Wer ein Balkonkraftwerk kaufen will, fragt irgendwann: Was bringt das eigentlich konkret? Die ehrliche Antwort: Zwischen 150 und 400 Euro Ersparnis pro Jahr, je nach Standort, Ausrichtung, Speicher und Stromverbrauch. Keine riesige Summe, aber bei einer Investition von 280 bis 1.200 Euro eine Amortisation in ein bis fünf Jahren. Und danach ist es kostenloser Strom. Hier sind die Zahlen.
Wie viel Strom ein Balkonkraftwerk erzeugt
Ein Balkonkraftwerk mit 800 Watt Wechselrichterleistung und zwei Modulen à 430 Wp (860 Wp gesamt) erzeugt je nach Standort und Aufstellung 550 bis 1.000 kWh pro Jahr.
An einem optimalen Standort mit Südausrichtung, 30 bis 35 Grad Neigung und ohne Verschattung: 800 bis 1.000 kWh.
Am Balkongeländer, senkrecht montiert, Südausrichtung: 600 bis 750 kWh. Die senkrechte Montage kostet 20 bis 30 Prozent Ertrag gegenüber der optimalen Neigung.
Am Balkongeländer, Ost- oder West-Ausrichtung: 400 bis 600 kWh. Ost oder West allein bringt 10 bis 20 Prozent weniger als Süd, in Kombination mit der senkrechten Montage summiert sich der Verlust.
Im Garten auf Aufständerung mit optimalem Winkel: 800 bis 1.000 kWh. Beste Option, wenn der Platz vorhanden ist.
An der Fassade, vertikal montiert: 500 bis 650 kWh. Weniger als am Balkongeländer, weil die Fassade oft nicht optimal nach Süden zeigt.
Auf dem Flachdach (Gartenhaus, Garage) mit Aufständerung: 800 bis 1.000 kWh.
Im Durchschnitt über alle Installationen: 1,8 bis 2,2 kWh pro Tag, 600 bis 800 kWh pro Jahr. Der Sommer liefert 60 bis 70 Prozent des Jahresertrags, der Winter 10 bis 15 Prozent.
Wie viel davon man selbst verbraucht
Nicht jede erzeugte kWh spart Geld. Nur der Strom, der direkt im Haushalt verbraucht wird, erspart den Netzstromkauf. Was übrig bleibt, fließt unentgeltlich ins Netz (die meisten Betreiber verzichten auf die geringe Einspeisevergütung von rund 8 Cent, weil sich der Abrechnungsaufwand nicht lohnt).
Ohne Speicher liegt der Eigenverbrauchsanteil bei 30 bis 40 Prozent. Von 750 kWh Jahresertrag werden 225 bis 300 kWh selbst verbraucht. Der Rest geht ins Netz.
Warum nur 30 bis 40 Prozent? Weil das Balkonkraftwerk tagsüber bei Sonnenschein am meisten produziert, viele Haushalte aber morgens und abends den höchsten Verbrauch haben. Mittags, wenn die Module auf Hochtouren laufen, läuft vielleicht nur der Kühlschrank.
Mit Speicher steigt der Eigenverbrauch auf 70 bis 85 Prozent. Der Speicher sammelt den Tagesüberschuss und gibt ihn abends und nachts ab. Von 750 kWh werden dann 525 bis 640 kWh selbst verbraucht. Das verdoppelt die Ersparnis.
Wie viel Geld das spart
Die Ersparnis pro kWh Eigenverbrauch entspricht dem Netzstrompreis: 35 bis 42 Cent (Durchschnitt 2026: rund 38 Cent).
Ohne Speicher: 250 kWh Eigenverbrauch mal 0,38 Euro gleich 95 Euro pro Jahr (konservativ). Bei gutem Standort und höherem Eigenverbrauch: 300 kWh mal 0,38 gleich 114 Euro. Bei optimalem Standort mit hohem Grundverbrauch: bis 400 kWh mal 0,38 gleich 152 Euro.
Mit Speicher: 600 kWh Eigenverbrauch mal 0,38 Euro gleich 228 Euro pro Jahr. Bei optimalem Standort: bis 700 kWh mal 0,38 gleich 266 Euro. Bei Vier-Modulen-System (2.000 Wp) mit Speicher: bis 900 kWh mal 0,38 gleich 342 Euro.
Die Spanne ist groß, weil Standort, Ausrichtung, Eigenverbrauchsanteil und Haushaltsgröße stark variieren. Die typische Ersparnis für ein Standard-Balkonkraftwerk (2 Module, 800 W, Balkongeländer Süd, kein Speicher): rund 100 bis 150 Euro pro Jahr.
Amortisation: Wann hat sich die Investition bezahlt?
Einfaches Set ohne Speicher (ca. 350 Euro): Bei 120 Euro Ersparnis pro Jahr amortisiert in 2,9 Jahren.
Gutes Set ohne Speicher (ca. 500 Euro, bessere Module und Wechselrichter): Bei 120 Euro pro Jahr amortisiert in 4,2 Jahren.
