Eine Hochtemperatur-Wärmepumpe liefert Vorlauftemperaturen von 65 bis 75 Grad. Das reicht für alte, kleine Heizkörper und sogar für manche Altbau-Radiatoren, die bei der ursprünglichen Gasheizung mit 70 Grad liefen. Damit macht die HT-WP den Einbau einer Wärmepumpe auch in Häusern möglich, die für eine Standard-WP zu hohe Vorlauftemperaturen bräuchten.
Wann man sie braucht
Standard-Wärmepumpen liefern effizient bis 55 Grad Vorlauf, manche bis 60 Grad. Das reicht für Fußbodenheizungen (30 bis 35 Grad), für ausreichend große Heizkörper (45 bis 55 Grad) und für die meisten teilsanierten Altbauten.
Problematisch wird es bei unsanierten Altbauten mit kleinen Heizkörpern, hohen Räumen und schlechter Dämmung. Dort braucht das Heizsystem 60 bis 70 Grad, um die Räume warm zu bekommen. Eine Standard-WP muss dann an ihre Leistungsgrenze gehen, der Heizstab springt häufig ein, und die Effizienz bricht ein.
Die HT-WP schließt diese Lücke. Sie arbeitet mit einem mehrstufigen Kompressor oder einem Kaskadensystem, das auch bei hohen Vorlauftemperaturen noch akzeptable Effizienz liefert.
Effizienz im Vergleich
Bei 35 Grad Vorlauf: Standard-WP und HT-WP sind gleich effizient (COP 4,0 bis 5,0). Die HT-WP hat hier keinen Nachteil.
Bei 55 Grad Vorlauf: Standard-WP COP 2,5 bis 3,5. HT-WP COP 2,5 bis 3,5. Immer noch vergleichbar.
Bei 65 Grad Vorlauf: Standard-WP am Limit oder braucht Heizstab. HT-WP COP 2,0 bis 2,8.
Bei 70 Grad Vorlauf: Standard-WP kann das nicht. HT-WP COP 1,8 bis 2,5.
Ein COP von 2,0 klingt niedrig, aber selbst das ist noch besser als eine direkte Elektroheizung (COP 1,0) und ähnlich effizient wie ein alter Gaskessel (Nutzungsgrad 85 bis 90 Prozent), wenn man die steigenden CO2-Preise einrechnet.
Verfügbare Modelle 2026
Viessmann Vitocal 252-A: Monoblock, R290, bis 70 Grad Vorlauf. Einer der beliebtesten am Markt.
Vaillant aroTHERM plus: Monoblock, R290, bis 75 Grad. Sehr effizient auch bei hohen Vorlauftemperaturen.
Daikin Altherma 3 H HT: Split, R32, bis 70 Grad. Bewährtes Gerät, breites Leistungsspektrum.
Bosch Compress 7800i: Monoblock, R290, bis 70 Grad. Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.
Stiebel Eltron WPE-I: Premium, R290, bis 75 Grad. Sehr leise, hoher COP auch bei 65 Grad.
Die meisten dieser Geräte sind offiziell als „Standard-WP mit hoher Vorlauftemperatur“ positioniert, nicht explizit als „Hochtemperatur“. Die Grenze ist fließend. Entscheidend ist, was auf dem Datenblatt bei 65 und 70 Grad Vorlauf steht.
Kosten
HT-WP kosten 1.000 bis 2.000 Euro mehr als Standard-WP gleicher Leistung. Der Aufpreis kommt durch den leistungsstärkeren Kompressor und die aufwendigere Regelung.
Gesamt schlüsselfertig: 22.000 bis 37.000 Euro. Nach BEG-Förderung (55 bis 70 Prozent): 6.600 bis 16.650 Euro Eigenanteil.
Bessere Strategie: Erst dämmen, dann Standard-WP
Die HT-WP ist eine Lösung, aber selten die beste. In den meisten Fällen ist es wirtschaftlicher, erst die günstigsten Sanierungsmaßnahmen umzusetzen und dann eine Standard-WP einzubauen.
Heizkörper tauschen (3 bis 5 Stück): 1.500 bis 4.000 Euro. Senkt die Vorlauftemperatur um 5 bis 10 Grad. Dachdämmung nachrüsten: 5.000 bis 15.000 Euro. Senkt die Heizlast um 15 bis 25 Prozent. Kellerdecke dämmen: 2.000 bis 4.000 Euro. Senkt die Heizlast um 5 bis 10 Prozent. Fenster tauschen: 8.000 bis 15.000 Euro. Senkt die Heizlast um 10 bis 20 Prozent.
Schon Heizkörpertausch plus Dachdämmung (zusammen 6.500 bis 19.000 Euro, teilweise über BEG oder KfW förderfähig) reichen oft, um die Vorlauftemperatur von 65 auf 50 Grad zu senken. Dann reicht eine Standard-WP mit deutlich besserer Effizienz.
Die HT-WP lohnt sich vor allem dann, wenn eine Sanierung aktuell nicht möglich ist (Budget, Denkmalschutz, Logistik) und die Wärmepumpe trotzdem jetzt installiert werden soll. Oder als Zwischenlösung: HT-WP jetzt einbauen, in den nächsten Jahren schrittweise dämmen und Heizkörper tauschen, und irgendwann die Vorlauftemperatur senken, sodass die HT-WP dann bei niedrigerem (und effizienteren) Niveau läuft.
Zusammenfassung
Die HT-WP macht den Wärmepumpen-Betrieb auch bei 65 bis 75 Grad Vorlauf möglich. Die Effizienz ist niedriger als bei einer Standard-WP mit 35 bis 50 Grad Vorlauf, aber immer noch besser als eine alte Gasheizung bei steigenden CO2-Preisen. Wer kann, dämmt erst und baut dann eine Standard-WP ein. Wer nicht dämmen kann oder will, bekommt mit der HT-WP eine funktionierende Alternative.







