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Dynamische Stromtarife und PV: Clever einspeisen und laden

von inoutic Redaktion
25.04.2026
in Magazin
Lesedauer:5 Minuten Lesezeit
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Dynamischer Stromtarif App PV
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Seit dem 1. Januar 2025 muss jeder Stromversorger in Deutschland mindestens einen dynamischen Tarif anbieten. Bei Tibber, aWATTar, Ostrom und anderen ändert sich der Strompreis viertelstündlich nach dem Börsenpreis. Für PV-Besitzer mit Speicher und HEMS ergeben sich daraus Möglichkeiten, die vor zwei Jahren noch undenkbar waren: Netzstrom billig einkaufen wenn er fast nichts kostet, Solarstrom einspeisen wenn der Preis hoch ist, und die Wärmepumpe nur dann laufen lassen wenn der Strom gerade günstig ist.

Wie dynamische Tarife funktionieren

Bei einem klassischen Stromtarif zahlt man einen festen Preis pro kWh, egal ob der Strom gerade knapp oder im Überfluss vorhanden ist. Bei einem dynamischen Tarif wird der Preis an den Day-Ahead-Markt der Strombörse EPEX SPOT gekoppelt. Der Börsenstrompreis ändert sich stündlich und spiegelt Angebot und Nachfrage wider.

Nachts, wenn wenig verbraucht wird und Windräder Strom liefern, liegt der Börsenpreis oft bei 2 bis 8 Cent pro kWh. Mittags an sonnigen Tagen, wenn PV-Anlagen massenweise einspeisen, kann der Preis sogar negativ werden, der Versorger zahlt dafür, dass jemand den Strom abnimmt. Abends zwischen 17 und 20 Uhr, wenn alle kochen und die Heizung hochfährt, steigt der Preis auf 15 bis 30 Cent. An kalten, windstillen Winterabenden können es auch 40 bis 60 Cent sein.

Auf den Börsenpreis kommen feste Aufschläge: Netzentgelte, Umlagen, Steuern und die Marge des Anbieters. Bei Tibber liegt der Gesamtpreis typischerweise bei Börsenpreis plus 15 bis 18 Cent. An einer günstigen Nachtstunde (Börse 3 Cent) zahlt man also 18 bis 21 Cent. An einer teuren Abendstunde (Börse 25 Cent) 40 bis 43 Cent.

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Der Durchschnittspreis über das Jahr ist bei dynamischen Tarifen oft vergleichbar mit klassischen Tarifen, manchmal sogar etwas günstiger. Der Unterschied: Wer seinen Verbrauch in die günstigen Stunden verschieben kann, spart deutlich. Wer immer zur gleichen Zeit verbraucht, merkt kaum einen Unterschied.

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Was PV-Besitzer mit dynamischen Tarifen machen können

Die Kombination aus PV-Anlage, Speicher und dynamischem Tarif eröffnet drei Strategien:

Strategie 1: Billigen Netzstrom nachts laden. Wenn der Börsenpreis nachts bei 3 Cent liegt (plus 16 Cent Aufschlag gleich 19 Cent Gesamtpreis), kann man den Speicher mit billigem Netzstrom füllen und morgens nutzen, bis die PV-Anlage übernimmt. Das lohnt sich vor allem im Winter, wenn die PV-Anlage morgens noch nichts liefert und der Speicher von gestern leer ist.

Strategie 2: Solarstrom bei hohen Preisen einspeisen. Wenn der Börsenpreis mittags oder abends hoch ist (über 15 Cent), kann es sinnvoller sein, den Solarstrom einzuspeisen statt zu speichern. Über Direktvermarktung (ab 25 kWp Pflicht) oder perspektivisch über Energy Sharing bekommt man den Börsenpreis, der dann höher ist als die feste Einspeisevergütung von 7,78 Cent. Für kleine Anlagen unter 25 kWp ist Direktvermarktung aktuell noch unwirtschaftlich (Fixkosten von ca. 50 Euro pro Monat), aber das könnte sich mit sinkenden Transaktionskosten ändern.

Strategie 3: Wärmepumpe und Wallbox in günstigen Stunden laufen lassen. Das HEMS prüft den aktuellen Strompreis und schaltet die Wärmepumpe ein, wenn der Preis unter einem Schwellenwert liegt. Dasselbe mit der Wallbox: Das E-Auto lädt nachts zum Billigtarif statt am Abend zum Spitzentarif. Der Preisunterschied kann 10 bis 20 Cent pro kWh betragen.

Was man dafür braucht

Ein Smart Meter. Für dynamische Tarife ist ein intelligentes Messsystem (iMSys) Pflicht, weil der Verbrauch viertelstündlich gemessen und abgerechnet wird. Für PV-Anlagen ab 7 kWp ist das Smart Meter seit dem Solarspitzengesetz ohnehin vorgeschrieben.

Ein HEMS oder eine Steuerungssoftware, die den Börsenpreis kennt. Tibber bietet eine API, über die der aktuelle Stundenpreis abgerufen werden kann. Home Assistant und evcc können diese Daten nutzen und Verbraucher automatisch nach Preis steuern. Das 1KOMMA5° Heartbeat-System optimiert die Steuerung KI-basiert und kombiniert PV-Prognosen mit Preisvorhersagen.

Flexible Verbraucher. Je mehr Geräte zeitlich verschoben werden können, desto mehr profitiert man. Wärmepumpe (Pufferspeicher hält Wärme mehrere Stunden), Wallbox (das Auto muss nicht sofort voll sein), Batteriespeicher (kann nachts billig geladen und tagsüber genutzt werden). Kühlschrank und Licht lassen sich nicht verschieben, aber die machen ohnehin nur einen kleinen Teil des Verbrauchs aus.

