Ein dynamischer Stromtarif lässt den kWh-Preis stündlich schwanken. Nachts um 3 Uhr bei viel Windstrom: 5 Cent. Abends um 18 Uhr bei Flaute: 40 Cent. Wer seine Wärmepumpe in die günstigen Stunden verlagert, spart 15 bis 30 Prozent Stromkosten gegenüber einem festen Tarif. Das klingt aufwendig, aber die meisten modernen WP können das automatisch.
Wie dynamische Tarife funktionieren
Seit 2025 muss jeder Energieversorger in Deutschland einen dynamischen Tarif anbieten. Der Preis orientiert sich am Börsenpreis (Day-Ahead-Markt der EPEX SPOT). Jeden Tag um 13 Uhr werden die Stundenpreise für den Folgetag veröffentlicht. Du weißt also am Nachmittag, was der Strom morgen zu jeder Stunde kosten wird.
Anbieter wie Tibber, aWATTar und Ostrom geben den Börsenpreis 1:1 weiter, plus einen monatlichen Aufschlag (3 bis 5 Euro Grundgebühr plus Netzentgelte und Umlagen). Der tatsächliche kWh-Preis liegt 2026 im Jahresdurchschnitt bei 22 bis 28 Cent, schwankt aber stündlich zwischen 5 und 45 Cent.
Warum das für Wärmepumpen passt
Die Wärmepumpe ist ein flexibler Verbraucher. Sie muss nicht genau dann heizen, wenn du Wärme brauchst. Sie kann den Pufferspeicher, den Warmwasserspeicher oder den Estrich (bei Fußbodenheizung) als Wärmespeicher nutzen. Morgens um 3 Uhr bei billigem Strom aufheizen, und die gespeicherte Wärme reicht bis zum Abend.
Die thermische Trägheit eines Hauses mit Fußbodenheizung ist enorm. Selbst wenn die WP 4 bis 6 Stunden pausiert, sinkt die Raumtemperatur nur um 1 bis 2 Grad. Das reicht locker, um die teuren Abendstunden zu überbrücken.
Was man braucht
Smart Meter. Seit 2025 Pflicht für alle WP über 6 kW. Bei kleineren WP kann man einen Smart Meter freiwillig einbauen lassen (Kosten: 100 bis 200 Euro pro Jahr Messstellengebühr). Ohne Smart Meter kein dynamischer Tarif.
Dynamischen Stromtarif abschließen. Tibber, aWATTar, Ostrom oder andere Anbieter. Die Anmeldung ist online in 10 Minuten erledigt.
Intelligente WP-Steuerung. Die WP muss wissen, wann der Strom billig ist. Manche WP-Hersteller haben die Integration bereits eingebaut: Viessmann (über Viessmann One), Vaillant (über sensoAPP), Wolf (über Smartset). Die Steuerung liest die Stundenpreise und plant den Heizbetrieb automatisch in die günstigen Stunden.
Alternativ: Ein Energiemanagementsystem (HEMS) wie der SMA Sunny Home Manager, E3/DC Hauskraftwerk oder Home Assistant mit Tibber-Integration steuert die WP über SG-Ready-Kontakte.
Was man realistisch sparen kann
Im Jahresdurchschnitt liegt der dynamische Tarif ähnlich hoch wie ein fester WP-Tarif (22 bis 25 Cent). Die Ersparnis kommt nicht vom niedrigeren Durchschnittspreis, sondern von der Verschiebung des Verbrauchs in die günstigen Stunden.
Wenn 60 bis 70 Prozent des WP-Verbrauchs in Stunden unter 20 Cent fallen (was mit guter Steuerung realistisch ist), liegen die durchschnittlichen WP-Stromkosten bei 18 bis 22 Cent statt 24 bis 28 Cent.
Bei 5.000 kWh Jahresverbrauch: 900 bis 1.100 Euro statt 1.200 bis 1.400 Euro. Ersparnis: 200 bis 400 Euro pro Jahr.
In Kombination mit PV (eigener Solarstrom am Tag, billiger Windstrom nachts) sind durchschnittliche Kosten von 12 bis 18 Cent pro kWh realistisch.
Risiken und Grenzen
Die billigsten Stunden sind nachts. Nachts ist die Außentemperatur am niedrigsten, und die Luft-WP arbeitet weniger effizient. Es kann passieren, dass man zwar billigen Strom verbraucht, aber mehr kWh braucht, weil der COP niedriger ist. Die Ersparnis durch den niedrigen Preis wird teilweise durch den höheren Verbrauch aufgefressen.
Bei Erdwärme-WP ist das Problem kleiner, weil die Quellentemperatur nachts und tagsüber gleich ist.
Preisausreißer nach oben. An einzelnen Tagen kann der Strompreis auf 50 oder 60 Cent steigen. Wenn die WP in diesen Stunden aus Komfortgründen trotzdem laufen muss (zum Beispiel weil der Puffer leer ist), zahlt man drauf. Eine gute Steuerung vermeidet das, indem sie vorausschauend plant.
Der dynamische Tarif erfordert Aufmerksamkeit. Wer sich nicht um die Einstellungen kümmert und die WP ohne intelligente Steuerung am dynamischen Tarif betreibt, spart wenig oder gar nichts.







