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DIHK legt brisante Analyse vor
Die aktuelle Ausgestaltung der Energiewende könnte Deutschland bis 2050 zwischen 4,8 und 5,4 Billionen Euro kosten – eine Summe, die Unternehmen wie Privathaushalte massiv belastet. Das ist das zentrale Ergebnis der neuen Studie „Neue Wege für die Energiewende (‚Plan B‘)“, die die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) bei der Wirtschaftsberatung Frontier Economics in Auftrag gegeben hat. „Die Zahlen zeigen: Mit der aktuellen Politik ist die Energiewende nicht zu stemmen“, warnt DIHK-Präsident Peter Adrian.
Private Investitionen müssten drastisch steigen
Die Berechnungen der Studie machen deutlich, wie groß die Herausforderung ist. Schon heute investieren Unternehmen und Haushalte jährlich rund 82 Milliarden Euro in die Sektoren Energie, Industrie, Gebäude und Verkehr. Setzt die Politik ihren derzeitigen Kurs fort, werden diese Investitionen bis 2035 auf 113 bis 316 Milliarden Euro pro Jahr steigen müssen. Zum Vergleich: Die gesamten privaten Investitionen in Deutschland beliefen sich 2024 auf etwa 770 Milliarden Euro. Ein Zuwachs von bis zu 41 Prozent wäre notwendig – ein kaum realisierbares Szenario.
Energiesystemkosten als Belastungsfaktor
Besonders schwer wiegen die langfristigen Energiesystemkosten, zu denen Investitionen in Kraftwerke, Netze, Energieimporte und laufende Betriebskosten gehören. Für den Zeitraum von 2025 bis 2049 summieren sich diese Kosten laut Studie auf bis zu 5,4 Billionen Euro. Allein auf Energieimporte entfallen dabei bis zu 2,3 Billionen Euro, weitere 1,2 Billionen Euro auf Netzkosten und bis zu 1,5 Billionen Euro auf Investitionen in die Energieerzeugung. „Ein zu hoher Transformationsdruck mit unrealistischen Vorgaben führt zu steigenden Kosten und ineffizienten Strukturen“, so Adrian. Schon heute verlagerten energieintensive Unternehmen ihre Produktion ins Ausland – mit erheblichen Folgen für Arbeitsplätze und Wertschöpfung.
Kurswechsel in der Energiepolitik gefordert
Der DIHK-Präsident warnt eindringlich: „Wenn wir so weitermachen, gefährden wir nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes, sondern auch die Akzeptanz des Ziels Klimaneutralität.“ Die Energiewende sei nur mit einer starken, leistungsfähigen Wirtschaft möglich. Nötig sei deshalb ein mutiger Kurswechsel, der Kosten senkt, Innovationen zulässt und internationale Wettbewerbsfähigkeit sichert.
Studie zeigt Alternativen auf
Die von Frontier Economics erarbeitete Analyse liefert konkrete Vorschläge für eine effizientere und kostengünstigere Umsetzung. Kernstück ist ein umfassender CO₂-Zertifikatehandel, dessen Zielpfad regelmäßig an internationale Entwicklungen angepasst wird. Zudem schlägt die Studie vor, die vorhandene Energieinfrastruktur – etwa Gasnetze – weiterzunutzen, um künftig auch Wasserstoff und klimaneutrales Erdgas transportieren zu können. Auch Carbon Capture and Storage (CCS) und internationale Klimaschutzprojekte sollen stärker berücksichtigt werden. Insgesamt ließen sich durch diese Maßnahmen bis 2050 Einsparungen von bis zu 1 Billion Euro erzielen.
Bürokratie abbauen, Technologieoffenheit stärken
Neben den langfristigen Impulsen betont der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks die Bedeutung kurzfristiger Maßnahmen: „Wir brauchen eine übergreifende Netzplanung, den Abbau unnötiger Förderungen sowie eine technologieoffene Strategie, die auch Biomethan, blauen Wasserstoff oder dekarbonisiertes Erdgas einbezieht.“ Besonders hinderlich sei derzeit die kleinteilige Regulierung, die Unternehmen und Verbraucher überfordert. Dercks kritisiert: „Auf EU-Ebene hat der Green Deal zu einem Wildwuchs an Bürokratie geführt, den wir dringend zurückdrängen müssen.“ Auch in Deutschland müsse das Gebäudeenergiegesetz vereinfacht und die Effizienzgesetzgebung verschlankt werden.
Appell an die Bundesregierung
Für den DIHK ist klar: Noch in diesem Jahr stehen entscheidende Weichenstellungen an. „Um die Energiewende erfolgreich zu gestalten, muss sie flexibler, einfacher und technologieoffen werden“, so Dercks. Nur wenn Kosten gesenkt, Innovationen gefördert und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit erhalten bleiben, könne Deutschland das Ziel Klimaneutralität erreichen, ohne den Standort und den Wohlstand zu gefährden.









