Flachsdämmung dämmt genauso gut wie Glaswolle (Wärmeleitfähigkeit 0,037 bis 0,040 W/mK), ist aber ein nachwachsender Rohstoff und deutlich angenehmer zu verarbeiten. Kein Jucken, kein Faserrieseln, keine Atemschutzmaske nötig. Der Nachteil: Flachs kostet 20 bis 40 Prozent mehr als mineralische Dämmstoffe. Für Dachschrägen, Innenwände und Holzrahmenbau ist Flachs eine der besten ökologischen Optionen.
Was Flachsdämmung ist
Flachsdämmung wird aus den Fasern der Flachspflanze (Linum usitatissimum) hergestellt, derselben Pflanze, aus der Leinen gemacht wird. Die Fasern werden zu Matten oder Rollen gepresst, teilweise mit Stützfasern aus Polyester (10 bis 15 Prozent) versetzt, damit die Matten formstabil bleiben.
Flachs ist ein europäischer Rohstoff. Die Pflanze wächst in Deutschland, Frankreich und den Benelux-Ländern und braucht weder Bewässerung noch Pestizide. Der CO2-Fußabdruck ist deutlich geringer als bei Glaswolle oder Steinwolle und weit unter dem von Styropor.
Flachs im Vergleich mit anderen Dämmstoffen
| Eigenschaft | Flachs | Glaswolle | Steinwolle | EPS (Styropor) |
|---|---|---|---|---|
| Wärmeleitfähigkeit (W/mK) | 0,037–0,040 | 0,032–0,040 | 0,035–0,040 | 0,032–0,040 |
| Brandklasse | B2 (normal entflammbar) | A1 (nicht brennbar) | A1 (nicht brennbar) | B1 (schwer entflammbar) |
| Feuchteregulierung | Sehr gut (nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie ab) | Schlecht | Mäßig | Keine |
| Verarbeitung | Angenehm, kein Jucken | Juckt, Atemschutz nötig | Juckt weniger, Staub | Einfach, kein Jucken |
| Nachhaltigkeit | Nachwachsend, CO2-neutral | Energieintensive Herstellung | Energieintensive Herstellung | Erdöl-basiert |
| Preis pro m² (100 mm) | 15–25 Euro | 8–15 Euro | 10–18 Euro | 8–14 Euro |
| Schallschutz | Sehr gut | Gut | Sehr gut | Mäßig |
| Sommerlicher Wärmeschutz | Gut (hohe Rohdichte) | Mäßig | Gut | Schlecht |
Der häufigste Einsatzort. Flachsmatten werden zwischen die Dachsparren geklemmt. Sie sind elastisch, passen sich an unregelmäßige Sparrenabstände an und halten durch Klemmwirkung ohne zusätzliche Befestigung.
Vorteil gegenüber Glaswolle: Kein Jucken bei der Verarbeitung über Kopf. Wer schon mal Glaswolle in einer Dachschräge verlegt hat, weiß warum das ein echtes Argument ist.
Innenwand (Trockenbau)
Zwischen die Ständer einer Trockenbauwand geklemmt. Flachs dämmt Schall besser als EPS und reguliert Feuchtigkeit, was in Innenwänden ein Vorteil ist.
Holzrahmenbau
In Holzrahmen-Außenwänden wird Flachs als Gefachdämmung eingesetzt. Die feuchteregulierende Eigenschaft passt gut zum Holzbau, weil Holz ebenfalls Feuchtigkeit aufnimmt und abgibt.
Wo Flachs nicht geeignet ist
- Kellerdämmung (Perimeterdämmung): Zu empfindlich gegen dauerhaften Erdkontakt und drückendes Wasser. Hier muss XPS oder Schaumglas ran.
- WDVS auf Putz (Wärmedämmverbundsystem außen): Flachs ist für Putzsysteme nicht zugelassen. Hier werden EPS oder Mineralwolle-Lamellenplatten verwendet.
