Blitz und PV-Anlage: Für viele Hausbesitzer ein Angstthema. Zieht die Solaranlage Blitze an? Brennt das Haus ab, wenn der Blitz einschlägt? Braucht man eine Blitzschutzanlage nachrüsten? Die Antworten sind beruhigender als die Fragen vermuten lassen. Aber ein paar Dinge muss man wissen und ein paar Maßnahmen gehören zur Pflichtausstattung.
Zieht eine PV-Anlage Blitze an?
Nein. Eine PV-Anlage erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Blitzeinschlags nicht messbar. Blitze schlagen in die höchsten Punkte einer Umgebung ein, und auf einem Einfamilienhaus sind Schornstein, Antenne oder Dachfirst höher als die Module, die flach auf dem Dach liegen. Die Module ragen typischerweise nur wenige Zentimeter über die Dachfläche hinaus.
In Gegenden mit hoher Blitzdichte (Süddeutschland, Voralpen) liegt das statistische Risiko eines Blitzeinschlags in ein Einfamilienhaus bei etwa 1 zu 50 über die Lebensdauer der Anlage (25 Jahre). Die PV-Anlage ändert daran nichts.
Was die PV-Anlage anfälliger macht, sind indirekte Blitzwirkungen: Überspannung durch Blitzeinschlag in der Nähe (z.B. in eine Stromleitung oder einen Baum im Umkreis von 200 Metern). Die langen DC-Kabel auf dem Dach wirken wie Antennen und können Überspannungsimpulse aufnehmen, die den Wechselrichter beschädigen. Genau dafür gibt es den Überspannungsschutz.
Überspannungsschutz: Pflicht und Standard
Der Überspannungsschutz ist bei jeder PV-Anlage Pflicht. Er schützt den Wechselrichter und die Hauselektrik vor Spannungsspitzen, die durch Blitzeinschlag in der Umgebung oder durch Netzstörungen entstehen.
Es gibt verschiedene Typen: Typ 1 (Blitzstromableiter) schützt vor direktem Blitzeinschlag. Typ 2 (Überspannungsableiter) schützt vor indirekten Überspannungen durch Ferneinschläge. Typ 3 (Feinschutz) schützt empfindliche Elektronik im Haus.
Bei PV-Anlagen wird standardmäßig ein Kombischutz Typ 1+2 auf der DC-Seite (zwischen Modulen und Wechselrichter) und auf der AC-Seite (zwischen Wechselrichter und Zählerkasten) installiert. Das ist in der DIN VDE 0100-443 und der DIN VDE 0100-534 geregelt und gehört zum Lieferumfang jeder professionellen Installation.
Die Kosten: 200 bis 500 Euro für den DC- und AC-Überspannungsschutz, im Installationspaket meistens enthalten. Wenn er fehlt, nachfragen, er ist nicht optional.
Wichtig: Die Varistoren im Überspannungsschutz sind Verschleißteile. Bei einem nahegelegenen Blitzeinschlag können sie ausgelöst haben und müssen ersetzt werden. Bei der vierjährlichen Elektrikprüfung wird der Zustand des Überspannungsschutzes kontrolliert. Manche Schutzgeräte haben eine Anzeige (grün gleich in Ordnung, rot gleich ausgelöst), die man auch selbst prüfen kann.
Blitzschutzanlage: Wann sie nötig ist
Eine Blitzschutzanlage (äußerer Blitzschutz mit Fangstangen, Ableitungen und Erdung) ist bei privaten Wohnhäusern in Deutschland nicht generell vorgeschrieben. Es gibt keine Pflicht, eine Blitzschutzanlage nachzurüsten, wenn man eine PV-Anlage installiert.
Wenn das Gebäude bereits eine Blitzschutzanlage hat (z.B. öffentliche Gebäude, hohe Gebäude, Gebäude mit besonderer Nutzung), muss die PV-Anlage in das bestehende Blitzschutzsystem eingebunden werden. Das heißt: Die Modulrahmen und die Unterkonstruktion werden über Potenzialausgleichsleitungen mit der Blitzschutzanlage verbunden. Der Installateur muss das bei der Planung berücksichtigen.
Wenn das Gebäude keine Blitzschutzanlage hat (der Normalfall bei Einfamilienhäusern), besteht keine Pflicht zur Nachrüstung. Der Überspannungsschutz (Typ 1+2) reicht als Schutzmaßnahme aus.
Ob man freiwillig eine Blitzschutzanlage nachrüsten sollte, hängt von der persönlichen Risikoabwägung und dem Standort ab. In blitzreichen Gegenden (Oberbayern, Schwarzwald) und bei frei stehenden Häusern auf Anhöhen kann eine Blitzschutzanlage sinnvoll sein. Die Kosten liegen bei 2.000 bis 5.000 Euro für ein Einfamilienhaus. Die PV-Versicherung deckt Blitzschäden ab, aber eine Blitzschutzanlage verhindert den Schaden von vornherein.
