren. Wenn nach dem Abgleich alle Räume bei gleicher Thermostat-Einstellung ungefähr gleich warm werden und der Rücklauf aller Heizkörper ähnliche Temperaturen hat (Handprobe: alle Rücklaufrohre gleich warm), ist der Abgleich wahrscheinlich in Ordnung. Wenn ein Raum deutlich kälter oder wärmer ist als die anderen, nachfragen und nachjustieren lassen.







