Die meisten Alarmanlagen in deutschen Einfamilienhäusern werden nach einem Einbruch gekauft, nicht davor. Und viele davon kommen aus dem Baumarkt oder dem Online-Shop, werden an einem Samstag montiert und lösen im ersten Winter dreimal nachts aus, weil die Katze durchs Wohnzimmer läuft oder ein Fenster nicht sauber schließt. Nach dem vierten Fehlalarm wird die Anlage abgeschaltet. Sie hängt dann noch Jahre an der Wand, als Attrappe.
Das ist kein Argument gegen Sicherheitstechnik, sondern eines für Planung. Eine Einbruchmeldeanlage, die zuverlässig arbeitet, ist ein Elektroprojekt wie jedes andere: Sie braucht die richtige Verkabelung, eine saubere Stromversorgung, sinnvoll gesetzte Melder und jemanden, der weiß, wo sie nicht hingehören.
Elektrofachbetriebe, die neben der klassischen Installation auch Sicherheits- und Überwachungstechnik anbieten, sehen beide Seiten. Die A&A Hermann GmbH aus Steinheim in Ostwestfalen etwa installiert Einbruchmeldeanlagen, Videoüberwachung und Zutrittskontrolle für Privathäuser und Gewerbe und bekommt regelmäßig Anrufe von Kunden, deren Funkanlage aus dem Internet nie richtig funktioniert hat. Aus solchen Fällen lässt sich ziemlich genau sagen, was den Unterschied macht.
Draht oder Funk
Die erste Entscheidung ist die Übertragung. Funkanlagen sind im Bestand beliebt, weil keine Leitung verlegt werden muss. Sie haben aber drei Schwächen: Batterien, die irgendwann leer sind, Reichweite, die durch Stahlbetondecken leidet, und die Möglichkeit, dass das Funksignal gestört wird. Gute Funkanlagen melden Störungen, billige nicht.
Eine verdrahtete Anlage ist im Neubau oder bei einer ohnehin geplanten Sanierung die bessere Wahl. Jeder Melder hängt an einer eigenen Leitung, die Zentrale weiß jederzeit, ob die Verbindung steht, und es gibt keine Batterien. Der Aufwand liegt in der Verkabelung: Leerrohre zu jedem Fenster und jeder Tür, ein zentraler Platz für die Zentrale, eine Leitung zur Sirene außen. Wer sein Haus gerade baut oder den Putz sowieso von der Wand holt, sollte diese Rohre legen lassen, selbst wenn die Anlage erst später kommt. Ein Leerrohr kostet wenige Euro. Ein nachträglicher Schlitz durch das fertige Wohnzimmer deutlich mehr.
Im Bestand ohne Sanierung ist eine hochwertige Funkanlage mit bidirektionaler Übertragung ein vernünftiger Kompromiss. Bidirektional heißt, dass die Zentrale den Melder anspricht und der Melder antwortet. Fällt ein Melder aus, weiß die Zentrale das, statt einfach zu schweigen.
Wo Melder hingehören und wo nicht
Die Grundregel lautet Außenhautüberwachung vor Raumüberwachung. Ein Magnetkontakt am Fenster meldet das Öffnen, ein Glasbruchmelder das Einschlagen, beides bevor jemand im Haus ist. Bewegungsmelder in den Räumen sind die zweite Linie, aber sie sind es, die Fehlalarme auslösen: Haustiere, Heizungsluft, die einen Vorhang bewegt, Sonne, die auf den Sensor fällt. Wer Tiere hat, braucht Melder mit entsprechender Auswertung oder verzichtet in den Räumen darauf, in denen sich die Tiere nachts bewegen.
Der zweite typische Fehler ist die Sirene. Eine Innensirene erschreckt den Einbrecher. Eine Außensirene mit Blitzleuchte holt die Nachbarn und gehört an eine Stelle, die von der Straße sichtbar, aber nicht mit einer Leiter erreichbar ist. Und die Zentrale selbst gehört nicht in den Flur neben die Haustür, wo sie in dreißig Sekunden von der Wand gerissen ist, sondern in einen Raum, den man erst erreicht, wenn längst ein Alarm läuft.
