Die Module sind bestellt, der Wechselrichter liegt bereit, und jetzt stellt sich die Frage: Wohin damit? Die meisten denken ans Balkongeländer, aber das ist nur eine von mehreren Möglichkeiten. Ein Balkonkraftwerk lässt sich am Geländer, an der Fassade, im Garten, auf dem Gartenhaus, auf der Terrasse oder dem Flachdach montieren. Wo man es hinstellt, beeinflusst den Ertrag stärker als die Modulwahl, und die Montage dauert bei allen Varianten ein bis zwei Stunden.
Am Balkongeländer: Der Klassiker
Die häufigste Montageart, weil sie ohne Bohren auskommt und zur Miete funktioniert. Die Module werden mit Klemm-Halterungen am Geländer befestigt, die von außen greifen und innen mit Schrauben gekontert werden. Keine Bohrlöcher in der Fassade, keine Veränderung der Bausubstanz, rückstandslos entfernbar.
Halterungen kosten 30 bis 80 Euro pro Modulpaar und sind für die meisten Geländertypen verfügbar: Rundrohr, Flachstahl, Glas mit Metallrahmen. Bei reinen Glasgeländern ohne Metallrahmen wird es schwieriger, da braucht man spezielle Glasklemmen oder eine Aufständerung hinter dem Geländer.
Die Module hängen meistens senkrecht (90 Grad) oder leicht nach hinten gekippt (70 bis 80 Grad). Senkrechte Montage ist einfacher, kostet aber 20 bis 30 Prozent Ertrag gegenüber der optimalen Neigung von 30 bis 35 Grad. Wer die Module leicht kippen kann, gewinnt 5 bis 10 Prozent zurück.
Das Gewicht: Zwei Module wiegen zusammen 40 bis 44 Kilogramm, plus 5 bis 10 Kilogramm Halterung. Bei einem normalen Stahlbeton-Balkon ist das kein Problem. Bei sehr alten oder maroden Balkonen die Tragfähigkeit vorher einschätzen, im Zweifel den Vermieter oder einen Statiker fragen.
Windlast: Am Geländer sind die Module dem Wind stärker ausgesetzt als auf einem geschützten Dach. Die Halterungen müssen die Windlast sicher aufnehmen. Billig-Klemmen aus dünnem Blech können sich bei Sturm verbiegen. Halterungen aus Edelstahl oder Aluminium mit ausreichender Materialstärke sind die bessere Wahl.
An der Fassade: Vertikal, aber funktional
Module können direkt an die Hausfassade montiert werden, senkrecht an der Wand. Der Ertrag ist geringer als bei geneigter Montage (30 bis 40 Prozent weniger als optimal), aber es gibt Situationen, in denen die Fassade der einzige verfügbare Platz ist.
Die Montage erfolgt über Wandhalterungen, die mit Dübeln in der Fassade verschraubt werden. Das erfordert Bohrlöcher, was bei Mietwohnungen die Zustimmung des Vermieters nötig macht. Bei Eigentum kein Problem.
Wo sich Fassadenmontage lohnt: An der Südseite des Hauses, wenn der Balkon nach Norden zeigt. An einem Giebel, der viel Sonne bekommt. Oder als Ergänzung zu einer Balkonmontage, wenn man mehr Modulleistung will.
Ertrag an der Süd-Fassade: 500 bis 650 kWh pro Jahr bei 800 Wp. Weniger als am Balkon mit Südausrichtung (600 bis 750 kWh), aber immer noch genug für eine sinnvolle Ersparnis.
Im Garten: Aufständerung mit optimaler Neigung
Wer einen Garten hat, kann die Module dort aufstellen, auf einer Aufständerung im optimalen Winkel. Das ist die ertragsreichste Variante, weil man Neigung (30 bis 35 Grad) und Ausrichtung (Süd) frei wählen kann, ohne an Balkongeländer oder Fassadenrichtung gebunden zu sein.
Aufständerungen für den Garten kosten 50 bis 150 Euro und bestehen meistens aus Aluminiumrahmen mit einstellbarem Neigungswinkel. Die Module werden auf den Rahmen geschraubt, der Rahmen steht auf dem Rasen oder wird mit Erdspießen fixiert. Bei Windsicherung auf Ballast achten: Betonsteine oder Gehwegplatten am Fuß der Aufständerung verhindern, dass das System bei Sturm umkippt.
Der Nachteil: Das Kabel muss vom Garten ins Haus geführt werden. Entweder durch ein geöffnetes Fenster (provisorisch), durch eine Wanddurchführung (dauerhaft, aber Bohrloch nötig) oder über ein Flachkabel unter dem Fensterrahmen (die eleganteste Lösung, spezielle Flachkabel ab 15 Euro).
Ertrag im Garten mit optimaler Aufständerung: 800 bis 1.000 kWh pro Jahr bei 800 Wp. Das Beste, was mit einem Balkonkraftwerk möglich ist.
Auf dem Flachdach oder der Terrasse
Wer Zugang zu einem Flachdach hat, sei es das eigene Garagendach, das Dach eines Anbaus oder eine Dachterrasse, kann die Module dort mit Aufständerung montieren. Selbes Prinzip wie im Garten: Rahmen aufstellen, Neigung einstellen, Module drauf, Ballast dazu.
