Funktioniert eine Wärmepumpe im unsanierten Altbau? Im Internet findet man beides: Begeisterte Besitzer, die 40 Prozent Heizkosten sparen, und enttäuschte, deren Stromrechnung durch die Decke geht. Die Wahrheit liegt dazwischen, und sie hängt fast immer von denselben Faktoren ab: Dimensionierung, Vorlauftemperatur und Einstellung.
Was in der Praxis passiert
Die HTW Berlin wertet im Wärmepumpen-Monitoring regelmäßig Realdaten aus. Die Ergebnisse bestätigen: Luft-WP in Altbauten mit Heizkörpern erreichen im Feld eine JAZ von 2,5 bis 3,5. Das ist weniger als im Neubau mit FBH (3,5 bis 4,5), aber wirtschaftlich trotzdem besser als Gas.
Die Bandbreite ist groß, und sie korreliert weniger mit dem Gerät als mit der Installation. Gut installierte Mittelklasse-WP mit korrektem Abgleich und optimierter Heizkurve schlagen schlecht installierte Premium-WP um 0,5 bis 1,0 JAZ-Punkte.
Typische Altbau-Szenarien
Baujahr 1960er, teilsaniert (neue Fenster 2010, Dachdämmung 2015), 160 Quadratmeter, originale Heizkörper, vorher Gasheizung. Luft-WP Monoblock 10 kW, R290. Vorlauftemperatur: 48 Grad. JAZ nach dem ersten Jahr: 3,2. Stromverbrauch: 5.100 kWh. Kosten mit WP-Tarif: 1.275 Euro. Vorher Gas: 1.850 Euro plus 190 Euro Nebenkosten. Ersparnis: 765 Euro pro Jahr. Der Besitzer ist zufrieden und plant, im nächsten Jahr drei Heizkörper tauschen zu lassen, um die Vorlauftemperatur auf 42 bis 44 Grad zu drücken.
Baujahr 1930er, unsaniert, 200 Quadratmeter, originale Gussheizkörper, vorher Ölheizung mit 3.000-Liter-Erdtank. Luft-WP 14 kW. Vorlauftemperatur: 58 Grad. JAZ: 2,6. Stromverbrauch: 8.500 kWh. Kosten: 2.125 Euro. Vorher Öl: 2.800 Euro plus 250 Euro Nebenkosten. Ersparnis: 925 Euro. Weniger effizient als im sanierten Haus, aber die Öl-Ersparnis ist trotzdem groß, weil Öl teuer ist. Der Besitzer überlegt, Dachdämmung und Fenster in den nächsten 3 Jahren nachzuholen.
Baujahr 1970er, teilsaniert, 140 Quadratmeter, FBH im EG (nachgerüstet 2018), Heizkörper im OG. Erdwärme-WP 8 kW. Vorlauftemperatur: 42 Grad. JAZ: 4,1. Stromverbrauch: 3.400 kWh. Kosten: 850 Euro. Vorher Gas: 1.600 Euro plus 190 Euro. Ersparnis: 940 Euro. Höchste JAZ, weil Erdwärme und teilweise FBH.
Was die erfolgreichen Fälle gemeinsam haben
Die Heizlast wurde berechnet, nicht geschätzt. Die WP-Größe passt zum Haus. Ein hydraulischer Abgleich wurde gemacht. Die Heizkurve wurde nach der Inbetriebnahme optimiert (meistens 3 bis 5 Grad nach unten korrigiert). Und der Installateur hatte Erfahrung mit WP in Altbauten, nicht nur mit Neubauten.
Was die enttäuschenden Fälle gemeinsam haben
WP ohne Heizlastberechnung dimensioniert. Oft zu groß (taktet ständig) oder zu klein (Heizstab springt ständig ein). Kein hydraulischer Abgleich, deshalb Vorlauftemperatur höher als nötig. Heizkurve auf der Werkeinstellung belassen (meistens 5 bis 8 Grad zu hoch). Und manchmal einfach falsche Erwartungen: Wer eine JAZ von 4,0 im unsanierten Altbau mit 60 Grad Vorlauf erwartet, wird enttäuscht.
Die ehrliche Einschätzung
Eine Wärmepumpe im unsanierten Altbau ist kein Selbstläufer. Sie funktioniert, aber mit Abstrichen bei der Effizienz. Die JAZ liegt bei 2,5 bis 3,0, die Stromkosten sind höher als im Neubau, und der Vorteil gegenüber Gas ist kleiner (aber vorhanden).
In einem teilsanierten Altbau (neue Fenster, Dach gedämmt) sieht es deutlich besser aus: JAZ 3,0 bis 3,5, klarer Kostenvorteil gegenüber Gas, und mit ein paar gezielten Maßnahmen (Heizkörpertausch, Abgleich, Heizkurve) kommt man auf 3,5 und mehr.
Wer einen komplett unsanierten Altbau hat und sich fragt, ob eine WP das Richtige ist: Ja, wenn man bereit ist, zumindest die günstigsten Sanierungsmaßnahmen (Kellerdecke, Dach) parallel umzusetzen. Nein, wenn man erwartet, ohne jede Sanierung die gleiche Effizienz wie im Neubau zu erreichen.
Was man vor dem Einbau im Altbau klären sollte
Heizlastberechnung machen lassen (300 bis 800 Euro). Sie zeigt, wie groß die WP sein muss und welche Vorlauftemperatur nötig ist. Ohne diese Zahl ist alles Spekulation.
Den Installateur fragen, wie viele Altbau-WP er in den letzten 12 Monaten installiert hat. Unter 5: zu wenig Erfahrung. Über 15: gut.
Prüfen, ob einzelne Heizkörper getauscht werden müssen (meistens Bad und Wohnzimmer). Die Kosten dafür (600 bis 2.400 Euro) gehören in die Gesamtkalkulation.
Realistisch kalkulieren: JAZ 2,8 bis 3,2 im teilsanierten Altbau, 2,3 bis 2,8 im unsanierten. Die Stromkosten danach berechnen und mit den bisherigen Gaskosten vergleichen. In fast allen Fällen ist die WP günstiger, aber der Abstand ist im unsanierten Altbau kleiner.







