Die deutsche Industrie steht erneut unter Druck. Nach den jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes ist die Produktion im Produzierenden Gewerbe im August 2025 um 4,3 Prozent gegenüber dem Vormonat und um 3,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat eingebrochen. Damit erreicht die Industrieproduktion den niedrigsten Stand seit der Corona-Pandemie. Für Jupp Zenzen, Konjunkturexperten der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), ist das ein deutliches Alarmsignal: „Dass gerade die industriellen Kernbranchen wegbrechen, ist ein Weckruf an die Politik und an die Gesellschaft.“
Dramatischer Einbruch in Schlüsselindustrien
Besonders betroffen sind laut DIHK die energieintensiven Branchen – von der Chemie über die Metallverarbeitung bis zur Papierindustrie. Diese Sektoren, traditionell Rückgrat der deutschen Wertschöpfung, verzeichnen teils zweistellige Produktionsrückgänge. „Wenn unsere industriellen Herzstücke an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, droht ein struktureller Schaden, der sich nicht kurzfristig beheben lässt“, warnt Zenzen. Im Dreimonatsvergleich (Juni bis August 2025 gegenüber März bis Mai 2025) verzeichnete die Industrieproduktion ein Minus von 1,3 Prozent – ein klares Zeichen, dass die Abwärtsspirale nicht nur ein vorübergehendes Phänomen ist.
Energiepreise und Standortkosten als Bremsklotz
Hauptursache für den anhaltenden Rückgang sind laut DIHK die hohen Kosten am Produktionsstandort Deutschland. „Die Energiepreise sind trotz leichter Entspannung weiterhin deutlich höher als im europäischen Durchschnitt“, erklärt Zenzen. „Zudem belasten hohe Löhne, Steuern und Abgaben die Betriebe in einem ohnehin schwierigen Umfeld.“ Viele Unternehmen seien gezwungen, ihre Produktion zu drosseln oder ins Ausland zu verlagern. Die Folge: Investitionen bleiben aus, und ganze Wertschöpfungsketten geraten ins Wanken.
Die energieintensiven Industrien leiden besonders unter der Unsicherheit auf den Energiemärkten. „Unternehmen können kaum langfristig planen, weil sie nicht wissen, ob die Energiepreise stabil bleiben“, so Zenzen. „Das lähmt Investitionen und Innovationen.“ Auch die schleppende Energiewende mit unzureichenden Netzausbauten und fehlender Versorgungssicherheit erschwere es, Vertrauen in den Standort Deutschland zu behalten.
Schwache Nachfrage – im Inland wie im Ausland
Neben den hohen Standortkosten macht der DIHK auch die nachlassende Nachfrage für den Produktionsrückgang verantwortlich. Sowohl im Inland als auch international sinkt die Nachfrage nach deutschen Industriegütern. „Gerade im Export, der jahrelang Motor unserer Wirtschaft war, ist die Luft raus“, stellt Zenzen fest. In wichtigen Absatzmärkten wie China, den USA und Teilen Europas stockt die Konjunktur – und deutsche Produkte verlieren wegen hoher Preise an Attraktivität. Gleichzeitig halten sich inländische Kunden wegen der allgemeinen Unsicherheit mit Aufträgen zurück.
Kein kurzfristiger Aufschwung in Sicht
„Eine baldige Trendwende ist nicht zu erwarten“, sagt Zenzen. Die schwache Auftragslage, die bereits seit Monaten anhält, werde sich in den kommenden Quartalen voraussichtlich fortsetzen. Auch die Investitionsbereitschaft bleibe niedrig, weil viele Unternehmen unter den steigenden Finanzierungskosten leiden. Die hohen Zinsen bremsen gerade mittelständische Betriebe, die Modernisierungen oder Erweiterungen planen. „Wenn wir die gegenwärtige Entwicklung nicht stoppen, riskieren wir, dass sich die deutsche Industrie in eine dauerhafte Stagnation manövriert.“
Politik muss gegensteuern – jetzt
Der DIHK fordert daher entschlossene politische Maßnahmen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandortes zu sichern. „Wir brauchen eine schnelle Entlastung bei Energie-, Steuer- und Bürokratiekosten“, betont Zenzen. Konkret fordert der Verband eine Absenkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß, eine Reform der Unternehmensbesteuerung sowie einen konsequenten Bürokratieabbau. „Die Unternehmen brauchen Planungssicherheit, keine neuen Berichtspflichten“, so Zenzen weiter. Auch müsse die Bundesregierung mehr Tempo bei der Genehmigung von Industrieprojekten machen.
Deutschland steht an einem Wendepunkt
Zenzen sieht die aktuelle Entwicklung nicht nur als Konjunkturproblem, sondern als strukturelle Herausforderung: „Deutschland steht an einem wirtschaftlichen Wendepunkt. Wenn wir jetzt nicht gegensteuern, droht uns ein schleichender Verlust unserer industriellen Basis.“ Die Industrie sei nicht nur Arbeitsplatzgarant, sondern auch Innovationstreiber und Exportmotor. „Jeder Prozentpunkt Produktionsrückgang bedeutet weniger Investitionen, weniger Beschäftigung und weniger Zukunftschancen. Es ist höchste Zeit, dass die Politik den Ernst der Lage erkennt.“
Hoffnung durch Strukturreformen und Standortoffensive
Trotz der ernüchternden Zahlen bleibt Zenzen verhalten optimistisch – sofern die richtigen Weichen gestellt werden. „Deutschland hat die Chance, seine Industrie wieder zu stärken, wenn endlich die strukturellen Probleme angegangen werden. Dazu gehören verlässliche Energiepreise, steuerliche Entlastungen und eine moderne Infrastruktur.“ Nur so könne die Talfahrt gestoppt und wieder Wachstum erzeugt werden. „Unsere Unternehmen sind leistungsfähig und innovativ – sie brauchen nur wieder Luft zum Atmen.“
Hinweis: Das Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erzeugt.