Set mit Speicher (ca. 1.200 Euro, z.B. Anker SOLIX Solarbank 3 E2700 Pro): Bei 240 Euro pro Jahr amortisiert in 5 Jahren.
Vier-Module-Set mit Speicher (ca. 1.500 Euro): Bei 300 Euro pro Jahr amortisiert in 5 Jahren.
Nach der Amortisation ist jede weitere kWh reiner Gewinn. Bei einer Lebensdauer der Module von 25 Jahren und einer Speicher-Lebensdauer von 10 bis 15 Jahren kommen nach der Amortisation noch viele Jahre kostenloser Strom.
Was den Ertrag beeinflusst
Ausrichtung ist der wichtigste Faktor. Süden ist optimal. Südwest und Südost bringen 90 bis 95 Prozent des Süd-Ertrags. Ost oder West allein: 80 bis 85 Prozent. Nordost, Nordwest, Nord: Nicht empfehlenswert, der Ertrag sinkt auf 50 bis 70 Prozent.
Neigungswinkel: 30 bis 35 Grad ist ideal. Am Balkongeländer (ca. 90 Grad, also senkrecht) verliert man 20 bis 30 Prozent gegenüber dem Optimum. Wer die Module am Geländer leicht kippen kann (auf 60 bis 70 Grad), gewinnt 5 bis 10 Prozent zurück.
Verschattung: Auch bei Balkonkraftwerken der Ertragskiller. Ein Baum, der ab 14 Uhr Schatten wirft, kostet 20 bis 30 Prozent Tagesertrag. Eine Balkonbrüstung, die bei tiefem Sonnenstand im Winter die Module beschattet, kostet im Winter 50 Prozent.
Stockwerk: Höher montierte Module bekommen weniger Verschattung durch Nachbargebäude und Bäume. Ein Balkonkraftwerk im 5. Stock bringt oft mehr als eins im Erdgeschoss.
Modulleistung: Mehr Modulleistung gleich mehr Ertrag, auch bei bewölktem Himmel. Zwei Module mit je 450 Wp (900 Wp gesamt) bringen an trüben Tagen 5 bis 10 Prozent mehr als zwei Module mit je 350 Wp (700 Wp), weil der 800-W-Wechselrichter besser ausgelastet wird.
Realistische Erwartungen
Ein Balkonkraftwerk deckt nicht den gesamten Stromverbrauch eines Haushalts. Es deckt die Grundlast: Kühlschrank, Router, Standby-Geräte, LED-Beleuchtung. Das sind typischerweise 300 bis 500 Watt, die rund um die Uhr laufen. Tagsüber, wenn die Sonne scheint, liefert das Balkonkraftwerk genug, um diese Grundlast abzudecken und manchmal sogar darüber hinaus.
Was es nicht schafft: den Herd, den Backofen, den Wasserkocher, die Waschmaschine. Diese Geräte ziehen 1.000 bis 3.000 Watt und übersteigen die 800-Watt-Grenze des Wechselrichters. Sie können durch das Balkonkraftwerk unterstützt werden (ein Teil des Stroms kommt vom Balkon, der Rest vom Netz), aber nicht vollständig versorgt.
Bei einem Haushalt mit 3.000 kWh Jahresverbrauch deckt ein Balkonkraftwerk ohne Speicher (300 kWh Eigenverbrauch) rund 10 Prozent des Bedarfs. Mit Speicher (600 kWh) etwa 20 Prozent. Das klingt nach wenig, spart aber 100 bis 250 Euro pro Jahr und ist der günstigste Einstieg in die eigene Stromerzeugung, den es gibt.
Ertrag im Jahresverlauf
Der Ertrag schwankt stark über das Jahr. Im Juni und Juli liefert ein 800-Wp-System an guten Tagen 4 bis 5 kWh. Im Dezember und Januar sind es 0,5 bis 1 kWh, an trüben Tagen fast nichts.
Grobe Verteilung: März bis September: 70 bis 75 Prozent des Jahresertrags. Oktober bis Februar: 25 bis 30 Prozent. Dezember allein: 3 bis 5 Prozent.
Ein Speicher hilft vor allem in den Übergangsmonaten (März bis Mai, September bis Oktober), wenn tagsüber genug Strom erzeugt wird, um den Speicher zu füllen, und abends noch Bedarf da ist. Im Hochsommer ist der Speicher schnell voll und der Überschuss fließt trotzdem ins Netz. Im Winter reicht der Ertrag oft nicht, um den Speicher nennenswert zu füllen.
Wie man den Ertrag maximiert
Optimale Ausrichtung wählen (Süd, 30 bis 35 Grad). Module mit mehr als 800 Wp installieren (Überdimensionierung auf 860 bis 2.000 Wp). Verschattung minimieren (höher montieren, verschattungsfreien Standort suchen). Einen Speicher nachrüsten (Eigenverbrauch von 35 auf 80 Prozent steigern). Großverbraucher tagsüber nutzen (Waschmaschine, Geschirrspüler mittags laufen lassen). Und die Monitoring-App im Blick behalten, um Leistungseinbrüche oder Defekte früh zu erkennen.