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Anbieter dynamischer Tarife

Tibber: Der bekannteste Anbieter. Monatliche Grundgebühr ca. 4 Euro, dazu der Börsenpreis plus ca. 2 Cent Tibber-Aufschlag plus Netzentgelte, Umlagen und Steuern. App mit Stundenpreisanzeige, Integration mit vielen Smart-Home-Geräten.

aWATTar: Ähnliches Modell wie Tibber. Monatliche Grundgebühr, Börsenpreis plus Aufschlag. Gute API für die Integration in Home Assistant.

Ostrom: Dynamischer Tarif mit schlanker App. Ähnliche Preisstruktur wie Tibber.

Rabot Charge: Dynamischer Tarif mit Fokus auf automatische Optimierung. Nutzt KI, um den Verbrauch nach Preissignal zu steuern.

1KOMMA5° Energy: Dynamischer Tarif als Teil des 1KOMMA5°-Ökosystems (PV, Speicher, Wärmepumpe, Wallbox, Heartbeat-Steuerung). Die Steuerung optimiert den Verbrauch und die Einspeisung KI-basiert. Erste Ergebnisse zeigen Stromkosten von unter 100 Euro pro Jahr für manche Haushalte mit PV und Speicher.

Wie viel man mit einem dynamischen Tarif spart

Die Ersparnis hängt stark davon ab, wie viel Flexibilität man hat und wie aktiv man (oder das HEMS) den Verbrauch steuert.

Ohne Optimierung (gleicher Verbrauch wie bei Festtarif): 0 bis 50 Euro pro Jahr. Der Durchschnittspreis des dynamischen Tarifs ist ähnlich wie ein guter Festtarif.

Mit manueller Lastverschiebung (Waschmaschine nachts, Wärmepumpe bei Billigstrom): 100 bis 200 Euro pro Jahr.

Mit HEMS und automatischer Steuerung (Speicher nachts billig laden, Wärmepumpe nach Preis, Wallbox nach Preis): 200 bis 500 Euro pro Jahr.

Mit KI-basiertem System (1KOMMA5° Heartbeat oder vergleichbar): 400 bis 700 Euro pro Jahr. Die KI lernt das Verbrauchsmuster, berücksichtigt Wetterprognosen und Preisvorhersagen und optimiert vorausschauend.

Risiken dynamischer Tarife

Preisrisiko. An kalten, windstillen Winterabenden kann der Börsenpreis auf 40 bis 60 Cent pro kWh steigen. Wer in diesen Stunden viel verbraucht (Wärmepumpe auf Hochtouren, E-Auto laden), zahlt mehr als beim Festtarif. Ein Speicher, der tagsüber mit Solarstrom oder nachts mit Billigstrom geladen wurde, federt das ab.

Komplexität. Dynamische Tarife erfordern mehr Aufmerksamkeit als ein Festtarif. Ohne HEMS muss man selbst entscheiden, wann man welche Geräte einschaltet. Mit HEMS ist es automatisch, aber die Einrichtung erfordert technisches Verständnis.

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Smart-Meter-Pflicht. Ohne Smart Meter kein dynamischer Tarif. Die Kosten für das Smart Meter (Zählermiete 20 bis 100 Euro pro Jahr, je nach Verbrauch) sind ein laufender Posten, der die Ersparnis schmälert.

Für wen sich ein dynamischer Tarif lohnt

Haushalte mit PV, Speicher und mindestens einem weiteren flexiblen Großverbraucher (Wärmepumpe oder Wallbox). Je mehr man verschieben kann, desto mehr profitiert man von den Preisschwankungen.

Nicht lohnt es sich für Haushalte ohne flexible Verbraucher, ohne Smart Meter und ohne Bereitschaft, sich mit der Technik zu beschäftigen. Wer einfach nur den Stecker einstecken und nicht nachdenken will, ist mit einem günstigen Festtarif besser bedient.

Und wer bereits 70 bis 80 Prozent Eigenverbrauch hat (PV plus Speicher plus Wärmepumpe), bezieht ohnehin nur noch wenig Netzstrom. Die absolute Ersparnis durch den dynamischen Tarif ist dann gering, weil die Menge des optimierbaren Netzstroms klein ist. In diesem Fall bringt ein dynamischer Tarif vielleicht 50 bis 100 Euro pro Jahr, was immer noch nett ist, aber kein Gamechanger.

Dynamische Tarife und PV-Einspeisung

Für kleine Anlagen unter 25 kWp gibt es aktuell keine direkte Verknüpfung zwischen dem dynamischen Tarif und der Einspeisung. Man bekommt weiterhin die feste Einspeisevergütung von 7,78 Cent, unabhängig vom Börsenpreis. Erst ab 25 kWp ist Direktvermarktung möglich und Pflicht, und nur dann profitiert man von hohen Börsenpreisen beim Einspeisen.

Energy Sharing ab Juni 2026 könnte das ändern, weil man den Überschuss zu frei verhandelten Preisen an Nachbarn verkaufen kann, die möglicherweise über dem Einspeisevergütungsniveau liegen.

Langfristig wird die Verknüpfung von dynamischen Tarifen, PV-Einspeisung und Speichersteuerung immer enger. Das Modell, bei dem man Strom zum richtigen Zeitpunkt kauft, speichert, verbraucht und verkauft, wird in fünf Jahren Standard sein. Wer sich heute ein System anschafft, das diese Flexibilität bietet (Hybridwechselrichter, Smart Meter, HEMS), ist dafür vorbereitet.

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