IHK und HWK Leipzig stellen Ergebnisse der Standortbefragung vor: Stabile Bewertung trotz schwieriger Wirtschaftslage
Grimma bleibt ein stabiler Wirtschaftsstandort – auch in herausfordernden Zeiten. Das zeigen die aktuellen Ergebnisse der Standortzufriedenheitsbefragung der Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Handwerkskammer (HWK) zu Leipzig. Trotz angespannter wirtschaftlicher Lage und globaler Unsicherheiten bewerten die befragten Unternehmen ihre Stadt insgesamt mit der Durchschnittsnote „befriedigend“ (3,0) – und damit nahezu identisch wie bei der letzten Erhebung 2019.
„Das ist angesichts der wirtschaftlichen Turbulenzen der vergangenen Jahre ein beachtliches Ergebnis“, sagte Dr. Gert Ziener, Geschäftsführer Grundsatzfragen der IHK zu Leipzig, bei der Präsentation im Grimmaer Rathaus. Gemeinsam mit Christian Likos, Hauptabteilungsleiter Wirtschaft und Recht der HWK Leipzig, überreichte er die Ergebnisse an Oberbürgermeister Tino Kießig.
Stärken im Alltag: Grimma punktet mit Lebensqualität und Versorgungssicherheit
Die Analyse zeigt deutlich, dass Grimma vor allem als lebenswerter Standort überzeugt. Die befragten Unternehmen lobten insbesondere die hohe Umweltqualität, die guten Freizeit-, Kultur- und Sportangebote sowie das positive Image der Stadt. Auch die Kinderbetreuung sowie die verlässliche Stromversorgung erhielten Top-Bewertungen.
„Grimma bietet Fachkräften und ihren Familien ein attraktives Umfeld“, betonte Likos. „Gerade die Lebensqualität ist ein zentraler Faktor, um neue Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten.“ Auch die Verfügbarkeit von Parkplätzen und Anlieferzonen zählt zu den Pluspunkten des Standorts. Diese Faktoren schaffen eine solide Grundlage, um Unternehmen langfristig zu binden und Neuansiedlungen zu fördern.
Herausforderungen bleiben: Fachkräfte, Digitalisierung und Kosten
Trotz stabiler Gesamtbewertung zeigt die Befragung auch deutliche Schwachstellen. Große Sorge bereitet vielen Betrieben weiterhin die Fachkräftesituation: Die Verfügbarkeit von qualifizierten Facharbeitern und Meistern wurde als einer der schwächsten Faktoren genannt. Auch die Kostenstruktur, insbesondere bei Gewerbesteuern, Wasser-/Abwassergebühren und Strompreisen, wird kritisch gesehen.
Ein weiterer Knackpunkt bleibt die digitale Infrastruktur. Zwar erkennen über 85 Prozent der Unternehmen die hohe Relevanz von Breitbandanbindung und Mobilfunknetz an, die Zufriedenheit mit der tatsächlichen Qualität und Verfügbarkeit fällt jedoch deutlich geringer aus. „Die digitale Lücke bleibt eine der größten Herausforderungen für Grimma – und sie muss dringend geschlossen werden, wenn der Standort zukunftsfähig bleiben soll“, betonte Ziener.
Digitalisierung und Infrastruktur: Handlungsbedarf bleibt groß
Die Ergebnisse machen deutlich, dass vor allem die digitale Infrastruktur künftig stärker in den Fokus rücken muss. Hier sieht die Wirtschaft erheblichen Nachholbedarf. Zwar befindet sich der Breitbandausbau laut Oberbürgermeister Kießig bereits „im gesamten Gemeindegebiet in vollem Gange“, doch der Fortschritt müsse sich auch spürbar in der Praxis zeigen. „Ich gehe davon aus, dass damit der Wert der Zufriedenheit bei der nächsten Umfrage deutlich besser ausfallen wird“, so Kießig.
Zudem setzt die Stadt auf eine bessere Verkehrsanbindung: Ab Ende 2026 soll Grimma an das Leipziger S-Bahn-Netz angeschlossen werden – ein wichtiger Schritt, um Pendlerströme zu entlasten und die Attraktivität für Fachkräfte weiter zu steigern.
Wirtschaft mahnt: Rahmenbedingungen verbessern, Chancen nutzen
Sowohl IHK als auch HWK fordern, dass Politik und Verwaltung die Ergebnisse der Studie als Arbeitsauftrag verstehen. „Die schlechten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in ganz Deutschland werfen weite Schatten – auch auf unsere Region“, erklärte Ziener. „Umso wichtiger ist es, lokale Stärken gezielt zu fördern und Schwächen aktiv anzugehen.“
Mit Blick auf die erwarteten Bundesmittel aus dem „Sondervermögen Infrastruktur“ appellierte er an die Kommunen, „strategische Projekte mit echtem Wertschöpfungspotenzial“ umzusetzen. Likos ergänzte: „Wir rufen Landes- und Kommunalpolitik dazu auf, gemeinsam mit der Wirtschaft nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Die Kammern stehen bereit, diesen Prozess konstruktiv zu begleiten.“
Grimma bleibt attraktiv – doch Zukunft braucht gemeinsames Handeln
Trotz mancher Kritikpunkte bleibt Grimma laut Umfrage ein attraktiver Wirtschaftsstandort mit starker Lebensqualität. Das Potenzial, Fachkräfte anzuziehen und innovative Unternehmen zu halten, ist vorhanden – doch es muss weiter ausgebaut werden.
„Unsere sehr gut ausgebaute soziale Infrastruktur wird von den Unternehmen als echter Pluspunkt erkannt“, betonte Oberbürgermeister Kießig. „Das ist ein entscheidender Standortvorteil – gerade im Wettbewerb um Fachkräfte.“ Jetzt gelte es, den begonnenen Weg konsequent fortzusetzen, den Ausbau der digitalen und verkehrlichen Infrastruktur zu beschleunigen und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen zu verbessern.
Quelle: https://www.leipzig.ihk.de/artikel/grimma-punktet-mit-gutem-image-und-attraktivem-lebensumfeld/











