Ein HEMS (Home Energy Management System) steuert, wann die Wärmepumpe läuft, wann der Speicher lädt und wann das E-Auto Strom bekommt. Ohne HEMS entscheidet jedes Gerät für sich. Mit HEMS arbeiten alle zusammen und nutzen den PV-Strom optimal. Die Ersparnis gegenüber einer Anlage ohne HEMS liegt bei 100 bis 400 Euro pro Jahr, je nach Systemgröße.
Was ein HEMS macht
Das HEMS misst in Echtzeit, wie viel Strom die PV-Anlage produziert und wie viel der Haushalt verbraucht. Wenn Überschuss da ist, verteilt es den Strom nach Priorität: Erst Haushalt, dann Wärmepumpe (SG Ready oder Modbus), dann Batteriespeicher, dann E-Auto (Wallbox), und nur der Rest geht ins Netz.
Wenn kein PV-Überschuss da ist (abends, nachts, Winter), entscheidet das HEMS, ob der Speicher entladen wird, ob der Netzstrom zum aktuellen Tarif günstig genug ist, oder ob die WP warten kann.
Bei einem dynamischen Stromtarif wird es noch spannender: Das HEMS kennt die Stundenpreise des Folgetags und plant den WP-Betrieb in die günstigsten Stunden. Warmwasser laden um 14 Uhr bei 8 Cent statt um 6 Uhr bei 35 Cent.
Welche HEMS es gibt
SMA Sunny Home Manager 2.0: Weit verbreitet, gute Integration mit SMA-Wechselrichtern und vielen WP-Marken über SG Ready. Kosten: 500 bis 700 Euro.
Fronius Wattpilot / Ohmpilot: Für Fronius-Wechselrichter, steuert WP über SG Ready und Heizstab über Ohmpilot. Im Fronius-Ökosystem gut integriert.
E3/DC Hauskraftwerk: All-in-one-Lösung mit Wechselrichter, Speicher und HEMS in einem Gerät. Teuer (15.000 bis 25.000 Euro), aber vollständig integriert.
Kostal KSEM (Kostal Smart Energy Meter): Für Kostal-Wechselrichter, misst Überschuss und steuert SG Ready.
Home Assistant (Open Source): Für technisch versierte Nutzer. Kostenlose Software, läuft auf einem Raspberry Pi oder Mini-PC. Kann über Modbus, SG Ready oder Hersteller-APIs fast jede WP steuern. Braucht Einrichtungsaufwand, ist dafür maximal flexibel.
Viessmann One Base / Vaillant sensoNET: Herstellereigene HEMS, die die eigene WP besonders gut steuern, aber auf das jeweilige Ökosystem beschränkt sind.
Was das HEMS bringt
Ohne HEMS (nur SG Ready, manuell eingestellt): PV-Eigenverbrauch 35 bis 45 Prozent. Die WP bekommt ein einfaches Signal (Überschuss ja/nein) und reagiert mit fester Temperaturerhöhung.
Mit HEMS: PV-Eigenverbrauch 45 bis 60 Prozent. Das HEMS verteilt den Strom intelligent zwischen WP, Speicher, E-Auto und Haushalt. Es berücksichtigt Wetterprognosen (morgen Sonne: Speicher heute Abend nicht aus dem Netz laden), Strompreise (dynamischer Tarif) und Nutzungsmuster.
Zusätzlicher Eigenverbrauch durch HEMS gegenüber einfachem SG Ready: 5 bis 15 Prozentpunkte. Bei 10.000 kWh PV-Ertrag: 500 bis 1.500 kWh mehr Eigenverbrauch. Ersparnis: 100 bis 350 Euro pro Jahr.
Kosten und Amortisation
Einfaches HEMS (SMA, Kostal): 500 bis 800 Euro plus Installation (100 bis 300 Euro). Amortisation: 2 bis 5 Jahre.
Integriertes HEMS (E3/DC): Im Gerätepreis enthalten (15.000 bis 25.000 Euro für das Gesamtsystem).
DIY HEMS (Home Assistant): 50 bis 200 Euro Hardware plus eigene Arbeitszeit. Amortisation: sofort, wenn man die Zeit nicht rechnet.
Braucht man ein HEMS?
Wer nur PV und WP hat (ohne Speicher, ohne E-Auto): SG Ready reicht meistens. Die WP bekommt das Signal, bei Überschuss mehr zu heizen, und das deckt 80 Prozent des Potenzials ab. Ein HEMS bringt hier 50 bis 150 Euro pro Jahr zusätzlich.
Wer PV, WP und Speicher hat: Ein HEMS lohnt sich, weil es entscheidet, ob der Überschuss in den Speicher oder in die WP fließt. Ohne HEMS konkurrieren die beiden um den gleichen Strom, und das Ergebnis ist suboptimal.
Wer PV, WP, Speicher und E-Auto hat: Ein HEMS ist fast Pflicht, weil vier Verbraucher um den PV-Strom konkurrieren und die optimale Verteilung komplex wird. Die Ersparnis durch das HEMS steigt mit der Systemkomplexität.
Wer einen dynamischen Stromtarif nutzt: Ein HEMS, das Börsenpreise liest und den WP-Betrieb plant, spart zusätzlich 100 bis 300 Euro pro Jahr.







