Die Heizkurve ist die billigste Effizienz-Maßnahme bei der Wärmepumpe. Sie kostet nichts, dauert 30 Minuten am Regler, und kann die Stromkosten um 5 bis 15 Prozent senken. Trotzdem läuft die Mehrheit aller Wärmepumpen mit einer zu hoch eingestellten Heizkurve, weil der Installateur auf Nummer sicher gegangen ist. Das ist verständlich, aber teuer.
Was die Heizkurve macht
Die Heizkurve steuert die Vorlauftemperatur in Abhängigkeit von der Außentemperatur. Je kälter draußen, desto wärmer der Vorlauf. Je wärmer draußen, desto kühler der Vorlauf. Irgendwann, meistens bei 15 bis 18 Grad Außentemperatur, schaltet die Heizung ganz ab.
Die Kurve hat zwei einstellbare Parameter: Die Steilheit (auch „Neigung“ oder „Slope“) bestimmt, wie stark die Vorlauftemperatur auf Außentemperaturänderungen reagiert. Die Parallelverschiebung (auch „Niveau“ oder „Offset“) verschiebt die gesamte Kurve nach oben oder unten.
Beispiel: Steilheit 0,8 und Parallelverschiebung 0 ergibt: Bei 10 Grad außen: 32 Grad Vorlauf. Bei 0 Grad außen: 40 Grad. Bei minus 10 Grad: 48 Grad. Das passt für ein gut gedämmtes Haus mit Fußbodenheizung.
Steilheit 1,2 und Parallelverschiebung plus 3 ergibt: Bei 10 Grad außen: 38 Grad. Bei 0 Grad: 50 Grad. Bei minus 10 Grad: 62 Grad. Das wäre für einen unsanierten Altbau mit kleinen Heizkörpern.
Warum die Ersteinstellung meistens zu hoch ist
Der Installateur stellt die Heizkurve bei der Inbetriebnahme ein. Er will, dass der Kunde zufrieden ist und nicht anruft, weil Räume kalt bleiben. Also stellt er die Kurve lieber 3 bis 5 Grad zu hoch ein als zu niedrig. Das ist nachvollziehbar, kostet aber 5 bis 15 Prozent Effizienz.
Bei 5 Grad zu hoher Vorlauftemperatur über die gesamte Heizperiode: 12,5 Prozent mehr Strom. Bei 4.000 kWh Jahresverbrauch und 25 Cent: 125 Euro pro Jahr. Jedes Jahr, solange die Kurve falsch steht.
So optimierst du die Heizkurve selbst
Am Regler der WP oder in der App: Steilheit und Parallelverschiebung in kleinen Schritten absenken. Nicht alles auf einmal, sondern schrittweise über mehrere Tage.
Schritt 1: Die Parallelverschiebung um 1 Grad senken. Zwei Tage warten und beobachten, ob alle Räume warm werden. Wenn ja, nochmal um 1 Grad senken. Wiederholen, bis ein Raum merklich zu kühl wird. Dann um 1 Grad zurück.
Schritt 2: Die Steilheit um 0,1 senken. Wieder zwei Tage warten, beobachten, bei Bedarf zurückdrehen.
Das Ziel: Die niedrigste Heizkurve finden, bei der alle Räume bei der kältesten zu erwartenden Außentemperatur noch die Wunschtemperatur erreichen. Nicht mehr, nicht weniger.
Am besten macht man das in der Übergangszeit (Oktober/November) und justiert dann im Januar/Februar nochmal nach, wenn die kältesten Tage kommen.
Typische Heizkurven-Einstellungen
Gut gedämmter Neubau mit FBH: Steilheit 0,5 bis 0,7. Parallelverschiebung 0 bis minus 2.
Teilsanierter Altbau mit FBH: Steilheit 0,7 bis 1,0. Parallelverschiebung 0 bis plus 2.
Teilsanierter Altbau mit großen Heizkörpern: Steilheit 0,8 bis 1,2. Parallelverschiebung plus 2 bis plus 5.
Unsanierter Altbau mit kleinen Heizkörpern: Steilheit 1,0 bis 1,5. Parallelverschiebung plus 5 bis plus 10.
Diese Werte sind Ausgangspunkte. Jedes Haus ist anders, und die optimale Kurve findet man nur durch Ausprobieren.
Häufige Fehler
Parallelverschiebung hochdrehen statt Steilheit anpassen. Wenn ein Raum nur bei minus 5 Grad zu kalt wird, braucht man eine steilere Kurve, nicht eine höhere Parallelverschiebung. Höhere Parallelverschiebung heißt: Auch an milden Tagen zu hoher Vorlauf.
Nachtabsenkung mit Fußbodenheizung. Die FBH reagiert so träge, dass eine Nachtabsenkung morgens zum Aufheizbedarf mit hoher Vorlauftemperatur führt. Keine Absenkung und durchgehend niedrige Vorlauftemperatur ist bei FBH meistens effizienter.
Nach einer Kältewelle die Kurve dauerhaft hochdrehen. Drei Tage mit minus 15 Grad sind kein Grund, die Kurve für den Rest des Winters auf minus-15-Grad-Niveau stehen zu lassen. Die Kurve regelt automatisch nach Außentemperatur. Nur wenn es bei minus 15 Grad nicht warm genug wird, die Steilheit leicht erhöhen.
Heizkurve und Einzelraumregelung
Bei Fußbodenheizung mit Einzelraumregelung (Raumthermostate, die einzelne Heizkreise öffnen und schließen) gibt es ein Zusammenspiel: Wenn die Heizkurve optimal eingestellt ist, sollten die Raumthermostate fast immer offen sein. Wenn Thermostate ständig schließen, ist die Vorlauftemperatur zu hoch.
Ein Raumthermostat, das den Heizkreis bei 21 Grad schließt, obwohl die Wunschtemperatur 21 Grad ist, zeigt: Der Vorlauf ist genau richtig. Wenn es bei 23 Grad schließt, ist der Vorlauf zu hoch. Dann die Heizkurve senken.
Manche WP-Regler haben eine Raumtemperatur-Kompensation (Raumfühler im Referenzraum). Die Regelung passt die Vorlauftemperatur dann nicht nur nach Außentemperatur, sondern auch nach tatsächlicher Raumtemperatur an. Das ist die genaueste Methode, braucht aber einen korrekt platzierten Raumfühler (Innenwand, 1,5 Meter Höhe, keine direkte Sonne).







