Nicht alle Heizkörper taugen für den WP-Betrieb. Manche sind zu klein und schaffen die nötige Wärmeleistung nur mit 65 Grad Vorlauf. Die gute Nachricht: Meistens müssen nicht alle getauscht werden, sondern nur 2 bis 4 kritische. Und es gibt Alternativen zum kompletten Tausch, die günstiger sind.
Wann Heizkörper getauscht werden müssen
Die raumweise Heizlastberechnung zeigt, welcher Raum wie viel Wärme braucht und ob der vorhandene Heizkörper das bei 45 bis 50 Grad Vorlauf liefern kann. Wenn nicht, muss der Heizkörper größer werden.
Typisch problematisch sind: Badezimmer (hohe Wunschtemperatur 24 Grad, oft kleiner Handtuchheizkörper). Wohnzimmer (großer Raum, viel Fensterfläche, oft nur ein Heizkörper unter dem Fenster). Schlafzimmer im Dachgeschoss (Dachschräge, schlechte Dämmung, kleiner Heizkörper).
In den meisten Altbauten sind 60 bis 80 Prozent der Heizkörper ausreichend dimensioniert, weil die Heizungsbauer früher großzügig planten und das Haus seit dem Einbau teilweise saniert wurde (neue Fenster, Dachdämmung). Nur die 2 bis 4 knappsten Räume brauchen Aufmerksamkeit.
Option 1: Größeren Heizkörper einbauen
Einen Typ-22-Heizkörper (zwei Platten, zwei Konvektionsbleche) durch einen Typ-33 (drei Platten, drei Konvektionsbleche) ersetzen: Bei gleicher Baulänge und Bauhöhe liefert der Typ 33 rund 50 Prozent mehr Wärme. Damit sinkt die benötigte Vorlauftemperatur für diesen Raum um 5 bis 8 Grad.
Kosten pro Heizkörper: 200 bis 500 Euro Gerät plus 100 bis 300 Euro Montage. Bei 3 Heizkörpern: 900 bis 2.400 Euro gesamt.
Alternativ: Einen längeren Heizkörper einbauen. Statt 100 cm einen 160 cm breiten. Mehr Fläche, mehr Wärme bei gleicher Vorlauftemperatur. Braucht aber Platz an der Wand.
Option 2: Niedertemperatur-Heizkörper mit Lüfter
Konvektoren mit integriertem Mini-Ventilator (Jaga, Purmo, Kermi) erzwingen eine stärkere Luftzirkulation und geben bei 35 bis 45 Grad Vorlauf die gleiche Wärme ab wie ein klassischer Heizkörper bei 60 Grad. Der Ventilator verbraucht 3 bis 10 Watt (vernachlässigbar) und ist bei 20 bis 30 dB(A) kaum hörbar.
Kosten: 500 bis 1.200 Euro pro Stück installiert. Teurer als ein normaler Heizkörper, aber die Vorlauftemperatur sinkt drastisch.
Option 3: Fußbodenheizung im einzelnen Raum nachrüsten
Im Badezimmer (8 bis 12 Quadratmeter) eine Dünnbett-FBH nachrüsten: 15 bis 20 mm Aufbauhöhe, kein neuer Estrich nötig. Kosten: 70 bis 120 Euro pro Quadratmeter, also 560 bis 1.440 Euro für ein Bad. Dazu kommt der neue Bodenbelag (Fliesen auf der FBH).
Im Wohnzimmer eine FBH nachzurüsten ist aufwendiger und teurer (30 bis 40 Quadratmeter, 2.100 bis 4.800 Euro, plus Bodenbelag). Das lohnt sich nur, wenn man sowieso den Boden erneuert.
Option 4: Nichts tauschen, höhere Vorlauftemperatur akzeptieren
Wenn die Heizlastberechnung zeigt, dass 55 Grad Vorlauf reichen und die WP das liefern kann (HT-WP oder Standard-WP an der oberen Grenze), muss man nichts tauschen. Die JAZ liegt dann bei 2,8 bis 3,2 statt 3,5 bis 4,0 mit optimierter Vorlauftemperatur. Das kostet 100 bis 200 Euro mehr Strom pro Jahr, spart aber die Investition in neue Heizkörper.
Die Entscheidung: 1.500 Euro in Heizkörper investieren und 200 Euro pro Jahr weniger Strom zahlen. Amortisation: 7 bis 8 Jahre. Oder die 1.500 Euro sparen und den höheren Strom akzeptieren. Beide Wege sind vertretbar.
Worauf beim Kauf achten
Bauhöhe und Baulänge: Muss zum vorhandenen Platz passen. Wenn unter dem Fenster nur 50 cm Höhe und 100 cm Breite sind, passt kein 70 cm hoher Heizkörper.
Anschlussart: Seitlicher oder unterer Anschluss. Muss zum bestehenden Rohranschluss passen, sonst muss umgebaut werden (Zusatzkosten 100 bis 200 Euro).
Wärmeleistung bei niedrigem Vorlauf: Auf dem Datenblatt steht die Leistung bei 75/65/20 (Standard). Für WP-Betrieb zählt die Leistung bei 50/40/20 oder 45/35/20. Die steht meistens in einer separaten Tabelle oder muss beim Hersteller angefragt werden.
Farbe und Design: 2026 gibt es Heizkörper in allen Formen und Farben. Wer gleichzeitig renoviert, kann den Heizkörper als Designelement nutzen.
Heizkörper und hydraulischer Abgleich
Nach dem Tausch einzelner Heizkörper muss der hydraulische Abgleich neu gemacht werden. Die neuen Heizkörper haben einen anderen Durchflusswiderstand als die alten, und die Durchflussmengen im gesamten System verschieben sich. Den Abgleich gleich im Rahmen der WP-Installation mitmachen lassen.