Erdung und Potenzialausgleich
Die Erdung der PV-Anlage ist ein Muss. Alle metallischen Teile der Anlage, also Modulrahmen, Montageschienen, Dachhaken und Kabelkanäle, müssen über den Potenzialausgleich mit der Haupterdungsschiene des Gebäudes verbunden werden. Das verhindert, dass sich bei einem Fehler oder Blitzschlag gefährliche Spannungen auf dem Metallgestell aufbauen.
Der Potenzialausgleich wird bei der Installation vom Elektriker hergestellt. Er verlegt eine Erdungsleitung (mindestens 6 mm² Kupfer) von der Unterkonstruktion auf dem Dach zur Potenzialausgleichsschiene im Haus. Die Verbindung muss niederohmig und dauerhaft korrosionsbeständig sein (Edelstahlklemmen, keine einfachen Schraubklemmen).
Bei Anlagen mit Metallrahmen-Modulen (der Standard) ist die Erdung über den Rahmen und die Montageschienen meistens ausreichend. Bei rahmenlosen Modulen (manche Glas-Glas-Module) muss die Erdung separat über die Klemmen und die Unterkonstruktion sichergestellt werden.
Feuerwehrschalter: Sicherheit für den Brandfall
Seit dem EEG 2012 muss jede PV-Anlage einen Feuerwehrschalter (DC-Freischalteinrichtung) haben. Er trennt die DC-Leitung vom Dach zum Wechselrichter, sodass im Brandfall keine gefährliche Gleichspannung auf den Dachkabeln liegt.
Der Hintergrund: Solange Sonnenlicht auf die Module fällt, erzeugen sie Spannung, auch wenn der Wechselrichter aus ist. Die DC-Spannung eines Strings liegt bei 300 bis 600 Volt, genug um bei Berührung lebensgefährlich zu sein. Feuerwehrleute, die auf dem Dach löschen, könnten bei beschädigten Kabeln unter Spannung geraten.
Der Feuerwehrschalter sitzt entweder direkt am Modulfeld (auf dem Dach, so nah wie möglich an den Modulen) oder ist im Wechselrichter integriert (bei neueren Modellen mit eingebauter Modul-Abschaltung). Beim Auslösen reduziert er die Spannung jedes einzelnen Moduls auf unter 30 Volt (Schutzkleinspannung), sodass keine Gefahr mehr besteht.
Die Kosten: Im Wechselrichter integriert bei den meisten modernen Geräten (Fronius, SMA, Huawei), also keine Zusatzkosten. Als separates Gerät (bei älteren Wechselrichtern) 200 bis 500 Euro plus Einbau.
Was man bei der Versicherung beachten sollte
Die PV-Versicherung (Allgefahrenversicherung) deckt Blitzschäden ab: zerstörte Module, defekte Wechselrichter, beschädigte Kabel. Manche Versicherer verlangen als Voraussetzung einen normgerechten Überspannungsschutz. Ohne Überspannungsschutz kann die Leistung im Blitz-Schadensfall gekürzt oder verweigert werden.
Die Gebäudeversicherung deckt Blitzschäden am Gebäude ab, aber nicht immer die PV-Anlage selbst. Prüfen, ob die PV-Anlage in der Gebäudeversicherung eingeschlossen ist oder ob eine separate PV-Versicherung nötig ist.
Nach einem Blitzeinschlag in der Nähe: Wechselrichter auf Fehlermeldungen prüfen, Überspannungsschutz auf Auslösung kontrollieren, Monitoring checken ob der Ertrag normal ist. Wenn alles grün ist, war der Blitz weit genug weg. Wenn der Wechselrichter Fehler zeigt, den Installateur rufen und den Schaden der Versicherung melden.
Zusammenfassung: Was Pflicht ist und was optional
Pflicht: Überspannungsschutz Typ 1+2 auf DC- und AC-Seite. Potenzialausgleich aller metallischen Teile mit der Haupterdungsschiene. Feuerwehrschalter (DC-Freischalteinrichtung). Einbindung in vorhandene Blitzschutzanlage (falls vorhanden).
Optional: Nachrüstung einer Blitzschutzanlage (wenn keine vorhanden, keine Pflicht). Typ-3-Feinschutz für empfindliche Elektronik im Haus (sinnvoll, aber nicht vorgeschrieben).
Die gute Nachricht: Alle Pflichtmaßnahmen sind bei einer professionellen Installation standardmäßig enthalten. Ein seriöser Solarteur baut Überspannungsschutz, Potenzialausgleich und Feuerwehrschalter ein, ohne dass man danach fragen muss. Wenn im Angebot nichts davon steht, nachfragen. Es muss drin sein.