- Bereiche mit Brandschutzanforderung F90 oder höher: Flachs erreicht nur Brandklasse B2 (normal entflammbar). Für Brandwände und Fluchtwege brauchst du A1-Dämmstoffe.
Verarbeitung: So wird Flachs eingebaut
- Sparren- oder Ständerabstand messen.
- Flachsmatte 1 bis 2 cm breiter zuschneiden als der Abstand (Klemmwirkung).
- Matte zwischen die Sparren/Ständer klemmen. Leicht zusammendrücken, einschieben, loslassen. Die Matte dehnt sich aus und klemmt sich fest.
- Keine Lücken lassen. Doppellagen sind besser als eine zu dünne Lage.
- Dampfbremse innenseitig anbringen (wie bei jedem Dämmstoff in der Dachschräge).
Werkzeug: Dämmstoffmesser oder langer Brotmesser zum Zuschneiden. Keine Atemschutzmaske nötig, keine Schutzbrille (anders als bei Glaswolle).
Was Flachsdämmung kostet
| Einsatzbereich | Dicke | Kosten Material pro m² | Kosten mit Einbau pro m² |
|---|---|---|---|
| Dachschräge | 160–200 mm | 25–40 Euro | 50–80 Euro |
| Innenwand | 60–100 mm | 10–20 Euro | 25–45 Euro |
| Holzrahmenbau | 160–240 mm | 30–50 Euro | 55–90 Euro |
Zum Vergleich: Glaswolle liegt bei 15 bis 50 Euro pro m² (Material + Einbau) für die gleichen Einsatzbereiche. Flachs kostet also 20 bis 40 Prozent mehr.
Förderung
Flachsdämmung ist als Einzelmaßnahme über die BEG (Bundesförderung für effiziente Gebäude) förderfähig, wenn die geforderten U-Werte erreicht werden. Der Fördersatz beträgt 15 bis 20 Prozent der Kosten (abhängig von der Maßnahme und ob ein iSFP vorliegt).
Bei einer Dachsanierung mit 100 m² Flachsdämmung (Kosten ca. 5.000 bis 8.000 Euro) sind das 750 bis 1.600 Euro Zuschuss.
Häufige Fragen
Ist Flachsdämmung genauso gut wie Glaswolle?
Ja, die Dämmwerte sind nahezu identisch. Flachs hat Vorteile bei Schallschutz, sommerlichem Wärmeschutz und Feuchteregulierung. Glaswolle hat Vorteile beim Brandschutz (A1 vs. B2) und beim Preis.
Schimmelt Flachsdämmung?
Bei fachgerechtem Einbau mit Dampfbremse nicht. Flachs kann Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben, ohne zu schimmeln. Das ist ein Vorteil gegenüber vielen anderen Dämmstoffen. Dauerhaft nass darf er aber nicht werden.
Wie lange hält Flachsdämmung?
Mindestens 50 Jahre, wie andere Dämmstoffe auch. Die Dämmwirkung lässt nicht nach, solange die Matten trocken und nicht zusammengedrückt sind.
Ist Flachsdämmung brennbar?
Ja, Brandklasse B2 (normal entflammbar). Für die meisten Wohngebäude reicht das aus. Für Brandwände oder Gebäude mit erhöhten Brandschutzanforderungen ist Flachs nicht zugelassen.
Fazit
Flachsdämmung ist eine der besten ökologischen Alternativen zu Glaswolle. Die Dämmwirkung ist gleichwertig, die Verarbeitung angenehmer und der Rohstoff nachhaltig. Der höhere Preis relativiert sich durch Förderung und durch den Komfort bei der Verarbeitung (wer einmal Glaswolle über Kopf verlegt hat, zahlt gern 20 Prozent mehr für Flachs). Für Dachschrägen und Holzbau erste Wahl. Für Keller und Brandwände nicht geeignet.