Auf Flachdächern ist die Windlast höher als im geschützten Garten, weil der Wind über die Dachkante beschleunigt. Die Ballastierung muss entsprechend stärker sein. Hersteller der Aufständerungen geben Mindest-Ballastwerte an, die man einhalten sollte.
Auf Dachterrassen kann die Montage ästhetisch ansprechender gestaltet werden als am Balkongeländer. Aufgeständerte Module auf einer Terrasse sehen aus wie ein kleiner Solarpark und stören die Nutzung der Terrasse kaum, wenn man sie am Rand platziert.
Auf dem Gartenhaus oder Schuppen
Kleine Gebäude mit Schrägdach eignen sich gut für die Dachmontage. Die Module werden direkt auf das Dach geschraubt (bei Blechdach) oder mit Dachhaken befestigt (bei Ziegeln). Die Ausrichtung ist durch die Gebäudelage vorgegeben, aber wenn das Gartenhaus nach Süden schaut, ist das ein perfekter Standort.
Voraussetzung: Das Dach muss das Gewicht tragen. Zwei Module plus Halterung wiegen 50 bis 55 Kilogramm. Bei einem stabilen Gartenhaus aus Holz oder Mauerwerk kein Problem. Bei einem dünnen Blechschuppen vorher prüfen.
Das Kabel muss vom Gartenhaus zum Haus geführt werden. Bei Gartenhäusern ohne eigenen Stromanschluss braucht man ein Erdkabel oder eine oberirdische Leitung. Die Steckdose, in die das Balkonkraftwerk eingesteckt wird, muss am Zähler des Hauses hängen, nicht am Gartenhaus-Zähler (sofern vorhanden).
Montageanleitung: Was man braucht und wie es geht
Werkzeug: Akkuschrauber mit passenden Bits, Maulschlüssel (10er und 13er für die meisten Halterungen), Wasserwaage, eventuell eine Bohrmaschine für Wanddübel (nur bei Fassadenmontage).
Zeitaufwand: Ein bis zwei Stunden für zwei Module inklusive Verkabelung. Wenn man noch nie geschraubt hat, vielleicht drei.
Ablauf für Balkongeländer-Montage:
Halterungen auspacken und auf Vollständigkeit prüfen. Klemmen am Geländer positionieren, Module probeweise einsetzen und die Position markieren. Klemmen mit den mitgelieferten Schrauben befestigen und festziehen. Module in die Halterung einsetzen und fixieren. Mikrowechselrichter an der Modulrückseite oder am Geländer montieren (je nach Modell). MC4-Kabel der Module mit dem Wechselrichter verbinden. Netzkabel vom Wechselrichter in die nächste Steckdose stecken.
Fertig. Der Wechselrichter synchronisiert sich automatisch mit dem Hausnetz und beginnt einzuspeisen. Die Monitoring-App zeigt nach wenigen Minuten die erste Erzeugung an.
Sicherheitshinweise
Module nicht bei starkem Wind montieren. Die Fläche wirkt wie ein Segel, und ein 20-Kilogramm-Modul, das einem aus der Hand gerissen wird, ist gefährlich.
Module nicht über der Brüstungshöhe montieren, wenn das Geländer nicht hoch genug ist. Die Oberkante des Moduls sollte nicht über die Brüstung hinausragen, damit bei Sturm keine Module nach unten fallen können.
Kabel sauber verlegen und fixieren. Lose Kabel, die im Wind baumeln, sehen nicht nur unprofessionell aus, sie können an scharfen Kanten der Halterung scheuern und beschädigt werden.
Bei Arbeiten auf dem Dach (Gartenhaus, Flachdach): Absturzsicherung beachten. Ab 3 Meter Höhe Gerüst oder Sicherungsgurt.
Den Wechselrichter wasserfest montieren. Die meisten Mikrowechselrichter sind IP65 oder IP67 (regenfest), aber sie sollten trotzdem nicht in stehendem Wasser liegen. Hinter dem Modul montieren, wo sie vor Regen geschützt sind.
Welcher Montageort bringt am meisten?
Rangfolge nach Ertrag (800 Wp System, Südausrichtung):
Garten mit Aufständerung 30 Grad: 800 bis 1.000 kWh pro Jahr.
Flachdach mit Aufständerung: 800 bis 1.000 kWh.
Gartenhaus-Dach Südseite: 750 bis 950 kWh.
Balkongeländer Süd, leicht gekippt: 650 bis 800 kWh.
Balkongeländer Süd, senkrecht: 550 bis 700 kWh.
Fassade Süd, senkrecht: 500 bis 650 kWh.
Balkongeländer Ost oder West: 400 bis 600 kWh.
Die Differenz zwischen bestem und schlechtestem Standort beträgt bis zu 400 kWh pro Jahr, also rund 150 Euro Ersparnis. Wer die Wahl hat, wählt den Garten oder das Flachdach. Wer nur den Balkon hat, macht trotzdem nichts falsch, denn 550 kWh sind besser als 0 kWh.







