Fensterkitt ist die traditionelle Wahl zum Verglasen von Holzfenstern. Silikon ist moderner, flexibler und haftet auch auf Kunststoff und Metall. Für historische Holzfenster und Denkmalschutz ist Kitt oft Pflicht. Für moderne Fenster, Fugen und Anschlüsse ist Silikon die bessere Lösung. Beide Materialien haben ihre Stärken, und im Altbau begegnest du beiden.
Fensterkitt: Wann er sinnvoll ist
Fensterkitt (Leinölkitt) besteht aus Leinöl und Kreide (Calciumcarbonat). Er wird weich eingedrückt und härtet über Wochen bis Monate aus, indem das Leinöl oxidiert. Im ausgehärteten Zustand ist er hart, aber nicht elastisch.
Vorteile
- Traditionelles Material, passend für historische Fenster
- Kann überstrichen werden (Silikon nicht ohne Spezialprimer)
- Lässt sich bei Bedarf herausstemmen und erneuern
- Keine chemischen Lösungsmittel, geruchsarm
- Im Denkmalschutz oft vorgeschrieben
Nachteile
- Härtet langsam aus (4 bis 8 Wochen bis zur Streichfähigkeit)
- Wird mit den Jahren spröde und rissig (muss nach 10 bis 20 Jahren erneuert werden)
- Haftet nur auf Holz und Glas, nicht auf Kunststoff oder Metall
- Nicht elastisch: Bei Holzbewegung (Quellen, Schwinden) reißt er
- Verarbeitung erfordert Übung
Wann Kitt die richtige Wahl ist
- Bei alten Holzfenstern mit Einfachverglasung, die im Originalzustand bleiben sollen
- Bei denkmalgeschützten Gebäuden, wo der Denkmalschutz Kitt vorschreibt
- Wenn die Fuge anschließend gestrichen werden soll (Kitt nimmt Farbe an, Silikon nicht)
- Bei Reparaturen an bestehenden Kittfugen (Teilbereiche ausbessern)
Silikon: Wann es die bessere Lösung ist
Silikon (Sanitär- oder Fenstersilikon) ist ein dauerelastisches Dichtmittel auf Basis von Silikonkautschuk. Es haftet auf Glas, Kunststoff, Metall und Holz und bleibt auch nach dem Aushärten flexibel.
Vorteile
- Dauerelastisch: passt sich Bewegungen an (Temperaturausdehnung, Holzbewegung)
- Haftet auf fast allen Oberflächen
- Wasser- und UV-beständig
- Härtet in 24 Stunden aus (Oberfläche), komplett in 3 bis 7 Tagen
- Langlebig: 15 bis 25 Jahre ohne Erneuerung
Nachteile
- Kann nicht überstrichen werden (Farbe haftet nicht auf Silikon). Ausnahme: Spezielle überstreichbare Silikone oder Hybrid-Dichtstoffe.
- Lässt sich schwerer sauber entfernen als Kitt
- Riecht beim Aushärten nach Essig (Acetat-Silikon) oder ist geruchlos (Neutral-Silikon, teurer)
- Optisch modern, passt nicht zu jedem Altbau
Wann Silikon die richtige Wahl ist
- Bei modernen Kunststoff- oder Alufenstern
- Für Fugen zwischen Fensterrahmen und Mauerwerk (Anschlussfuge)
- Im Sanitärbereich (Dusche, Badewanne, Waschbecken)
- Wenn Langlebigkeit wichtiger ist als Übermalbarkeit
- Bei Isolierverglasungen (Kitt ist zu starr für Mehrfachglas)
Vergleichstabelle
| Eigenschaft | Fensterkitt | Silikon |
|---|---|---|
| Elastizität | Starr nach Aushärtung | Dauerelastisch |
| Aushärtezeit | 4–8 Wochen | 24 Stunden (Oberfläche) |
| Haltbarkeit | 10–20 Jahre | 15–25 Jahre |
| Überstreichbar | Ja | Nein (Ausnahmen möglich) |
| Haftet auf Holz | Ja | Ja |
| Haftet auf Kunststoff | Nein | Ja |
| Haftet auf Metall | Nein | Ja |
| Denkmalschutz | Oft vorgeschrieben | Meist nicht erlaubt |
| Preis | 5–10 Euro/kg | 3–8 Euro/Kartusche |
| Verarbeitung | Mit Kittmesser, braucht Übung | Mit Kartuschenpresse, einfacher |
- Alten Kitt mit einem Stechbeitel oder Heißluftföhn entfernen. Vorsichtig arbeiten, Glas nicht beschädigen.
- Falz reinigen: Staub, lose Farbreste und alte Kittreste entfernen.
- Holz grundieren: Den nackten Holzfalz mit Leinöl oder Holzprimer streichen. Ohne Grundierung zieht das Holz das Öl aus dem Kitt und er wird spröde.
- Kitt durchkneten bis er geschmeidig ist (Konsistenz wie Knetmasse).
- Kitt als Strang in den Falz drücken. Mit einem angefeuchteten Kittmesser glattstreichen und auf 45 Grad abschrägen.
- 4 bis 8 Wochen trocknen lassen, dann überstreichen.
Silikon verarbeiten
- Oberflächen reinigen: Staub, Fett und alte Dichtmasse entfernen. Silikonentferner für alte Silikonreste verwenden.
- Haftgrund: Auf porösen Untergründen (Putz, Beton) Silikon-Primer auftragen.
- Abkleben: Malerkrepp links und rechts der Fuge aufkleben (3 mm Abstand zur Fugenbreite).
- Silikon mit der Kartuschenpresse in die Fuge spritzen. Gleichmäßiger Druck, ohne Unterbrechung.
- Sofort glätten: Mit angefeuchtetem Finger oder Fugenglätter die Fuge in einem Zug abziehen.
- Kreppband sofort entfernen, bevor das Silikon anzieht.
- 24 Stunden nicht berühren.
Dritte Option: Hybrid-Dichtstoff
Wer die Vorteile beider Welten will: Hybrid-Dichtstoffe (z.B. auf MS-Polymer-Basis) sind elastisch wie Silikon, aber überstreichbar wie Kitt. Sie haften auf fast allen Oberflächen und sind geruchlos. Preis: 6 bis 12 Euro pro Kartusche. Für die meisten Anwendungen am Fenster die praktischste Lösung.
Häufige Fragen
Kann ich Silikon über Fensterkitt auftragen?
Ja, wenn der alte Kitt trocken und fest ist. Lose Stellen vorher entfernen. Silikon haftet auf ausgehärtetem Kitt.
Kann ich Fensterkitt überstreichen?
Ja, nach 4 bis 8 Wochen Trockenzeit. Leinölfarbe oder Alkydlack verwenden. Dispersionsfarbe haftet schlecht auf Kitt.
Was ist besser für alte Holzfenster?
Für die Verglasung (Scheibe im Falz halten): Kitt, wenn es originalgetreu sein soll. Für die Anschlussfuge (Rahmen zu Mauerwerk): Silikon oder Hybrid-Dichtstoff.
Wie lange hält Fensterkitt?
Bei guter Verarbeitung und regelmäßigem Überstreichen 15 bis 20 Jahre. Ohne Anstrich wird er nach 5 bis 10 Jahren spröde und rissig.
Fazit
Kitt für historische Holzfenster und dort, wo überstrichen werden muss. Silikon für alles andere: moderne Fenster, Fugen, Sanitär. Wer sich nicht entscheiden kann: Hybrid-Dichtstoff auf MS-Polymer-Basis kombiniert Elastizität und Überstreichbarkeit. In den meisten Fällen ist das die pragmatischste Lösung.