Video: Was erlaubt ist und was hilft
Kameras sind das Thema, bei dem am meisten falsch gemacht wird, technisch und rechtlich. Rechtlich gilt: Der eigene Grund darf gefilmt werden, der Bürgersteig, die Straße und das Grundstück des Nachbarn nicht. Eine Kamera über der Haustür, die den halben Gehweg mit aufzeichnet, ist ein Datenschutzverstoß, den der Nachbar abmahnen lassen kann. Der Blickwinkel muss deshalb bei der Montage eingestellt und dokumentiert werden.
Technisch entscheidet die Stromversorgung. Kameras, die per WLAN funken und an einer Steckdose hängen, sind im Betrieb unzuverlässig und lassen sich durch Ziehen des Steckers ausschalten. Kameras, die über ein Netzwerkkabel mit Strom versorgt werden, laufen stabil, zeichnen auf einem Rekorder im Haus auf und bleiben auch bei gestörtem WLAN im Betrieb. Dafür muss zu jeder Kamera ein Netzwerkkabel liegen, was wieder die Frage der Leerrohre aufwirft. Sinnvolle Kamerapositionen sind wenige: Hauseingang, Zufahrt, die rückwärtige Terrassentür. Zehn Kameras rund ums Haus bringen mehr Bilder, aber selten mehr Sicherheit.
Zutritt ohne Schlüsselbund
Zur Sicherheitstechnik gehört inzwischen auch die Frage, wer wie ins Haus kommt. Elektronische Türzylinder, Transponder oder Fingerabdruckleser an der Haustür ersetzen den Schlüssel, der unter der Fußmatte liegt oder bei der Nachbarin. Verliert jemand einen Transponder, wird er gesperrt, statt dass ein Schlosser das Schloss tauscht. Für Familien mit Kindern, für Ferienwohnungen und für Häuser mit Pflegedienst ist das der praktische Teil der Anlage. Auch hier gilt: Ein Leser an der Haustür braucht Strom und eine Verbindung zur Zentrale. Wer die Leitung beim Bau der Alarmanlage gleich mitlegt, zahlt später nicht doppelt.
Die Stromversorgung, die niemand bedenkt
Eine Einbruchmeldeanlage ist nur so gut wie ihr Strom. Jede vernünftige Anlage hat einen Akku für den Netzausfall, der für einige Stunden reicht. Aber der Stromkreis, an dem die Zentrale hängt, sollte nicht derselbe sein, an dem die Waschmaschine die Sicherung auslöst. Fachbetriebe legen für Sicherheitstechnik einen eigenen Stromkreis mit eigener Absicherung, oft mit Überspannungsschutz, weil ein Gewitter sonst die Zentrale mitnimmt. Das gilt genauso für den Videorekorder und den Router, über den die Meldungen aufs Handy gehen.
Die Aufschaltung ist der letzte Baustein. Eine Anlage, die nur eine Sirene auslöst, ist nachts um drei in einer Wohnsiedlung weniger wert als eine, die zusätzlich das Handy des Bewohners und auf Wunsch einen Wachdienst benachrichtigt. Dafür braucht es eine Internetverbindung, die auch bei Stromausfall steht, also ein Mobilfunkmodul in der Zentrale oder eine unterbrechungsfreie Versorgung für den Router.
Was ein Elektrofachbetrieb anders macht
Der Unterschied zwischen einer Anlage aus dem Baumarkt und einer vom Fachbetrieb liegt nicht in der Marke des Bewegungsmelders. Er liegt in der Reihenfolge: erst das Haus anschauen, die Schwachstellen bestimmen, dann die Technik wählen, dann verkabeln, dann montieren, dann einstellen. Dazu gehört eine Einweisung, damit die Bewohner die Anlage bedienen können, ohne bei jedem Scharfschalten den Zettel zu suchen. Und eine Wartung, bei der einmal im Jahr die Akkus, die Melder und die Aufschaltung geprüft werden.
Wer sein Haus schützen will, sollte mit dem Elektriker reden, bevor er die erste Kamera bestellt. Die Rohre in der Wand sind das Teil der Anlage, das sich nachträglich am schwersten nachrüsten lässt, und das, an dem am häufigsten gespart wird.
Hinweis: Das Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erzeugt.







